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Die Pfarrchronik von Irsch
Titelblatt: Entwurf und Zeichnung von Else Höck, Frankfurt a/M

    Inhaltsverzeichnis

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Die Pfarrchronik von Irsch

Die ersten Anfänge

Als stummer Zeuge der ersten Anfänge unserer Gemeinde ragt der frühromanische Ost-Turm der Pfarrkirche in unsere Gegenwart herein. Während die ungefähr gleichaltrige Saar-Burg längst verwittert ist, steht unser Turm wohlerhalten noch heute als Sakristei im Dienst der Pfarrkirche.

Seine geringe Höhe von etwa 15 m weist darauf hin, daß es seinem Erbauer nicht darum zu tun war, ein stolzes Bauwerk zu schaffen, als vielmehr darum,... ein Wahrzeichen zu setzen für seinen Herrschaftsanspruch über unser Land und diesen im Geist des Evangeliums zu begründen: 'Gebt Gott, was Gottes ist, und dem Menschen, was ihm gebührt!' So verheißt das schützende Pultdach des Turmes dem bedrängten Menschen Schutz und Heil, während der Innenraum als Kapelle und Glockenstuhl Gottes Lob und Ehre verkünden.

Wann und von wem wurde dieser Turm erbaut? über das 'Wann' gibt die massive und trutzige Bauform verbunden mit einer hohen Sorgfalt, mit welcher die wichtigsten Bauelemente gearbeitet und zusammengefügt sind, Auskunft. Nach Süden und Westen sind noch 2 Schallfenster erhalten. Ihre Rundbögen bestehen aus bis 30 cm hohen, sorgfältig behauenen und keilförmig gestellten grauen Sandsteinen. Sie ruhen auf robusten, weit ausladenden Kämpferschrägen und verlaufen sich unter diesen sockellos in das Mauerwerk- eine Eigenart des frühromanischen Baustils der 1. Jahrtausendwende.

Auch auf die Frage: von wem der Turm erbaut wurde, gibt es eine fast sichere Antwort. Nach dem Jahre 962, in welchem Otto 1. vom Papst in Rom als Deutscher zum Kaiser des Römischen Reiches gekrönt wurde, wurden die Trierer Erzbischöfe auch Landesfürsten über ihr Seelsorge-Gebiet und legten ein 'Verzeichnis ihrer Rechte und Güter' an. Darin ist aus dem Jahre 1052 eine Urkunde erhalten (Prekarie-Vertrag), in welcher der Erzbischof Eberhard von Trier (1047-1066) die Hufe mit Namen 'Evese' auch Hevese oder Euesche genannt als Lehen mit Gemeinde-Recht einem gewissen Grafen von Arlo übergibt. Mit der Hufe Evese ist ohne Zweifel unser heutiges Irsch gemeint, das noch heute im Flurgebiet 'Heuesen' liegt, wenngleich die Bezeichnung durch den Sprachgebrauch geringfügig erweitert und auf das Waldgebiet beschränkt wurde: Heuesener oder N' euesener (heute: Neunheuser) Wald. Diese Bezeichnung blieb bis ins 16. Jahrhundert erhalten.

über Erzbischof Eberhard weiß die Chronik, daß er alemannischer Herkunft war und ein Mann erprobter Tugenden. Im Jahre 1047 wurde er von Papst Clemens II. zum Erzbischof von Trier ernannt. Eng befreundet mit den Grafen von Egisheim und Dagsburg, begleitet er im Jahre 1048 den Bischof von Toul, Graf Bruno von Dagsburg, auf einer Romreise. Dort wurde Bruno im gleichen Jahre zum Papst gekrönt und nahm den Namen: Leo IX. an. Die Kirche verehrt den Papst als Heiligen (Fest am l9.April). Er starb im Jahre 1054 und liegt im Petersdom begraben. - Erzbischof Eberhard nach Trier zurückgekehrt erbaute die Kirche St. Paulin Zur Einweihung kam Papst Leo IX persönlich nach Trier. Eberhard starb im Jahre 1066 und liegt in St. Paulin begraben.

Romanischer Ostturm der Pfarrkirche Irschüber den Grafen Walram von Arlo und seiner Gemahlin Adelheid wissen wir nur, daß sie ihren Stammsitz auf der Burg Arlo, heute Arlon in Belgien, etwa 20 km westlich von Luxemburg hatten. Um das Jahr 1120 wurde Arlo zur Markgrafschaft erhoben.

Diese beiden Männer errichteten unsere Turmkapelle als Anerkennung der Oberhoheit Gottes über Land und Leute. 'De Voto' zu Gottes Ehre und 'Pro Gratia' zum Schutz der Menschen (auch Asylrecht genannt). Diese christlich-fromme Auffassung eines Herrschaftsanspruches hängt mit der Gründung des 1. Deutschen Reiches zusammen. Auf der Suche nach einer tragenden Staatsidee und einem sicheren Grundgesetz für das Reich, stieß Kaiser Otto III. (993-1002) auf die Ideen des hl. Kirchenlehrers Augustinus in dessen Buch: 'über den Gottestaat'. Danach konnte ein Machtanspruch über Land und Leute nur mit dem Worte des Evangeliums begründet werden:' Du hättest keine Macht, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.' (Joh.19,11 ; Röm.13,1) Sinnfälliger Ausdruck, eben 'Herrscher von Gottes Gnaden' zu sein, war der Bau einer solchen Votiv-Kapelle. Diese christliche Staatsauffassung war besonders lebendig in der 1. Hälfte des 11. Jh. und wieder insbesondere in den Landen an Mosel und Saar. Noch etwa 100 Jahre früher wäre unser Turm, falls er erbaut worden wäre, ein 'Bergfried' mit Ritterwohnung geworden, wie etwa die Saar-Burg (964), ebenso wäre er es nur kurze Zeit später geworden.

Zusammenfassend kann demnach gesagt werden, daß unsere Pfarrkirche als Turmkapelle im Jahre 1052 erbaut worden ist unter dem Erzbischof Eberhard von Trier.
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Das Wappen des Jakob von Sierck (1439-1456)

Im 15. Jahrhundert wurde das Erdgeschoß unserer Turmkapelle erweitert, die Wände nach Süden und Osten durchbrochen und die SO-Ecke durch einen mächtigen Rundpfeiler unterfangen, um Sakristei-Raum zu gewinnen, wie der Chronist meint. Das Erdgeschoß, bisher 2,80 x 1,75 m groß, wurde damals um knapp 2 m nach Osten und Süden erweitert und diente nunmehr als Altarraum für eine kleine nach Westen hin angebaute Kirche. Der neue Altarraum erhielt ein gotisches Kreuzgewölbe mit hohen Birnstabrippen. Die breit gefaßten Spitzbögen des Gewölbes beginnen über Halbfeilern und tragen einen runden Schlußstein aus grauweißem Sandstein, in welchem reliefiert das Wappen des Erzbischofs und Kurfürsten Jakob von Sierck eingemeißelt ist. Das alte Mauerwerk des Turmes besteht aus rotfarbigem, steinsichtig verputzten Bruch-Sandstein. Der Turm erhielt ein 3. Geschoß mit 4 Bogenfenstern. Der erweiterte Chorraum wurde unter kleine Pultdächer gelegt.

Die Deutung des o.a. Wappens war bis heute umstritten. Beim Neuanstrich der Sakristei im Februar 1979 konnte unser Malermeister Hans Schwebach das Wappen eindeutig als das des Jakob von Sierck feststellen. Es zeigt auf Silbergrund das reliefierte Kreuz der Erzbischöfe von Trier in roter Farbe. Das Familienwappen der Freiherren von Sierck zeigt auf Goldgrund einen schräg verlaufenden roten Streifen mit 3 reliefierten Fächermuscheln von natürlicher Sandsteinfarbe. Außerdem wurde im Kapitel des mächtigen Auffangpfeilers eine sorgfältig gemeißelte, etwa 20 cm große Zierblume (gotische Krabbe!) als Firmenzeichen des Steinmetzen erkannt.

Jakob von Sierck ist ein Sohn des Freiherrn Arnold von Sierck in Lothringen. 1439 wurde er von Papst Eugen IV. zum Erzbischof von Trier ernannt und später 1447 von Papst Nikolaus V. bestätigt. Auf kirchlichem Gebiet suchte er die Frömmigkeit der Gläubigen, die Zucht der Geistlichkeit und die Reform der Klöster zu fördern. Im Jahre 1448 verkündete er auf der Saar-Burg, wo er übrigens oft und längere Zeit wohnte, einen 40-Tage Ablaß. Die Opferspenden verwandte er zum Neubau des Hospitals in Saarburg, zur Verbesserung der Verteidigungsanlagen der Stadt und für kirchliche Bauten. Aus diesen Gründen dürfen wir die Erweiterung unserer Turmkapelle in Irsch auf das Jahr 1450 festlegen.

