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Die Haupt-B (Beobachtungs)-Stelle auf dem Irscher Scharfenberg

Titelbild: Die letzte Reserve"Die Haupt-B (Beobachtungs)-Stelle auf dem Irscher Scharfenberg" ist eine Leseprobe aus dem Buch "Die letzte Reserve" von Erwin Frank

Erwin Frank geht in seinem Buch "Die letzte Reserve" speziell den Spuren der 1. und 2. Batterie der Heeres-Festungs-Artillerieabteilung 1309 nach. Die 1. Batterie stand auf dem Wiltinger Berg und wurde befehligt von Oberleutnant (zuletzt Hauptmann) Wilhelm Seegis und die 2. Batterie operierte unter Oberleutnant Adolf Wehgartner vom Irscher Scharfenberg aus. Die Resonanz dieses Buch war so gut, dass inzwischen eine 2. Auflage, um neue Erkenntnisse ergänzt, herausgegeben worden ist.

Im Rahmen der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge herausgebrachten Reihe "Erzählen ist Erinnern" hat Erwin Frank in seinem erstmals 2003 erschienen Buch ". . . dann kommt der Krieg zu dir" die auf der Gemarkung Wiltingen gefallenen deutschen und amerikanischen Soldaten, die ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter und die Wiltinger Ziviltoten dokumentiert. Auch dieses Büchlein war so erfolgreich, dass inzwischen eine 2. Auflage herausgegeben werden musste.

Beide Bücher sind zu erwerben bei
Erwin Frank
Scharzhofstraße 271
54459 Wiltingen
Tel. 06501 / 1 72 41
e-mail: Erwin.K.Frank(at)addcom.de
Preis: "... dann kommt der Krieg zu dir" 11,- Euro; "Die letzte Reserve" 12,- Euro (Versand und Verpackung 1,25 Euro)


Auf dem Kamm des Scharfenbergs, Höhe um 380 m NN, standen drei Artillerie-Beobachtungsstände ohne Panzer mit MG-Scharte (amtliche Bezeichnung nach der Wehrmachtskarte). Uffz. Xaver Lerch sollte nach seinem Zahnarztbesuch in Irsch den nördlichsten der drei Artilleriebeobachter, WH B 1148, besetzen. Der aber war rundum mit Bäumen und Gestrüpp zugewachsen und für den vorgesehenen Zweck untauglich. Deshalb buddelte er sich sein eigenes Deckungsloch mit freier Sicht nach Westen sowohl auf das tieferliegende Gelände um die Saar (Höhe um 145 NN m) als auch auf den Saargau um Mannebach.


Die B-Stelle des Stabes lag etwas südlicher, also entweder WH B 1137 oder WH B 1130. Die 3. Batterie hatte ihre Stellungen südlich der Straße Irsch – Zerf (B 407) und wird in der Literatur einmal im Zusammenhang mit der Verteidigung um Serrig erwähnt ( CHRISTOFFEL, a. a. O., S. 435.).

In diesem Irrgarten von Bunker auf dem Scharfenberg war auch der Befehlsstand des Abteilungskommandeurs Major Perkhof. Exakt lässt sich dieser Bunker nicht mehr bestimmen, war aber ganz in der Nähe der drei Beobachter und könnte entweder Bunker WH Mu 21 oder WH Mu 23/48 gewesen sein.

Zur Beobachtung standen nur optische Geräte zur Verfügung. Die Ziele wurden über Koordinate durchgegeben oder es wurden markante Punkte gesucht, wozu gerne Kirchtürme ausgewählt wurden.

Als Peskoller von Wincheringen wieder zurück bei seiner Einheit in Ockfen war, besetzte er den Bunker WH 38 208 Aufm Kamm . Zum Beobachten ein idealer Standort: etwas erhöht über dem Flusslauf und der Saaruferstraße, südlich der Abzweigung nach Ockfen mit guter Übersicht über das Saartal und die auf der anderen Saarseite verlaufende damalige B 51 (heutige K 130 Saarburg/Niederleuken - Biebelhausen). Der Bunker war zwar kein Beobachtungsbunker, sondern als 6-Schartenturm gehörte er zu den besonders feuer-starken Verteidigungsanlagen. Scheinbar war er von regulären Kampftruppen nicht besetzt, wie so viele andere Bunker auch, sodass Peskoller diesen Bunker zur Beobachtung ausgesucht und belegt hatte.