Die Erweiterung unserer Kirche geschah sicherlich nicht nur, um Raum für eine Sakristei zu bekommen. Das hätte man viel leichter und billiger mit einem einfachen Anbau erreicht. Der Grund liegt vielmehr in der wachsenden Bedeutung des 'Hofes' Evese. Hier tagte das Hochgericht, hier war die größte Bevölkerungsdichte rechts der Saar, hier wohnte der Pfarrer, weit von der 'Mutterkirche'-Serrig entfernt.

Mit dem Erweiterungsbau unserer Kirche betonte der Erzbischof seine Präsenz in unserem Land, verhalf unserer Kirche zu mehr Selbständigkeit gegenüber der kirchlichen Verwaltungsbehörde, dem Erzstift in Kyllburg, und schließlich begrenzte er durch solche Maßnahmen den kaiserlichen Einfluß. Als Lothringer hatte Sierck keine Sympathie für den 'deutschen' Kaiser des Römischen Reiches. Einige Jahrzehnte später, im Jahre 1495, trennten sich auf einem Wormser Reichstag die romanischen Völker Italiens und Frankreichs aus dem Verbund des 'Heiligen Römischen Reiches', das von da an nur begrenzt mit dem Beisatz'Deutscher Nation' weiter bestand. Wenn der Erzbischof im Gewölbe unserer kleinen Kirche sein Wappen anbrachte, dann machte er seinem Unmut gegenüber den damaligen politischen Verhältnissen Luft.

Mit der Zerstückelung des Römischen Reiches in 'Nationen' fand in jenen Jahren das Mittelalter sein Ende. Die sogenannte 'Neuzeit' begann - man sagt mit der Entdeckung Amerikas (1492).

Zusammenfassend kann gesagt werden:
Der Erzbischof und Kurfürst Jakob von Sierck verdient für das mannigfache Gute, das er in dieser Landschaft geleistet hat, den Titel: 'Wohltäter von Stadt und Land Saarburg.'

Sein Wappen im Ostturm unserer Pfarrkirche kennzeichnet das Ende des Mittelalters und wünscht der Neuzeit mit der schönen Zierblume am Pfeiler: = BONA ET MELIORA - Alles Gute!
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Deutung der Zierblume am Turmfeiler

Ursprünglich war die Kirche von Irsch eine Filiale (Filia=Tochter) von Serrig. Um die Mitte des 15. Jh. siedelte der Pfarrer von Serrig nach Irsch über, das durch die Errichtung der 'Gaupflege' rechts der Saar an Bedeutung gewachsen war. So blieb zwar die Irscher Kirche eine Tochterkirche von Serrig, was die in der Himmelsrichtung nach Serrig schauende Blume bedeutet, aber sie erlangte zu gleicher Zeit gewisse Eigenrechte (Eigentum, Sakramentenspendung, regelmäßige Gottesdienste und das kirchl. Gericht) unter der Obhut des Erzbischofs, weshalb die Blume auf einer angedeuteten Mitra erscheint. Somit ist die Zierblume ein Dokument für die Erhebung der Irscher Kirche zu einer bischöfl. Eigenkirche unter Jakob von Sierck um das Jahr 1450.
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Im 1. Jahrhundert der Neuzeit

Unsere Pfarrchronik nennt im Jahre 1502 den Namen unseres Ortspfarrers: Heinrich von Prume. Er trägt den Titel: Pastor in Eyhse und Brudermeister der Sakraments-Bruderschaft in Saarburg.

Pastor in Eyhse. Damit ist unser Irsch gemeint. Bereits seit 1400 wird unsere Ortschaft Evese gelegentlich mit dem Suffix '-esche' als Euesche genannt. Nach 1500 verdrängt dieses Suffix das bisherige Stammwort gänzlich, sodaß es zur Ortsbenennung in folgenden Wendungen kommt: Eyhse - Ysche - Iasche. Auch heute noch spricht der Volksmund das Wort Irsch wie lasch aus. Man muß kein großer Sprachenkenner sein, um darin das Wort 'Eiche' zu erkennen.

Richtig bemerkt Dr. Laufner in '1000 Jahre Saarburg': 'Die Umbenennung einer Ortschaft erfolgt nicht unmotiviert. Sie kann im Besitzerwechsel, im Wechsel der Nutzungsart eines Gebietes oder im Funktionswechsel begründet sein.' Das zweite trifft für unsere Ortschaft zu.

Weite Teile des Euesener Gebietes waren bis in unsere Tage von Eichen-Niederwald bestanden. Die Rinde der jungen Niedereichen, Lohhecken genannt, war von jeher von den Gerbern (wegen des hohen Gerbstoffgehalts) sehr gesucht zur Herstellung der Gerbbrühe (Lohe). Mit höchster Wahrscheinlichkeit bestand schon vor dem Jahre 1400 in Saarburg eine Zunft der 'Lauer' (von Lohe). Aus dem Jahre 1569 jedenfalls ist eine Urkunde erhalten von der Erneuerung der 'Lauer'-Zunftordnung. Mit der Blüte des Gerberei-Gewerbes ging auch das Zubringergewerbe der Lohhecken-Schäler Hand in Hand, das bei uns bis in die neueste Zeit ein wichtiger Erwerbszweig war. Der 'Schunke-Schäle-Bua' an der Straße von Irsch nach Ockfen könnte seine Benennung von den Schunken (Eichenrinden)-Schälern ableiten, die beim Born ihre Brotzeit hielten.

Von der Nutzungsart des Eichenbestandes dieser Landschaft hat demnach unser Ort den heutigen Namen Irsch erhalten. Es mag noch erwähnt werden, daß der 'Casel-Bach' in seinem oberen Verlauf 'Iasche-Bach' genannt ist, soviel wie Eichen-Bach. In der Tat war der obere Bachlauf von Niedereichen bestanden. Wie der Bach so hat unser Irsch den Namen von der Eiche. - Das gleiche mag gelten von der Bezeichnung des Ortsteiles 'Büst' am Büsterbach gelegen, dem entlang sich ein weites Busch-(=Buesst) Gebiet erstreckte. Ähnlich leitet die 'Schiffelbuesst' (Schilfbusch) an der Saar ihre Benennung ab.

Der oben genannte Pfarrer Heinrich von Prurne ist in der Chronik auch als Brudermeister der Sakraments-Bruderschaft in Saarburg aufgeführt. In dieser Eigenschaft hatte er über das Inventar der kirchlichen Einrichtungen zu wachen. Das führt uns auf die Spur der Herkunft des kleinen vergoldeten Silberkelches in unserer Pfarrkirche. Dieser Kelch hat einen ausgesprochen spätgotischen Nodus, wie er in den Jahrzehnten um 1500 üblich war. Gelegentlich einer kleinen Restaurierung des Kelches im Jahre 1932 stellte der Goldschmied Johann Lürenbaum, Trier, fest, daß der Kelch keine Schrauben besaß und deshalb ein Alter von 400/500 Jahren haben muß, da solche seiner Zeit nicht im Gebrauch waren.
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Die Namen der Pfarrer von Irsch

Die Pfarrer in Irsch

Vom Jahre 1500 bis auf den heutigen Tag nennt unsere Chronik in fast lückenloser Folge die Namen der Pfarrer von Irsch. In dankbarem Gedenken seien sie hier wiedergegeben:

  • 1254 Pfarrer Godehard, Zeuge in Trier
  • 1502 Heinrich von Prume
  • 1512 Johann von Grymelrait, Erbauer der Gnadenkapelle in Beurig
  • 1569 Johann Schönecken, vollendet die Wallfahrtskirche (1579)
  • 1595-1624 Anton Beer, beruft die Franziskaner nach Beurig
  • 1624-1634 Reinerus Gerolstein
  • 1634-1637 Pfarrer Simon
  • 1637-1652 Peter Bongard aus Wittlich
  • 1652-1692 Johann Wilhelm Merfeld
  • 1692-1720 Wilhelm Merfeld, Neffe des o.a.
  • 1720-1739 Johann Backes
  • 1739-1759 Joh. Jakob Eschermann, Erzb. Sekrätär in Trier
  • 1759-1793 Johann Backes aus Oberlauch, erbaut unser Pfarrhaus in Irsch
  • 1793-1803 Johann Hoffmann aus Oberlauch (Prüm)
  • 1804-1808 Heinrich Schneider, erbaut das heutige Hauptschiff der Kirche
  • 1808-1813 Joh. Peter Casel aus Ehrang; Grabplatte hinter d. Kirche
  • 1813-1817 Karl Kaspar Eschermann aus Trier, Kanonikus
  • 1817-1848 Peter Kremer; Grabplatte hinter der Kirche
  • 1848-1850 B. Pfeiffer, + im Alter von 45 Jahren
  • 1850-1865 Peter Schmitt aus Trier
  • 1865-1884 Michael Kahlen aus Trier; Grabdenkmal hinter der Kirche
  • 1884-1912 Karl Anton Tinü aus Beckingen; Erbauer der Pfarrkirche Ockfen
  • 1912-1919 Johann Willems aus Ralingen; vergrößert unsere Pfarrkirche durch Seitenschiff, Empore, Freitreppe und Westturm.
  • 1919-1926 Jakob Hilger aus Trier
  • 1926-1928 Michael Rausch aus Tholey
  • 1928-1946 Johann Boden aus Kurtscheid; Schreiber unserer Pfarrchronik
  • 1946-1967 Karl Schwaab aus Olewig; restauriert unsere Pfarrkirche im Sinne der Liturgie-Reform des II.Vat. Konzils (L966) Begraben auf unserem Friedhof (+1967)
  • 1968-1990 Pater Markus Laser
  • 16/17.2.91 - 09.2005 Hubert Nickels

Gnädiger Gott, wir bitten Dich für unsere verstorbenen Priester. Sie haben Deinen Namen unter uns kundgetan und uns das Brot des Lebens gereicht; belohne ihren treuen Dienst und nimm sie auf in die Gemeinschaft deiner Heiligen im Himmel.