* Propagandaoffizier
Die offizielle Bezeichnung war "Nationalsozialistischer Führungsoffizier" (NSFO). Er hatte als Träger der "politischen Führungsaufgabe" zu gewährleisten, dass "auch der schlechteste und ganz primitiv denkende Soldat" den Krieg als seinen "ganz persönlichen Krieg" empfand (Informationsschrift des Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden, Nr. 9, S. 13).

Derweil ging der Vormarsch der Amerikaner über den Saargau mehr als zügig voran. Xaver Lerch beobachtete von der Haupt-B-Stelle den Aufmarsch der Amerikaner über Teile des Saargaues mit ihrem erdrückenden Kriegsmaterial. Panzer an Panzer, Geschütz und schwere LKWs bis es dunkel wurde und am nächsten Morgen ging das so weiter. Lerch sagte zu seinen Kameraden: "Macht die Brotbeutel fertig, die da halten wir nicht mehr auf." Lächerlich die eigene bescheidene Ausstattung. Anstelle ausreichenden Kriegsmaterials hatten die einzelnen Truppenteile, so auch die HFAA 1309, einen Propagandaoffizier* und jede Woche war staatspolitische Schulung. Was den Landsern an Feuerkraft fehlte versuchte man mit markigen Propagandaphrasen und leeren Versprechungen auszugleichen: Ausharren – wir werden siegen – kriegsentscheidende Waffen kommen.

Als das 376. US-Infanterieregiment Ayl erreichte, bereitete es den Übergang über die Saar vor.

Erschwert wurde das Übersetzen durch Hochwasser und dadurch, dass auf der gegenüberliegenden Flussseite die Hauptbefestigungs-anlagen der Siegfriedline lagen ( BYRNES, a. a. O., S. 340.). Für diese Operation wurden zwei US-Bataillone Seite an Seite eingesetzt. Das 3. Btl. von Oberstleutnant Thurston sollte bei Schoden etwa gegenüber dem Bismarckturm übersetzen und das 1. Btl. unter Oberstleutnant Miner hatte als Auftrag bei der Lambertskehre die Saar zu überqueren und die Höhe südlich von Ockfen (Distrikt Aufm Kamm) einzunehmen. Der für den am 22.02. morgens um 4.00 Uhr geplante Angriff wurde einige Stunden später abgesagt, als die notwendigen Boote bis zum Tagesanbruch noch immer nicht angekommen waren und sich der Nebel wieder gelichtet hatte.

Als dann am Nachmittag desselben Tages die Boote ankamen bereitete man sich auf die Flussüberquerung vor. Von der Haupt-B-Stelle Scharfenberg beobachte Uffz. Lerch den völlig ungetarnten Aufmarsch und das Heranschaffen von Booten durch das 1. US-Bataillon an der Lambertskehre . Wegen Munitionsmangel wurden der 2. Batterie aber nur zehn Schuss bewilligt. So konnte die amerikanische Vorbereitung weitestgehend ungestört weitergehen. Byrnes schreibt ( BYRNES, a. a. O., S. 342. ):

"Als die vordersten Kompanien von jedem Bataillon zum Fluss vorrückten, schickte der Feind etwas Störungs-feuer von Kanonen und Mörsern und ein Streufeuer mit automatischen Waffen herüber."

Danach wurde gg. 16.30/17.00 Uhr das Saartal durch die US-Angreifer vernebelt. Die Deutschen hatten damit jedes Ziel verloren und schossen nur noch auf Verdacht. Dabei wurden jedoch mehr und mehr Nebelgeneratoren beschädigt und gaben ihren Geist auf. Ein leichter Wind der durch das Flusstal wehte vertrieb den künstlichen Nebel und die Deutschen hatten wieder uneingeschränkte Sicht.