R. I. P.
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Die Gnadenstätte der Muttergottes 'Bei der Eiche'

'Seit dem Jahre 1500 brachte der nahe zur Pfarrei gehörige Wallfahrtsort 'Bureshe' (Beurig) für die Pfarrer in Irsch viel zusätzliche Arbeit. Das damals nur aus wenigen Häusern bestehende Beurig - im Jahre 1725 zählte es erst 22 Bürger - verdankt der Wallfahrt seinen Aufschwung. Anlaß der Wallfahrten war die Auffindung einer Statue der hl. Mutter Gottes mit dem Jesuskind, die in der Gabel einer Eiche des talwärts gelegenen Waldes bereits im Jahre 1304 aufgestellt worden sein soll. Bei der zunehmenden Verehrung erbaute man zunächst bei der Eiche eine kleine Kapelle aus Holz, wohin man das Bild übertrug. Da die Zahl der Pilger von nah und fern sich immer mehr steigerte und Kranke aller Art wunderbare Heilung fanden, ließ der Kurfürst und Erzbischof Johann II. von Baden im Jahre 1479 anstelle des hölzernen Heiligenhäuschens eine größere Kapelle aus Stein errichten. Der Schlußstein über dem Gnadenaltar zeigt im Wappen des Verkündigungsengels als untere Hälfte das Emblem des badischen Erzbischofs: ein roter Balken auf braunem Grund.

Johann von Baden war als 3. Sohn des Markgrafen Jakob I. von Baden auf der Burg Hohenbaden im Jahre 1434 geboren. Noch heute schaut die hochgelegene Burgruine über das offene Tal von Baden-Baden weit übers Land hinaus. Sein älterer Bruder Bernhard von Baden erwarb sich um die Verteidigung Europas gegen die Türkengefahr große Verdienste. Er starb erst 30 Jahre alt an der Pest in Moncalieri bei Turin, wo er begraben liegt und ob zahlreicher Wunder als 'Seliger' und Stadtpatron verehrt wird. - Johann von Baden wurde im Jahre 1456 zum Kurfürsten von Trier gewählt, aber erst im Jahre 1464 wegen seines jugendlichen Alters zum Erzbischof geweiht. Aus dem gleichen Grunde residierte er größtenteils auf der Saarburg, wo er auch von seinem jüngeren Bruder Georg, Erzbischof von Metz, unter großem Gepränge die Bischofsweihe empfing. Er war ein frommer Bischof, zog sich gern in die Einsamkeit zu Gebet und Betrachtung zurück und war wohl der prominenteste Marienverehrer am Beuriger Gnadenort. Als Freund der Wissenschaft gründete er im Jahre 1473 die Universität von Trier. Er starb 1503 auf dem Ehrenbreitstein und wurde im Westchor des Trierer Domes beigesetzt.

Das Gnadenbild ist eine ca. 1 m hohe hölzerne Figur im Halbrelief und zeigt Maria, wie sie dem Jesuskind die Brust reicht. Laut Bericht aus dem Jahre 1854 ist das Bild: 'unansehnlich, klein und unscheinbar, nicht geputzt und nicht geziert; es zeichnet sich durch nichts aus als durch seine Wunderwerke.'
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Das Gnadenbild von Beurig

Das Bild ist eine Darstellung der Mutterschaft Mariens im Sinne des 'Hochfestes der Gottesmutter Maria', welches die Kirche am 1. Januar feiert. Andere Auslegungen wie: 'Stillende Madonna' oder 'Mutter der Barmherzigkeit', sind wohl zu sinnfällig oder zu unpersönlich erhaben. Die Absicht des Bildes ist nicht etwa, darzustellen, daß die Mutter dem Kind die Brust reicht, sondern vielmehr das daraufhin entstehende Gespräch zwischen Mutter und Kind.

Während das im rechten Arm der Mutter sitzende Kind seine linke Hand an die bloße Brust der Mutter legt, neigt sich das Haupt der Mutter leicht dem Kinde zu: 'Siehe, deine Mutter - -!' So natürlich diese Aussage klingen mag, sie ist von tiefem prophetischem Sinn erfüllt. Erstaunt und betroffen richtet sich das Kind auf und blickt der Mutter in's Gesicht! Frau, meine Stunde ist noch nicht gekommen.' Dabei legt sich das linke Bein des Kindes in Kreuzform über das rechte und wird mit betonter Geste vom rechten Arm des Kindes in dieser Stellung festgehalten. Damit ist d i e Stunde angedeutet, in welcher das Kind am Kreuz auf Golgotha als Erlöser der Menschheit zu Johannes und allen unter dem 'Kreuz' das ihm allein zustehende Wort sagen wird:

'Siehe, deine Mutter- - !' nämlich: die Mutter auch deines Heiles, betender Pilger! Angesichts der Vision des Kreuzes legt sich eine Wolke stiller Traurigkeit über das Antlitz Mariens. Eine zunächst abwehrende Geste ihrer linken Hand verwandelt sich beim Worte des Kindes: 'Mutter, siehe dein Kind - !' zum Empfangsgruß für den Pilger, damit sich an ihm erneut die Verheißung erfülle: 'Was aus dir (Maria) in der Kraft des Hl. Geistes geboren wird, wird Kind Gottes sein.'(Lk.1,35)

Das Thema der allgemeinen 'Mutterschaft Mariens' war im hohen Mittelalter sehr beliebt. So schreibt der Abt Aelred von Rievaulx (+1167): 'Ganz gewiß, Brüder, Maria ist wirklich unsere Mutter. Durch sie sind wir geboren, nicht für die Welt, sondern für Gott. Ihr glaubt und wißt es: Wir alle waren im Tod, denn wir hatten Gott verloren. Durch die selige Jungfrau Maria sind wir weit besser geboren worden als durch Eva, weil von Maria Christus geboren worden ist - unsere Heiligkeit, unsere Weisheit, unsere Gerechtigkeit, unsere Erlösung. Mutter ist sie unseres Lebens. Darum ist sie uns mehr Mutter als unsere leibliche Mutter.' (Brev. Rom.)
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Wallfahrt und Gebetserhörung

Mit der Glaubensaussage eines religiösen Bildes ist wesentlich verbunden die Glaubensverkündigung. Religiöse Bilder sind die 'Bibel des Volkes'. Deshalb versteht sich ein echter Wallfahrtsort als Dienst der Kirche am Menschen. Dazu benötigt er den anerkennenden Segen der Kirche, ihre Gutheißung, ihre Gnadenvermittlung durch die Sakramente, ständiges Gebet und das Opfer christlicher Liebe.

Von anderen Kirchen oder Gebetsstätten unterscheidet sich ein Wallfahrtsort durch seine örtliche Unbegrenztheit, seine zeitlose Verfügbarkeit und seine Unabhängigkeit von gesellschaftspolitischen Absicherungen. 'Sie säen nicht, sie ernten nicht - und doch ...'. Wallfahrtsort und Gnadenbild sind dabei nur Anlaß, niemals Ursache einer Gebetserhörung. Die alleinige Ursache einer Erhörung ist das Gebet des Glaubens: 'Dein Glaube hat dich geheilt...'! Wobei die seeliche Aufrichtung und Gesundung durch Herzensfrieden, Trost, Ergebenheit, Mut und Gottvertrauen weit mehr wiegt, als ein außerordentliches, wunderbares Geschehen.

Das Gesagte trifft auf die Beuriger Gnadenstätte zu. Seit alters her steht sie unter dem Patronat der Bischöfe von Trier. Das bedeuten die Wappen ihrer Erbauer, (der Erzbischöfe Richard von Greiffenclau und Johann III. von Metzenhausen, sowie die Reliefbüsten der Bistumspatrone, St. Matthias und St. Eucharius auf den Säulenkapitellen der Gnadenkapelle. Als im Jahre 1827 Beurig zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, wurde sie als 'bischöflich' betrachtet.

Im Bistums-Archiv in Trier befindet sich eine Handschrift aus dem Jahre 1654. Auf 78 Folioseiten wird darin von Gebetserhörungen berichtet, die je einzeln von Zeugen und Saarburger Notaren beglaubigt und unterschrieben sind. Danach kamen Wallfahrten und Einzelpilger aus allen Landschaften an Saar und Mosel bis aus Lothringen und Luxemburg. Es wird von Krankenheilungen aller Art, von wunderbaren Hilfen in Notlagen und von Bekehrungen berichtet. Die Gebetserhörungen und wunderbaren Geschehnisse sind nicht notwendigerweise an Ort oder Bild gebunden. Sie ereignen sich oft schon im Augenblick des Versprechens (Votum) einer Wallfahrt, vor oder nach dem Besuch der Gnadenstätte, manchmal durch das stellvertretende Gebet und Opfer eine Pilgers für einen Menschen in Not, worunter die hl. Messe eine hervorragende Stellung einnimmt. Auch Andersgläubige werden erwähnt, die Hilfe gefunden haben; andere Wallfahrtsorte sind ebenbürtig genannt, denen Gebetserhörungen gut geschrieben werden
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Votiv-Tafeln und Opfergaben: 'De Voto' und 'Pro Gratia'.

Jedem Wallfahrtsort verleihen die vielen Votiv-Tafeln und Weihegeschenke, die an den Wänden der Kirche und besonders um den Gnadenaltar aufgehängt sind, ein eigenartiges Gepräge.

In der Bestandsaufnahme von 1512 heißt es über den Beuriger Gnadenaltar: 'Vor dem Bild sind viele Silberkleinodien aufgehängt, 16 Silberringe, Korallenkränze und ein Rosenkranz aus Leder; eine Menge Gegenstände aus Wachs geformt; 2 Kinderfiguren, 3 Kopfbilder. Zum Besitz des Gnadenbildes gehören ferner: 10 Krücken, 11 Soldatenstöcke und 3 kleine Kinderhemde; große Mengen Wachs, welche geschehene Wunder figürlich darstellen. In einer Kiste sind mehrere Handtücher und Windeln; in einer anderen Leinen und Werg.'

Die Wertgegenstände, Pilgeropfer in Geld oder Naturalien, Stiftungen und Nachlässe werden gemäß Verfügung des jeweiligen Bischofs verwendet: zur Instandhaltung und Ausstattung der Kirche, zur Betreuung und Unterstützung der Pilger (Essenausgabe und Almosen) und schließlich zum Unterhalt des Dienstpersonals. - Oft finden sich bei größeren Wallfahrtsorten verschiedene soziale Einrichtungen wie: Pilgerheim, Krankenhaus, Waisenhaus u.a., die durch die Pilgeropfer unterhalten werden. Zu letzteren reichten die Opfergaben in Beurig nicht, trotzdem konnte mit ihnen im 17.Jh. ein Franziskanerkloster gebaut werden, in welchem zeitweilig mehr als 20 Patres und Brüder lebten.
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Ein Bericht aus den 'Wunderakten'

Im Jahre 1621 war eine große Dürre und Hitze. Die Erde riß auf, Menschen und Tiere verschmachteten fast. Es konnte nichts mehr wachsen und alles, was gewachsen war, begann zu verwelken und zu verdorren. Da beschlossen die Pfarrkinder von Trierweiler einhellig, das wundertätige Bild zu Beurig in einer Prozession zu besuchen und dort bei der Mutter Gottes um einen gedeihlichen Regen anzuhalten. Was geschieht? Als die Prozession schon 5 Stunden unterwegs war, auf der Schodener Flur - nur eine Stunde von Beurig entfernt, da fing der Himmel an, sich zu trüben und ließ reichlich den lange gewünschten und erhofften Regen herunter fallen. An demselben Ort, wo sie ihre Bitte erfüllt sahen - machten sie ein Gelübde, ein steinernes Kreuz zu errichten zum ewigen Gedächtnis an dieses wunderbare Ereignis.

Das Kreuz steht heute noch in der Gemarkung Schoden als 'Aacher Kreuz' bezeichnet. Es trägt die Inschrift:

Aach - Sirzenich - Trierweiler

1621
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Die Pfarrer von Irsch im Dienst des Wallfahrtsortes

Daß die Gnadenstätte der Muttergottes in Beurig zu großer Blüte gelangte, ist nicht zuletzt der Frömmigkeit und dem Seeleneifer der Pfarrer von Irsch zuzuschreiben, in deren Seelsorgsbereich der Wallfahrtsort lag.

Wie groß die Verehrung der Irscher Leute zur Beuriger Muttergottes war, liegt der legendären Erzählung zu Grunde, daß sie des öfteren versucht haben sollen, das Gnadenbild in ihre Kirche nach Irsch zu übertragen. Als dieses nicht gelang, errichteten sie für das Bild 'bei der Eiche' eine erste hölzerne Kapelle. Später waren es wieder die Irscher, welche die meiste Eigenleistung beim Bau der neuen Wallfahrtskirche unter Johann von Baden im Jahre 1479 'um Gottes Lohn' erbrachten. So betrachtet auch heute noch das Irscher Volk die Beuriger Kirche als 'ihre' Kirche und die meisten Pilger der näheren Umgebung kommen aus Irsch.

In die Amtszeit des Pfarrers Johann von Grymelrait fällt das bedeutende Ereignis eines Reichstages, den Kaiser Maximilian für den 16. April 1512 nach Trier einberufen hatte. Bei seinem Trierer Aufenthalt ließ sich der fromme Kaiser genauen Bericht erstatten über die Grabstätten von Heiligen in Stadt und Land, über verehrte Reliquien - damals wurde eigens aus diesem Grunde der Hl. Rock zur Verehrung ausgestellt - und schließlich über die vorhandenen Wallfahrtsorte im Trierer Raum.

In einer Urkunde vom 10. Mai 1512 findet sich eine genaue Beschreibung der damals bestehenden 'Badischen Kapelle'. Es heißt: 'Die Kapelle hat die Form eines Quadrates, sie ist genügend lang und breit. Ein Nebenaltar (altare secundarium) ist der seligen Jungfrau geweiht; auf ihm steht - umgeben von hölzernen Schranken - die aus Holz geschnitzte Figur der seligen Jungfrau. Auf ihrer Rechten trägt sie den Jesusknaben. Sie ist dunkel (geschwärzt) von wunderbarem Anblick; sie trägt ein Kleid aus Seide. Vor dem Bild sind viele Silberkleinodien aufgehängt...'

Wohl auf Anweisung des Kaisers hin berief laut derselben Urkunde der damalige Erzbischof Richard von Greiffenclau den Pfarrer von Irsch, Johann v. Grymelrait, andere Abgeordnete der kurfürstl. Regierung und den kaiserlichen Notar in das Haus des Domdechanten Philipp von Chriechingen zu Trier. Dort wurde verhandelt und bestimmt über die Verteilung der Pilgeropfer zwecks Erbauung einer größeren Wallfahrtskirche in Beurig.
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'-- in ir Marie luden ich ...'

Laut Jahreszahl 1516 über dem Wappen des Erzbischofs Richard von Greiffenclau in der Beuriger Gnadenkapelle konnte im Jahre 1516 mit dem Bau der neuen Wallfahrtskirche begonnen werden. Die Gnadenkapelle wurde um das doppelte verlängert, nach Süden eine geräumige Pilgerkirche angebaut. Die Bauarbeiten wurden des öfteren durch kriegerische Ereignisse gestört und unterbrochen.

Im Jahre 1522 fiel der gewalttätige Franz Sickingen in diese Landschaft ein, belagerte die Saarburg und plünderte die umliegenden Ortschaften. Noch Schlimmeres geschah im Jahr 1552, als im sogenannten 'Mordbrennerkrieg' Jodokus von Dailberg, Heerführer des Markgrafen Albrecht von Brandenburg, die Saarburg stürmte und niederbrannte. Damals sank Irsch in Schutt und Asche.

Erst im Jahre 1579 war dann der Kirchbau vollendet, wie die Zahl über dem Wappen des Metzenhausen in der Gnadenkapelle angibt.

Aus der Bauzeit der Wallfahrtskirche, dem Jahre 1529, stammte eine Glocke in unserem Kirchturm. Sie war 350 kg. schwer, aus Messing und trug in gotischen Minuskeln folgende Inschrift:

ihesus heischen ich - in ir Marie luden ich -

bos wedder verdreiwen ich -

Dederich von Prom gos mich - MDXXIX

Auf Grund der Inschrift maß ihr der Volksglaube bis in unsere Tage besondere Bedeutung bei. Es handelte sich um eine Votivglocke 'Zu Ehren Marias', welche die Pfarrkinder von Irsch zum Dank für Rettung aus Kriegsnot stifteten. Sie läutete mit ihrem hellen, silbernen Klang, von dem die Leute noch zur Zeit unseres Chronisten (im Jahre 1940) sprachen, zu schweren Zeiten, bei Gewittern und Feuersbrünsten Mut und Gottvertrauen ins Herz der Menschen. Leider wurde die Glocke wohl weil sie gesprungen war, im Jahre 1913 eingeschmolzen zur Herstellung eine größeren Geläutes für den neuen Kirchturm Nebenbei bemerkt: der Glockengießer unserer Glocke, Dederich von Prom, hat auch die 'Maternus'-Glocke im Trierer Dom gegossen (1516).