Ein in Kriegsgefangenschaft geratener deutscher Offizier berichtete später in seiner Vernehmung ( BYRNES, a. a. O., S. 300. ):

"Bei Ayl waren die Verteidiger (Deutsche) verblüfft, dass das 376. US-Infanterieregiment am hellen Nachmittag über die offenen Wiesen vorstieß und ihre Boote zu Wasser ließ und sich dabei sehr schwerem Artillerie- und Granatwerferfeuer von den Bergen und Maschinengewehrfeuer aus den Bunkern am Fuße der Berge aussetzte. Es war außer jedem Zweifel, dass hier eine Flussüberquerung nur bei Dunkelheit gelingen würde."

Der sich anschließende Versuch die Saar zu überqueren scheiterte im Kugelhagel und starken Artilleriefeuer der Verteidiger sowohl in Ockfen als auch in Schoden. Um ein noch größeres Blutbad zu verhindern wird der Angriff abgebrochen.

An diesem Scheitern des ersten gegnerischen Angriffs hatte Wachtmeister Peskoller maßgeblichen Anteil. Uffz. Lerch hörte am gleichen Abend ein Telefongespräch mit, in dem ein höherer Artillerieoffizier ( Das könnte Oberst Babinger, Artilleriekommandeur des LXXXII. Armeekorps, zu dem die HFAA 1309 gehörte, gewesen sein. ) dem Wachtmeister Peskoller das Ritterkreuz verlieh. In Anbetracht der sich überschlagenden Ereignisse wurde das Ritterkreuz nicht mehr persönlich an Wachtmeister Peskoller ausgehändigt und er hat es auch nie tragen können.

Um 21.30 Uhr trafen neue Boote ein und als sich wieder natürlicher Nebel im Flusstal gebildet hatte, wurde nur wenige Stunden später, um 23.00 Uhr, ein neuer Angriff in Schoden und in Ockfen durchgeführt. Das 1. US-Bataillon an der Lambertskehre wird auch bei dieser nächtlichen Flussüberquerung bemerkt und durch hin- und herkreuzendes Maschinengewehrfeuer empfangen. Wegen des wieder aufgetretenen Nebels war ein gezieltes Schießen nicht möglich. Die deutschen Verteidiger setzten alsbald ein Trommelfeuer der Artillerie ein. Bei diesem Trommelfeuer und schwerem Maschinengewehrfeuer wurde der Kommandeur des 376. US-Inf.-Regiments Oberst McClune schwer verwundet und durch Oberstleutnant Anderson abgelöst (BYRNES, a. a. O., S. 344).

Bei diesem 2. Angriff in der Nacht vom 22. auf den 23.02. war den Amerikanern die Bildung eines Brückenkopfes sowohl bei Schoden gegenüber dem Bismarckturm als auch bei Ockfen gegenüber der Lambertskehre doch noch gelungen. Gegen 0.30 Uhr, es war Freitag, der 23.02., rief Wachtmeister Peskoller bei der Haupt-B-Stelle an: "Feind hat über die Saar gesetzt" (LERCH, a. a. O., Zeitzeugenaussage).

Auf deutscher Seite war die 2. Batterie der HFAA 1309 wegen Munitionsmangel nur eingeschränkt feuerbereit. Man beklagte zudem, dass weder Pak noch Flak zur Verfügung stand. Die Volkssturmmänner, die die regulären Truppen unterstützen sollten, gingen bei der erstbesten Gelegenheit stiften. Mehrere deutsche Bunker wurden ausgeschaltet, allerdings wurde der Bunker des Wachtmeisters Peskoller von ihm gehalten.

Erst als der Bunker des Artilleriebeobachters Peskoller angegriffen wurde und die Besatzung zum Schutz die Türen verschloss, gab die 2. Batterie der HFAA 1309 ihrem VB Feuerschutz und die Amerikaner zogen sich wieder zurück.