Die volkstümliche Erzählung, daß die Glocke von einem Fuhrmann im Walde gefunden worden sei, hängt wohl mit einem Raub im Dreißigjährigen Krieg zusammen. Dasselbe gilt von einer überlieferung, wonach die Glocke aus einer ehemaligen 'Neunhäuser' Kapelle stammen sollte - außer es handelt sich eben um unsere Pfarrkirche zwischen den beiden Benennungen: Euesen und Ysche.
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Die 'Dräwer' - Madonna

Am Ortsausgang von Irsch nach Zerf stand bis zum Jahre 1967 ein Kapellchen, vom Volk die 'Dräwer-Kapelle' genannt. Es stand laut Katastereintragung auf kircheneigenem Gebiet: Gemarkung Irsch, 'Hinterm Oberendsweg', Flur Nr. 807/706; ursprüngliche Größe 0,06 ar, im Jahre 1880 vergrößert zu 0,12 ar. In der Flurbereinigung 1964 wurde dieses Grundstück offenbar zusammengelegt.

In diesem Kapellchen hing die hölzerne Halbfigur der Mutter Gottes, vom Volksmund die 'Dräwer-Madonna' genannt.

Es handelt sich um eine reliefierte Halbfigur der Muttergottes mit dem Kinde, aus Eichenholz, 36 cm in Höhe und Breite, als Leuchterfigur hergestellt. Die Untersicht besteht aus 2 im Weitwinkel zugeordneten Halbflächen mit einem in der Mitte des Scheitelbodens befindlichen ca. 10 cm tiefen Zapfenloch für die Aufstellung auf den Leuchter. Im Rücken der Figur befindet sich eine ca., 10x10x3 cm große Aushöhlung zum Anbringen der Figur an einen Wandhalter.

Auf der Untersicht befindet sich das reliefierte Wappen des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Johann III. von Metzenhausen (1531-1540). Das Wappen zeigt in 2 Feldern das Trierer Bischofskreuz in rot auf Goldgrund; in den anderen beiden Feldern ist das als Wolfsangel bezeichnete Emblem der Ritter von Metzenhausen in Gold auf dunkelblaunem Grund.

Der Kopf und das Antlitz Mariens ist anmutig jugendlich. Auf dem Haupt trägt Maria einen etwa 5 cm hohen goldenen Kronreif mit Lilienblüten. Das Kind liegt horizontal, etwas groß, auf einem feinen Linnen von der linken Hand der Mutter an der Schulter und mit der rechten am Bein zart gefaßt. Das Antlitz des Kindes zeigt fast herb-ländliche Züge mit geistvoll offenem Blick der Augen. Die rechte Hand des Kindes ist zum Segen erhoben, während die linke den goldenen Reichsapfel hält. Den übergang vom Bild zum Wappen auf der Untersicht bildet ein 2 cm breiter Streifen in natürlicher Holzfarbe, auf dem sich eine vergoldete Strichzeichnung befindet, wohl eine Krone (kaiserliche) andeutend. Die Bekleidung der Mutter besteht aus einem goldenen Mantelüberwurf mit dunkelblauem Futter, darunter ein weinrotes Gewand mit braunem Schürzenmieder.

Unsere Chronik weiß von der geschichtlichen Vergangenheit des Bildes nur zu berichten, daß es unter den Kunstdenkmälern unbekannt war, bei den Ortseinwohnern jedoch seit altersher in großer Verehrung stand. Bei einer übermalung im Jahre 1936 wurde das Wappen auf der Untersicht der Figur entdeckt. Pfarrer J. Boden gab daraufhin das Bild in die 'Kunstdenkmäler der Rheinprovinz' auf unter Kreis - Saarburg S. 98 mit sw. Foto.
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Zur Geschichte der 'Dräwer-Madonna'

1) Das Wappen des Metzenhausen

mit Bischofskreuz und Emblem des Rittergeschlechts derer von Metzenhausen legt eindeutig die Herstellung der Figur in die Amtszeit des Erzbischofs und Kurfürsten Johann III. von Metzenhausen (1531-1540). Dieser war im Jahre 1492 geboren, 1511 zum Priester geweiht und 1531 zum Erzbischof gewählt. Am Lichtmesstag (2. Februar) 1532 erhielt er in Boppard von Kaiser Karl V. die Regalien (kurfürstl. Würden und Rechte) und wurde kurz darauf am 26.3.1532 zum Bischof geweiht. Zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Lichtmesstag wurde unsere Madonna angefertigt als 'Darstellung Jesu im Tempel'. Die Leuchterform bringt sinnvoll den Lobpreis des greisen Simeon auf das Jesuskind zum Ausdruck: 'Ein Licht, das die Heiden erleuchtet...' - Die nach oben abgeschrägte vordere Bodenhälfte der Figur bringt das Wappen des Metzenhausen in Bezug mit dem biblischen Geschehen und beides zugleich in den Blick des Betrachters. Der Reichsapfel in der Hand des Kindes, die bischöfliche Segensgeste, die angedeutete Kaiserkrone und das Gold im Wappen sowie im Mantel der Muttergottes, schließlich der fürstliche Kronreif auf dem Haupt Mariens - bringen deutlich das Geschehen des Lichtmesstages von Boppard zum Ausdruck.

2) Das Bild als Urkunde.

Aus dem Gesagten geht hervor, daß unser Bild kein Andachtsbild ist, sondern mehr eine urkundliche Erinnerung an das persönliche Ereignis im Leben des Metzenhausen, nämlich seiner Creation zum Kurfürsten. Trotzdem ist das Bild kein eitles Souvenir, denn es war nicht für den kurfürstl. Palast bestimmt, sondern für die Irscher Kirche und ihren jeweiligen Pfarrer. Jahrhunderte hindurch bewahrte sich im Volksmund das Bild die Bezeichnung als 'Dräwer' = Trever. = Trierer Madonna. Für das Volk stand also nicht der Glaubensinhalt (Lichtmess-Madonna) oder die Herkunft (Metzenhausener Madonna) im Vordergrund, sondern ein für die Gemeinde bedeutendes Ereignis, welches in Bezug stand zur Madonna einerseits und zum Trierer Erzbischof Johann v. Metzenhausen andererseits.

Den Akten nach war der Vergrößerungsbau der Beuriger Gnadenkapelle um das Jahr 1530 abgeschlossen, der 1516 von Erzbischof Greiffenclau begonnen worden war. Gemäß dem Wappen des Erzbischofs Metzenhausen wurde der neue Gnadenaltar in dessen Amtszeit konsekriert durch Weihbischof Nikolaus Schienen (+1536), wie der Reliquienfund im Altar erwiesen hat. Zu gleicher Zeit ernannte Johann von Metzenhausen die Wallfahrtskirche zur bischöfl. Eigenkirche, was die schönen Reliefbüsten der Trierer Bistumspatrone, St. Matthias und St. Eucharius, an den Säulenkapitellen bedeuten. Den Pfarrern von Irsch übertrug er das Rektorat über die Kirche durch übergabe seines Wappens auf einem Madonnenbild, welches von da an die 'Trierische' Trever.-Verfügung beurkundete und wie üblich in der Pfarrkirche aufgestellt wurde. So kam das Madonnenbild, zum Namen 'Trever-Madonna' und nach Irsch. Nach der späteren übernahme der Beuriger Kirche durch die Franziskaner, verlor unser Madonnenbild sein Daseinsrecht in der Pfarrkirche und man errichtete für seinen neuen Standort eine Kapelle, die 'Trever-Kapelle' genannt, mit einem Gedenkkreuz des hl. Johannes zur Erinnerung an den Erzbischof und Kurfürsten Johann von Metzenhausen. Dieses Kreuz als 'Allerwelthannes' benannt - stand dort bis in unsere Jahre, da es durch Alter und Wetter zerfiel.

3) Das Bild als Spiegel der Persönlichkeit des Metzenhausen.

In einem Brief an Erasmus von Rotterdam beschreibt ihn der berühmte Dominikaner-Theologe an der Universität Trier, Ambrosius Pelargus, so: 'Ein Mann mit offenen Gesichtszügen, von hünenhafter Gestalt, leutselig und mit hellem Geist.' -
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Johann III. von Metzenhausen

war ein Humanist von hoher klassischer Bildung, aber auch ein frommer Erzbischof, der dem Ansturm der protestantischen Reform energisch Widerstand leistete. An der Universität Trier gründete er den Lehrstuhl für Ethik, auf den er als ersten Magister Justinus Gobler berief. Für seine Verehrung zur Muttergottes spricht unsere Madonnenfigur und die Tatsache, daß er den Bau der Gnadenkapelle in Beurig -laut seines daselbst angebrachten Wappens - tatkräftig förderte und schließlich um 1536 vollendete. Sein Weihbischof Schienen Nikolaus weihte den Gnadenaltar, wie ein Reliquienbefund im Altar ergab.

Im Jahre 1540 reiste er als einer der 4 kath. Abgeordneten zu einem Religionsgespräch nach Hagenau b. Straßburg, um die Religionsstreitigkeiten beizulegen. Dort erlitt er beim Einbruch ungewöhnlicher Sommerhitze einen Schlaganfall. Todkrank brachte man ihn noch auf die Burg Daenstein im Wasgenwald (beim heutigen Dahn), wo er jedoch am 22. Juli 1540 im Alter von nur 48 Jahren starb. Am 26. Juli 1540 wurde er im Trierer Dom beigesetzt.

Im Auftrag seines Nachfolgers, Johann Ludwig von Hagen, Erzbischof und Kurfürst von Trier (1540-1547), schuf Meister Hieronymus Treviris (v. Trier) zusammen mit seinem Sohn Hans das herrliche Grabmal des Metzenhausen, das zu den bedeutendsten Denkmälern ital. Hochrenaissance diesseits der Alpen zählt. In Selbstbildnissen stellten sich auf dem Grabmal Meister und Sohn dar, indem sie die Tafel mit der Grabinschrift, aufgehängt an einer Waage, im Gleichgewicht halten. Auf ihr liest man in lateinischer Sprache das oben Gesagte:

'Egregio Principi Domino Joanni a Metzenhausen Archiepiscopo Trevirensi, cuius virtute et industria Ecclesia Trevirensis per novem annos et quattuor menses foeliciter administrata est. Successor Joannes Ludovicus ab Hagen Optimo Principi virtutis causa posuit. Periit in conventu Hagenoensi in quattuor=viros componendae religionis designatus, cum annus ferventissimus incidisset, aeger relatus est in arcem Daenstein vasculae ubi extinctus est XXII Julii, inde perlatus ad suos hoc loco sepultus est anno MDXL.'

Der Meister des Metzenhausener Grabmals ist ohne Zweifel auch der Schöpfer unserer 'Dräwer-Madonna': Hieronymus Treviris. Das ergibt sich leicht aus dem Vergleich des doppelkanülierten Bischofskreuzes im Wappen des Grabmals und im Wappen unserer Madonna. Kein Wappen anderer Trierer Bischöfe kennt diese Art von Kreuz. Zudem ist leicht zu erweisen, das unser Muttergottesbild genauso dem ital. Renaissancestil zuzuschreiben ist wie das Grabmal. Es wird deshalb wohl auch zu den Bedeutendsten Werken dieser Stilrichtung diesseits der Alpen gehören.
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St. Gervasius und Protasius

Das Visitations-Protokoll des Landkapitels Merzig vom Jahre 1569 berichtet: 'Die Kirche in Irsch ist den hl. Gervasius und Protasius geweiht und besitzt 4 Altäre. Der in Irsch wohnende Pfarrer ist Pastor von Irsch und Beurig. Er wird in der Seelsorge von einem Kaplan unterstützt'. Der damalige Pfarrer in Irsch hieß Johann Schönecken und war Dekan des Kapitels Merzig.

Zwar ist dieses Protokoll das 1. schriftliche Zeugnis, das als Schutzheilige unserer Pfarrkirche die hl. Gervasius und Protasius nennt, doch dürfen wir mit guter Berechtigung annehmen, daß bereits der Gründer unserer Kirche, Erzbischof Eberhard von Trier, im Jahre 1052 die beiden hl. Brüder und Martyrer zu Patronen unserer Kirche bestimmt hat.

Im Mittelalter waren diese beiden Heiligen besonders im Frankenreich hoch verehrt. Fränkische Burgherren, die sich in den römischen Kaiserthermen in Trier niedergelassen hatten, besaßen daselbst bereits um das Jahr 900 eine Eigenkirche mit dem Titel der hl. Gervasius und Protasius (1944 durch Bomben zerstört!). Sicher ist ebenfalls, daß um das Jahr 1000 (wie unsere Kirche) die Pfarrkirche in Perl bereits den hl. Gervasius und Protasius geweiht war. Gräberfunde beweisen ferner, daß sich in jenen Jahren zahlreiche fränkische Siedlungen in unseren Landen befanden.

Irgendwelche Reliquien dieser beiden Heiligen hat unsere Kirche (wie auch die anderen) nicht gehabt. Die Heiligen-Gräber in einer Kirche sind nicht notwendigerweise auch Namensgeber derselben. Als unsere Pfarrkirche im Jahre 1966 nach den liturgischen Richtlinien des II. Vat. Konzils umgestaltet wurde, erhielt sie auch einen neuen Altar. Am 1.12.1968 wurde dieser durch Weihbischof Josef Kleinermeilert konsekriert und in seinem Relquiengrab die Reliquien des hl. Mauritius und seiner Genossen, sowie der Trierischen Martyrer eingeschlossen.

Die hl. Messe auf einem Relquiengrab von Heiligen zu feiern, ist lediglich ein frommer (zwar kirchenrechtlich vorgeschriebener) Brauch. Zu solchem Brauchtum gehörte auch die Ausrichtung eines Kirchenbaues in der Ost-West Richtung, sodaß der Priester bei der Feier der hl. Messe immer nach Osten schaute, der aufgehenden Sonne als Symbol der Auferstehung entgegen. Die ältesten Kirchen z.B. St. Peter in Rom sind strengstens danach erbaut. Der christliche Glaube ist auf das innigste mit der Natur verbunden und erkennt in ihrem Geschehen symbolhaft das Wirken Gottes, ob es die Spatzen des Himmels, die Lilien des Feldes sind oder die leuchtenden Augen eines Kindes. Die Kirche besteht deshalb auch auf der natürlichen Echtheit der kultischen Gebrauchsgegenstände wie: Wein, Brot, Wasser, Wachs, Blumen, Holz, Stein usw. 'Gemachte' Sachen wie: Plastikblumen, elektrische Kerzen, Gipsfiguren, Schallplatten-Musik uam. sind im Kirchenraum nicht zugelassen.

In den Martyrerakten der römischen Kirche lesen wir am Festtage der hl. Gervasius und Protasius:

'Zu Mailand die hl. Martyrer Gervasius und Protasius. Sie waren Brüder, ersteren ließ der Richter Astasius (um 300) solange mit Bleiruten schlagen bis er seine Seele aushauchte. Letzteren ließ er mit Knütteln prügeln und dann enthaupten. Auf göttliche Offenbarung hin gelang es dem hl. Ambrosius, ihre Leiber aufzufinden (im Jahre 386). Sie waren noch blutüberströmt in einem unverwesten Zustand, wie wenn sie erst den Tod erlitten hätten. Bei ihrer übertragung in die Kirche von Nabor und Felix erhielt ein Blinder, der die Bahre berührte, das Augenlicht. Sehr viele Besessene erhielten Heilung.' -

Der hl. Ambrosius, 339 in Trier als Sohn des Praefectus Praetorio über Gallien geboren, wurde 374 Konsular über Ämilien und Ligurien und bald darauf Bischof von Mailand. Er schrieb an seine Schwester Marcellina einen ausführlichen Bericht über die Auffindung der Martyrer, die in feierlicher Prozession und fast zahlloser Beteiligung und jubelnder Begeisterung des unter dem Eindruck auffallender Wunder stehenden Volkes an ihre neue Begräbnisstätte überführt wurden. Ambrosius starb im Jahre 397. Im Jahre 1864 wurden die Gebeine der hl. Martyrer und Stadtpatrone von Mailand in der Kirche Sant' Ambrogio endgültig beigesetzt.

Im Jahre 774 wurde der Franke Karl der Große in Pavia (ca. 30 km südlich von Mailand zum König der Longobarden gekrönt, deren Hauptstadt Mailand war. Von hier aus verbreitete Karl d. Große die Verehrung der Martyrer Gervasius und Protasius, nunmehr als 'Soldaten einer römischen Legion', im Frankenreich. Mit den Franken gelangte ihre Verehrung in unsere Trierischen Lande.

Im Altarraum unserer Pfarrkirche sind die beiden Kirchenpatrone in bleigefassten Buntglasfenstern dargestellt. Der Entwurf ist von R. Schillings, Trier; ihre Herstellung wurde von der Firma Binsfeld, Trier, im Jahre 1955 übernommen.

Die hl. Kirchenpatrone sind die großen Fürbitter am Throne Gottes für unsere Gemeinde. Daher ist die Betglocke auf unserem Kirchturm den hl. Patronen geweiht, die am Morgen, Mittag und Abend über unser Dorf läutet und zum Gebet ruft.

'Gervasius und Protasius haben sie mich geweiht, den hl. Schutzpatronen. Ich rufe sie an, daß Fried' und Einigkeit, allzeit in Eurem Dorfe wohnen'. - Mit dieser Inschrift wurde die Glocke (Ton=a; Gewicht: 500 kg; Durchmesser: 0,95 m) im Jahre 1951 von der Firma Mabilon in Saarburg gegossen.
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Die Irscher 'Pflege'.

Die Anwesenheit der Trierer Kurfürsten auf der Saarburg um die Wende des 15. Jahrhunderts brachte eine Straffung in der Verwaltung der hier liegenden kurfürstlichen Güter mit sich. Unsere Landschaft wurde in 2 Verwaltungsdistrikte eingeteilt. Links der Saar: die 'Gaupflege' mit Sitz in Saarburg; rechts der Saar: die 'Irscher Pflege' mit Amtssitz in unserem Irsch.