Gegen Mittag des 23.02. wurden US-Soldaten auf dem Plateau, etwa In der Wolfsheck, südlich von Ockfen beobachtet. Uffz. Lerch sollte einen Feuerüberfall mit zehn Schuss Munition und einen deutschen Gegenangriff mit acht Infanteristen vorbereiten. Der bereits erwähnte Propagandaoffizier sollte den Angriff leiten. Der aber kauerte in der Ecke eines Bunkers und traute sich nicht hinaus. Als ihn Uffz. Lerch einen Feigling nannte, nahm er das kommentarlos zur Kenntnis. Der Angriff verlief im Sande.

An diesem Abend stand Uffz. Lerch auf seinem Beobachterposten, als unten im Tal in Ockfen ein Mutiger die Abendglocke läutete. Lerch schreibt in seinem Tagebuch: "Ich stand da und dachte über die Sinnlosigkeit des Krieges nach. Noch nie hat mich ein Glockengeläut so ergriffen wie dieses."

Das 3. Bataillon des 376. US-Infanterieregiments, das bei Schoden die Saar überquert hatte, besetzte noch in der Nacht den Irminerwald in Schoden und die nördliche Höhe über Ockfen (Herrenberg) . Ein Teil des 3. Btl. stieß im Laufe des Tages (23.02.) im Gänsemarsch über den Weinbergen im Herrenberg in östlicher Richtung ( Bocksteinfels ) vor. Dabei wurde auch der Bunker WH 273/74 über den Weinbergen eingenommen, in den sich der 17-jährige Volks-sturmmann Wilhelm Kind aus Saarburg-Beurig mit seinen Wiltinger Kameraden Franz Burg und Alois Kramp unter Granatwerfer-beschuss der Amerikaner zurückgezogen hatten. Etwa ein Dutzend weitere Männer, etwa zur Hälfte Wehrmachtsangehörige und Volkssturmmänner, hielten sich dort auf. Die Amerikaner griffen den Bunker mit Maschinengewehrfeuer an. Wilhelm Kind und seine Wiltinger Kameraden robbten sich aus dem Bunker und kamen schließlich in Steinbachweier an, während die übrigen aus dem Bunker in Gefangenschaft gingen (KIND Wilhelm, Dipl.-Ing., Bamberg, s. Zt. Saarburg-Beurig, Zeitzeugenaussage im Jahre 2007).

Nach Einnahme des Bunkers stiegen die Amerikaner von der Höhe ins Ockfenerbachtal hinab und erreichten am Abend den Fuß des Scharfenberges. Wörtlich heißt es bei Byrnes (BYRNES, a. a. O., S. 348.):

"Am frühen Abend durchquerten Oberstleutnant Thurstons Männer das Tal und erstiegen im Mondlicht den Scharfenberg, das Eroberungsziel für das Regiment. Die Höhe dieses zweiten Berges war bekannt als ein Labyrinth feindlicher Bunker. Deshalb richtete der Bataillonskommandant für die Nacht auf der nördlichen Nase des Höhenzuges umfangreiche Maßnahmen zur Verteidigung ein."

Als Uffz. Xaver Lerch an diesem Abend bei immer wieder hinter ihm einschlagenden feindlichen Granaten zu seinem Erdloch auf Wache ging, hörte er unterhalb im Hang des Scharfenberges Geräusche, als wenn jemand am Schanzen (Deckungslöcher graben usw.) sei. Es waren die Leute des 3. US-Btl., was natürlich von den Deutschen niemand wusste. Uffz. Lerch meldete dies dem kurze Zeit vorher auf der B-Stelle eingetroffenen Batterieführer Oberleutnant Wehgartner. Dieser gab die Meldung weiter an den stellvertretenden Abteilungskommandeur (der Abteilungskommandeur Major Perkhof war tags vorher verwundet worden – Anm. d. Verf.) der anordnete, sofort einen Spähtrupp einzusetzen. Oberleutnant Wehgartner wollte selbst diesen Spähtrupp führen und suchte einen Freiwilligen. Uffz. Lerch meldete sich, obwohl er geschworen hatte, sich niemals mehr freiwillig zu melden. Aber er glaubte in irgendeiner Weise moralisch verpflichtet zu sein, weil er Stunden vorher den NSFO-Propagandaoffizier einen Feigling genannt hatte. Mangels Maschinenpistolen steckte sich jeder vier Handgranaten ins Koppel auf dessen Schloss immerhin noch stand "Gott mit uns".