Sitz des ritterlichen Amtsmannes dieser Irscher Pflege war das 'Hofhaus' - als Gasthaus heute im Besitz der Familie Thiel-Hauser. Vom ursprünglichen Gebäude des 'Hofes Euesen,' das hier im 14. Jahrhundert gestanden hat, ist kaum mehr als der eine oder andere Stein erhalten. Das heutige Hofhaus ist um 1600 erbaut worden. Der Baustil mit dem aufsetzenden Fasenprofil der Fenster an Giebelfront und Treppenturm weist darauf hin. Auf der Giebelseite ist ein mit Zeltdach abgeschlossener, 2-geschossiger Erker mit vollem Holzgesims. Nächst dem alten Ostturm der Pfarrkirche ist der Erker des Gebäudes das älteste Bauwerk unseres Ortes.

In diesem Gebäude tagten unter dem Vorsitz des kurfürstlichen Amtmannes, gewöhnlich aus einer Rittersfamilie, die verschiedenen Verwaltungs- und Gerichtsämter. Es bestanden:

Das Hochgericht, das über schwere Verbrechen, über 'Hals und Bein' - wie man sagte - urteilte. Berüchtigt wurde dieses Gericht in den unseligen 'Hexenprozessen'. Die Chronik berichtet noch aus dem Jahre 1629/30 von der Prozessierung von 5 'Malefizpersonen'. Heute noch bestehende Flurbezeichnungen wie Feuerstatt, Scheiterwald, In der Acht und Höllenpfädchen, lassen einiges von jenen makabren Vorgängen ahnen. Das Grundgericht urteilte über alle Fragen, die Grund und Boden und deren Grenzen (Barre) betrafen.

Das Vogtsgericht überwachte mit seinen 'Spähern' die Einhaltung der Gesetzesvorschriften und fällte Urteile in kleineren Vergehen. Das Kirchliche Gericht wachte über das öffentliche Betragen. Wer zum Beispiel Ärgernis gab durch Fluchen wurde mit einer 'Geleuchtspende' bestraft.

Der Großteil der Bevölkerung fand Arbeit und Lebensunterhalt auf den kurtrierischen Gutshöfen. Laut dem Landmeßbuch vom Jahre 1720 gab es einen 'Irscherhof', einen 'Baarhof', einen 'Schweinhof' und einen 'Kirchhof'. Neben wenigen anderen Grundstücksbesitzern handelt es sich bei den genannten Bezeichnungen um Gutshöfe der verschiedenen Gerichtsbarkeiten der Irscher Pflege. So ist der 'Irscherhof' dem Hochgericht zuzuteilen, dem Grundgericht der 'Baarhof' (Barre=Abgrenzung); dem Vogtsgericht der 'Schweinhof' (von Spähen oder im Volksmund: Spein, abgeleitet) und schließlich dem Kirchl. Gericht der 'Kirchhof', dessen direkter Besitzer der Bischof von Trier (=Treviris, Träver oder Dräwer) war.

Nach der napoleonischen Umwälzung im Jahre 1818 wurden die kurtrierischen Gutshöfe unter die Dorfbewohner zu gemeinsamer Benutzung verteilt. Es wurden 'Gewanne' gebildet und diese in Streifen an die Nutznießer (Gehöfter) vergeben des ehemaligen 'Hofeigentums'. Erhalten blieben dabei die o.a. Bezeichnungen:'Erster(Irscher)Hof, Barhofen, Schweinhofen und die 'Träv' als Kirchhof, dessen letzter Rest als 'Dräwerkapelle' bis in unsere Tage als Kircheneigentum bestanden hat.

Wie groß die Bevölkerung von Irsch zu den verschiedenen Zeiten war, ist nicht leicht festzustellen. Es gab 'Hörige' (Knechte), Untertanen mit freiem Beruf, 'Gemeinder (=Vollbürger) und 'Herren' (=Beamte). Die Chronik berichtet die Zahlen bald der einen, bald der anderen Gruppe oder auch der Wohnstätten. So gab es in Irsch:

1563: 39 Feuerstellen
1621: 42 Pfarrkinderfamilien
1632: 60 Untertanen
1650: 24 Untertanen
1800: 105 Feuerstellen 598 Seelen 93 Gemeinder
1827: 132 Familien mit 746 Seelen.
Im Jahre 1900 gab es 1.152 Seelen
Im Jahre 1973 gab es 1.536 Einwohner

Es gab in Irsch zu keiner Zeit 'reiche' Leute. Mühsam und kärglich genug war der Ertrag der Weinernten, wie unsere Pfarrchronik laufend seit dem Jahre 1638 berichtet. Das Loheschälen war starker auswärtiger Konkurrenz unterworfen. Aber man freute sich in Irsch zu jeder Zeit des Lebens, denn in Irsch wurde zu allen Zeiten viel gebetet.
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Krieg - Hunger - Pest

Die 100-jährige Schreckenszeit des 17. Jh., in welcher die apokalyptischen Reiter: Krieg, Hunger und Pest über das Land jagten, verschonte auch unser Irsch nicht.

Begonnen hatte es unter dem anspruchsvollen Namen der Reformation. Als Luther Martin im Jahre 1517 auf der Wartburg seine Ideen über die kirchliche Erneuerung vortrug, hatte zu gleicher Zeit in Rom das V. Latorankonzil (1512-1517) strenge Beschlüsse zum gleichen Thema herausgegeben: Aber die Reformvorschläge paßten vielen weltlichen Herrschern nicht in ihr politisches Konzept. Es ging ihnen nicht um die Reinerhaltung des christlichen Glaubensgutes, das noch eindeutig der kirchlichen überlieferung entsprechend in der 'Confessio Augustana' (Augsburger Bekenntnis, 1530) von Luther anerkannt wurde.

Den weltlichen Fürsten ging es vielmehr um die kirchlichen Besitztümer. Unter dem Vorwand religiöser Erneuerung griffen sie zu den Waffen und fielen in die Gebiete 'Andersgläubiger' ein: 'cuius regio, illius et religio!' - frei übersetzt: 'Den Rechtgläubigen gehört das Land!' war ihre Devise. Die berüchtigte Plünderung von Rom 1527, 'Sacco di Roma' genannt, durch zügellose Söldnerhaufen war nur ein Vorspiel für viel schrecklichere Ereignisse. In unserer Landschaft gaben den bitteren Vorgeschmack die kriegerischen Einfälle des Sickingers (1522) und des Dailberg (1552), der die Saarburg in Flammen aufgehen ließ und unser Irsch ausplünderte.

Immer wieder versuchten einsichtige Männer die Religionszwistigkeiten unter den Christen friedlich beizulegen. Beim Scheitern ihres Versuchs brach ihnen das Herz in der Voraussicht des kommenden Unheils. Wie bereits gesagt, war unter ihnen auch der Stifter unserer 'Dräwer-Madonna', der Kurfürst und Erzbischof Johann III. von Metzenhausen. Auf einem Religionsdisput in Hagenau (1540) erlitt er einen Schlaganfall und starb erst 48 Jahre alt.

Der unter Waffengewalt sich ausbreitenden Glaubenszerrüttung folgte auf der Ferse der Terror des Hexenwahns, der sich auch in unserem Irsch, wie bereits berichtet, seine Opfer holte. Dann überzog der 30-jährige Krieg (1618-1648) unser Land. Fremde Söldnerheere fielen über die Ortschaften her, plünderten, raubten und mordeten. Im Jahre 1636 brach schließlich in Irsch die Pest aus. Der Chronist sagt:

'Die Pest wütete so sehr, daß es schien, alle Menschen würden davon sterben.' Mißernten und einbrechende Wolfsrudel (die 'Wolfsheck' hat davon noch heute ihren Namen) machten das Unglück voll. Laut Chronik überlebten nur 24 Untertanen in Irsch die Schreckenszeit. 1657 war unsere Kirche eingestürzt, das Pfarrhaus abgebrannt.

Mag auch der 'Westfälische Friede' (1648) offiziell den langen Krieg beendet haben, Ruhe und Ordnung brachte der Vertrag nicht. Der spanische und dann der polnische 'Erbfolgekrieg' stürzte unser Land immer wieder in das Chaos wilder Plünderei, von Willkür und Rechtlosigkeit gegenüber durchziehender Truppen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Schatzfund im Steinbruch am Scharfenberg vom Jahre 1930. Dort fand fand ein Weinbergsarbeiter aus Irsch unter einer Steinplatte die überreste eines vermoderten Lederbeutels mit 5 Gold- und 15 Silbermünzen, die noch ziemlich gut erhalten waren. Der Schatzfund bestand aus sogenannten spanischen und polnischen Talern (Doppelsouvereigns), Dukaten und Doppeldukaten. Die älteste Münze wurde im Jahre 1534, die jüngste im Jahre 1670 geprägte Die Vergrabung des Schatzes ist wahrscheinlich in Verbindung zu bringen mit dem Einfall der Franzosen in das Erzstift Trier im Jahre 1673. Die Münzen befinden sich heute im Landesmuseum in Trier. Nach alter überlieferung wurde vor 100 Jahren ein ähnlicher Fund in unserer Gegend gemacht.