Also gingen Oberleutnant Wehgartner und Uffz. Lerch auf die unbekannten Geräuschen zu. Langsam und gedeckt durch die Nacht und die Eichenstockausschläge kam der Spähtrupp bis auf vier bis sechs Meter an die Nachtarbeiter heran. Auf den Anruf des Batterieführers: "Halt, wer da – Kennwort?" keine Antwort. Die Gegenüber sind total überrascht und lassen das Schanzzeug fallen – man hörte das. Totenstille, kein Wort. Dann noch einmal der Anruf und wieder keine Antwort. Die Nerven sind bis zum Äußersten gespannt. Uffz. Lerch ruft: "Wenn ihr keine Antwort gebt, dann schießen wir." Jetzt kommt eine Antwort, aber nicht in deutsch. Also war es der Feind. Dann ging alles sehr schnell. Ohne ein Wort zu sagen warf jeder seine Handgranaten ohne zu wissen, ob sich der Gegner nicht auch ergeben hätte. Aber in diesen Momenten, wo Leben und Tod auf dem Spiele steht, denkt keiner rational, sondern der natürliche Selbsterhaltungstrieb löst nur noch Reflexreaktionen aus die das Handeln bestimmen. Den Überraschungsmoment des Gegners wollte der deutsche Spähtrupp zu seinen Gunsten ausnutzen um schnell wieder in die schützenden Bunker und Deckungslöcher zu kommen. Im Laufschritt den Berg hinauf, hing ihnen die Zunge förmlich aus dem Mund und durch die vorhergegangene Aufregung schlug das Herz zum Halse heraus. Gegen den hellen Horizont sieht Uffz. Lerch den Nachrichten-staffelführer Uffz. Fritz (vermutlich Kasper oder Casper ) mit dem Gewehr in Anschlag gehen. Lerch will noch rufen, das Wort bleibt ihm in der Kehle stecken, zwei Schüsse fallen und der Batterieführer Oberleutnant Adolf Wehgartner fällt tödlich getroffen vor die Füße von Uffz. Lerch. Der, selbst am Arm getroffen, denkt in dieser Schrecksekunde an das Lied "Ich hat einen Kameraden . . ." Alles dreht sich, Lerch stolpert in sein Deckungsloch und Uffz. Fritz Kasper stotterte immerfort: "Was hab ich getan, was hab ich getan." Wie er sagt, hat er den zurückkehrenden Spähtrupp nicht erkannt sondern zweimal angerufen. Die aber hörten infolge ihrer Aufregung und des Heraufsprintens auf den Berg diese Anrufe nicht und gaben deshalb auch keine Antwort. Daraufhin nahm der Unglücksschütze an, es seien Feinde die ihren Bunker im Sturm erobern wollten und schoss.

Uffz. Lerch bezeichnet seinen gefallenen Batterieführer als einen korrekten Offizier vom Scheitel bis zur Sohle. Er habe bei allen in der Batterie größtes Ansehen gehabt und sein tragischer Tod hätte alle sehr geschockt. Fritz Kasper hat dann selbst den stellvertretenden Abteilungskommandeur angerufen und Bericht erstattet.

Als Ranghöchster bat Uffz. Lerch den Kommandeursstellvertreter den Bunker räumen zu dürfen. Die Antwort: "Der Bunker muss gehalten werden." Daraufhin wurde um Verstärkung gebeten, denn die wenigen Mann und ein nervlich zusammengebrochener Unteroffizier konnten den Bunker nicht halten. Nach einer halben Stunde traf vom Stab ein Unteroffizier mit zwei Mann ein und hatten wenigstens eine Maschinenpistole dabei. Kaum standen sie auf Wache, versuchten die Angreifer den Bunker, in dem auch noch Uffz. Xaver Lerch war, zu stürmen. Der Angriff wurde abgewehrt. Eine halbe Stunde vorher, so Xaver Lerch, als der Ersatz vom Stab noch nicht eingetroffen war, hätten die Amerikaner den Bunker mühelos einnehmen können.

Nur vereinzelt fielen Bunker in die Hand der Gegner. Bei einem der Angriffe fiel Uffz. Fritz Kasper am 25.02. an der gleichen Stelle, von wo aus er den tragischen Schuss auf seinen Batterieführer Oberleutnant Adolf Wehgartner abgegeben hatte. Einen Tag lang waren sie mit einigen Offizieren der Infanterie eingeschlossen und belagert. Die Mannschaft war für eine Aufgabe, die Offiziere wollten einen gewaltsamen Ausbruch machen. Dann habe deutsche Infanterie den Bunker wieder freigekämpft ( Aussage des Zeitzeugen Walter Gröger nach dem Kriege gegenüber Xaver Lerch. Walter Gröger war als Beobachter auf der Haupt-B-Stelle Scharfenberg .).

** Me 109
Die Me 109 war ein einsitziger Jäger (auch Jagdbomber) und das wichtigste deutsche Jagdflugzeug des 2. Weltkrieges. Bezeichnung: "Messerschmitt Bf 109".

Die Männer des 3. US-Btl., die sich am Abend des 23.02. unterhalb des Scharfenberges festgesetzt hatten wurden am nächsten Tage von ihrer Truppe abgeschnitten und standen unter schwerem Artillerie- und Granatwerferfeuer der 2. Batterie mit ihren 12,2-cm-schweren Feldhaubitzen. Eine dieser Granaten wurde noch 2005 als Blindgänger gefunden ( ZIMMER, a. a. O., mündliche Auskunft über Fundgegenstände. ). Die amerikanische Versorgungseinheit konnte keinen Nachschub mehr liefern. Deshalb wurden Artilleriebeobachtungsflugzeuge eingesetzt. Sie warfen Essen, Munition und Verbandsmaterial ab. Die Deutschen setzten Maschinengewehrfeuer gegen die Flugzeuge ein und einmal erschienen zwei deutsche Jagdflugzeuge, Me 109**,die nach einer Darstellung von Byrnes keinen Erfolg hatten ( BYRNES, a. a. O., S. 349 ff. ). Erst am 26.02. wurden die so stark von den Deutschen bedrängten Männer des 3. US-Btl. endgültig entsetzt.

Der verbissene Kampf um die Bunker auf dem Scharfenberg dauerte fünf volle Tage.

Derweil war Xaver Lerch seit dem 24.02. auf dem Wege zum Hauptverbandsplatz in Waldweiler, der von Saarburg-Beurig auf den Hochwald verlegt worden war. Den verwundeten Arm hatte man mit zwei Brettchen von einer Notverpflegungskiste geschient. Wie wurde Lerch um seinen Heimatschuss beneidet. Wie gerne hätte jeder einen nicht lebensgefährlichen Schuss hingenommen, um aus diesem Schlamassel herauszukommen. Auf dem Wege zum Haupt-verbandsplatz schlossen sich ihm zwei Landser an. Alle drei wurden von der Feldgendarmerie festgehalten. Die aber hatten ein Stelldichein zu einer Tasse Kaffee bzw. was man Kaffee nannte, mit zwei Mädchen aus Baldringen oder Hentern. Da sich die Feldgendarmen die Gelegenheit zu einer Tasse Kaffee nicht entgehen lassen wollten, nahmen sie die Arretierten mit, die auch noch etwas davon mitbekamen. Danach durfte Uffz. Lerch als Verwundeter weiter in Richtung Hauptverbandsplatz, während seine beiden Begleiter, die dem Krieg offensichtlich aus dem Wege gehen wollten, wieder an die Front zurück mussten. Sie fanden glücklicherweise in den beiden Feldgendarmen verständnisvolle "Richter", sonst hätte sie Schlimmes erwartet.

Am Abend erreichte Uffz. Lerch den Hauptverbandsplatz in Waldweiler. Im Lazarett in St. Wendel traf er seinen Abteilungs-kommandeur Major Perkhof, auf einer Pritsche liegend, der am 22.02. verwundet worden war.
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Die letzte Reserve

Erwin Frank ist ein fleißiger Schreiber: "Die letzte Reserve" heißt sein neuestes Werk. TV-Foto: Ludwig Hoff (TV, 13. November 2006)
Ein Stück Heimatgeschichte, wenn auch ein trauriges, hat der Hobby-Autor Erwin Frank aus Wiltingen der Nachwelt erhalten mit seiner Dokumentation "Die letzte Reserve". Seine Berichte führen den Leser mehr als 60 Jahre zurück in die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs.
Geschrieben hat Erwin Frank (72) sein ganzes Leben lang, nur waren es keine Bücher. Diesem Genre hat sich der ehemalige langjährige Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung Saarburg erst in den vergangenen Jahren gewidmet, als er pensioniert war und mit mehr oder weniger interessanten Behördenbriefen nichts mehr zu tun hatte. Sein jüngstes Werk, es trägt den Titel "Die letzte Reserve", stellte der Kommunalbeamte in Ruhe nach jahrelangen Recherchen vor wenigen Wochen fertig. Schon der Titel lässt auf ein leidvolles Kapitel (Heimat-)Geschichte schließen.

Zwei Schwerpunkte auf 142 Seiten

Auf 142 Buchseiten nimmt sich der Autor zweier Schwerpunkte an: In Teil eins seiner Berichterstattung aus den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs geht es ihm um "die Artillerie auf dem Wiltinger Berg und dem Irscher Scharfenberg", wer dort kämpfte, die Stellungen räumen musste und wer sie eroberte. Und weil im Zweiten Weltkrieg nicht nur die Soldaten an der Front unsägliches Leid ertragen mussten, sondern auch die Zivilbevölkerung auf dem flachen Land schlimmsten Kriegshandlungen hautnah ausgesetzt war, beschreibt der Autor in Teil zwei den Wiltinger Berg als Zufluchtsort der Menschen.

Der Anhang mit Beschreibungen und Kartenmaterial hilft bei der Orientierung denen, die diese Zeit durch das Glück der späten Geburt nicht miterleben mussten. Franks heimatkundliche Dokumentation geht ausführlich auf die 1. und 2. Heeres-Festungs-Artillerieabteilung 1309 ein, die in Wiltingen, Irsch und Ockfen dem drohenden Ende nichts entgegenzusetzen hatte. Es war höchste Zeit, so Frank, sich mit den damaligen Ereignissen zu beschäftigen, weil die Zeitzeugen immer weniger werden. Einen Kämpfer von damals machte er im Allgäu aus, einen weiteren in Thüringen und wieder einen anderen in der Region, der als "vorgeschobener Beobachter" dienen musste. Über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat der Wiltinger bereits vor seinem neuen Werk das Buch mit dem Titel "…dann kommt der Krieg zu dir" herausgegeben. Erzählt wird darin das Schicksal von deutschen und amerikanischen Gefallenen auf der Gemarkung Wiltingen, von Ziviltoten und von Zwangsarbeitern, die ums Leben kamen.

Recherchen führten bis in die USA

Bis in die USA führten Franks Recherchen für einen Beitrag in dem Buch "Einsatzziel: Überleben". Seit 1989 schreibt Frank Beiträge für das Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg, darunter "Wiltingen und seine Gehöferschaft" (2006), über "Jugoslawische Zwangsarbeiter" in seiner Heimatgemeinde (2005) oder "Rund um die Honigbiene" (1989). Gerade letztes Thema kam dem naturverbundenen Menschen (Frank über sich selbst) sehr entgegen, da er sich noch mit der Imkerei beschäftigt. An Ideen mangelt es Frank nicht: "So Gott will, möchte ich mit dem Schreiben so schnell noch nicht aufhören..."
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Aktualisiert am:
26. Februar 2010

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