Bei aller Schrecken erregenden Finsternis dieser Jahrzehnte huschte aber doch immer wieder ein heller Lichtstrahl des Himmels über unser Land. So konnte 1579 der Bau der großen Wallfahrtskirche in Beurig beendet werden. Als im Jahre 1595 Pfarrer Anton Beer in sein Amt als Irscher Pastor eingeführt war, bemühte er sich sogleich um eine bessere Betreuung der Pilger. Durch Vermittlung des Erzbischofs Lothar von Metternich (1599-1623) übernahmen Franziskaner der Kölner Ordensprovinz im Jahre 1609 den Wallfahrtsort, nachdem der eifrige Pastor alle Rechte über Pfründen und Einkünfte diesen überlassen hatte. Ein gewisser Pater Johannes Romery, ehemaliger Reiterhauptmann, war der 1. Guardian des Klosters in Beurig.

In der Folge wurde der Gnadenort in Beurig zum Brennpunkt religiösen Lebens für weit und breit. Pfarrer Beer war den Mönchen wie ein Vater, sagt die Chronik. Nach seinem Tode (1624) wurde er an der Mauer vor dem Gnadenaltar begraben. Auch seine Nachfolger und mit ihnen die Irscher Pfarrkinder blieben mit der Gnadenstätte und dem Kloster eng verbunden. Die Kloster-Chronik spricht von ihnen als 'großzügige Freunde und Wohltäter des Konvents'. Mehrere traten in den 3. Orden des hl. Franziskus ein und wurden nach ihrem Tode bei der Wallfahrtskirche begraben. Namentlich erwähnt ist der Hofmeier aus Irsch J.A. Schrembken. Das Wirken der Patres, die Frömmigkeit und der Opfergeist unseres Volkes zogen den Segen Gottes in reichem Maße auf unsere Gemeinde herab. - Früher als die umliegenden Ortschaften erholte sich unser Irsch von den verheerenden Folgen der Schreckenszeit.
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St. Sebastian und Sta. Luzia

Auf dem alten Hochaltar unserer Pfarrkirche standen neben den Patronen St. Gervasius und Protasius die Statuen der hl. Sebastian und Luzia. Sie befinden sich heute in der Sakristei. Es handelt sich um bemalte Holzfiguren aus dem Jahre 1902. Aber die Verehrung der Heiligen in Irsch geht zumindest bis in die 1. Hälfte des 18. Jh. zurück.

Im Jahre 1739 berichtet nämlich ein Visitations-Protokoll von einer Sebastians-Bruderschaft in Irsch, die sich 4 x im Jahre zu Bruderschafts-Festen unter Beteiligung auswärtiger Pfarrgemeinden und deren Geistlichen in Irsch zusammenfand. Als Entschädigung für die daraus entstehenden Unkosten erhielt der Pfarrer von Irsch ein Stück gerodete Lohhecke: 'Sebastians-Wiese' genannt. Als nach der napoleonischen Umwälzung (1817) dieser kleine Grundbesitz der Kirche verloren ging, wurde zu Ehren der Heiligen Nebenpatrone eine Stiftung errichtet, die ein feierliches Hochamt an den jeweiligen Festtagen vorsah und dafür der Kirche 6 m Scheitholz lieferte.

Ein Bericht aus dem Jahre 1808 erwähnt als Eigentum der Pfarrkirche ein kupfernes Gefäß mit Reliquien des hl. Sebastian und eine Bruderschafts-Fahne mit dem Bild des Heiligen.

Die römischen Martyrer-Akten wissen vom hl. Sebastian, daß er als hoher Offizier der kaiserlichen Leibwache in Rom seine hohe Stellung nutzte, um den Rechtlosen, Verfolgten und Armen Gerechtigkeit und Hilfe zu vermitteln. Unter Kaiser Diokletian (um 300) des Hochverrats beschuldigt wurde er zum Tode verurteilt, brach zunächst unter den Pfeilen von Bogenschützen schwer verletzt zusammen und wurde schließlich mit Keulen tot geschlagen.

Bürgerwehren und Schützenvereine erwählten den hl. Sebastian zu ihrem Patron, ebenso die Bruderschaften, die sich für die Pflege von Pestkranken einsetzten.

Ähnlich wurde die hl. Luzia zur Patronin uneigennütziger Nachbarschaftshilfe in der christl. Gemeinde. Wegen ihrer Freigebigkeit den Armen gegenüber wurde sie von ihrem heidnischen Verlobten der Veruntreuung angeklagt und als Christin zum Tode verurteilt. Da ihr aber weder glühendheißes Pech noch der lodernde Scheiterhaufen ein Leid zufügten, tötete man sie durch einen Dolchstoß in die Kehle. Zu Lebzeiten rühmte man die besondere Schönheit ihrer Augen. Ihr letztes Wort an den Verlobten war: 'Nur mit den Augen des christl. Glaubens sieht man die Dinge richtig.' Deshalb wird sie als Helferin bei Augenkrankheiten angerufen. Feuerwehr und Hilfswerke verehren sie als ihre Patronin.
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Die 'heiligen heisger'.

Das Aufblühen der Fronleichnams-Prozessionen brachte die Errichtung von Kreuzen und Kapellen für die 4 entsprechenden Segensaltäre mit sich. So erstanden um das Jahr 1750 zusammen mit der Kreuzstelle an Kirchhügel ein, wie die Chronik sagt, 'hohes Kreuz mit den Bilde der Schmerzhaften Muttergottes' - 'Auf der Kees' - bei der Weggabelung Ockfen-Zerf und die beiden Kapellen am Anfang und am Ende des 'Kapellenweges' in Buest, die 'Dräwer' und die 'Buester' Kapelle genannt. Aus den Jahre 1793 bereits berichtet die Chronik von einer 'Reparation der zwey heiligen heisger'. Daß die beiden Segensaltäre in Buest Kapellen hatten, mag mit den Wetterlaunen an diesen Festtag zusammenhängen. Bis in unsere Jahre ging im Volk die Rede: 'Wenn die Prozession durch Buest zieht, kommt bestimmt ein Regenguß!'

Durch notwendige Straßenerweiterungen gingen im Laufe der Zeit diese kleinen Bauwerke verloren. Der Vollständigkeit dieses Berichtes wegen seien sie kurz aufgeführt:

Das Kreuz auf der Kees1) Das Kreuz 'auf der Kees' wurde in vorigen Jh. durch ein kleines ersetzt, auf welchem die Jahreszahl 1850 zu lesen ist.

 

2) Die Dräwer-Kapelle stand auf Kur-Trierischem Eigentum ('Kurentriesch oder Trever Kirchhof genannt). In ihr wurde um 1790 die 'Lichtmess-Madonna' des Metzenhausen aufgestellt, nachdem diese Figur für einen neuen Altar in der Pfarrkirche zu klein und durch die Zeiten zu unansehlich geworden war. Vor der Kapelle stand ein kleines Sandsteinkreuz mit einer Inschrift vom 'Allerwelthannes', die wohl auf den 'Johannes-Segen' für die Weinberge hindeutete. Heute befindet sich in allernächster Nähe das Kellereigebäude des Winzervereins.

 

3) Die Buester-Kapelle am Ortsausgang von Buest nach Ockfen im Flurstück 'Kreuzgarten'. In ihr stand die etwa 50 cm. hohe barocke Sandsteinfigur der Schmerzhaften Muttergottes mit dem Leichnam ihres gekreuzigten Sohnes auf dem Schoß. Die königliche Krone auf ihrem Haupt stellt sie als 'Königin der Martyrer' dar, auch 'Pieta' genannt. In Kriegsgeschehen 1945 wurde der Figur der Kopf abgeschlagen, notdürftig repariert wurde sie farbig übermalt und wartet nun auf eine fachgerechte Restaurierung. Die Figur verweist mit ihrem barocken Stil und ihrer Aufstellung im Flurstück 'Kreuz'-Garten auf ein merkwürdiges Kreuz hin, das sich bis zum Jahre 1940 am Wege nach Ockfen im Flurstück 'Kreuzberg' etwa 50 m vor dem sog. 'Schunke-Schäle Bua' befand, ebenfalls im letzten Krieg zerstört und nachher durch ein kleines bescheidenes Sandsteinkreuz ('Erneuert') ersetzt wurd.

 

4) Das 'Thressel-Kreuz'. Unser Chronist sagt: 'Bis in die letzten Jahre zogen zahlreiche Beter aus dem Ortsteil Buest, oft in sehr großer Zahl, abends zu diesem Kreuz, um dort den 'Neunten' zu halten (d.h. in einem schwerem Anliegen einer Familie oder der Gemeinde an 9 aufeinander folgenden Abenden zu beten). Es war oft ergreifend, wenn das laute Gebet zu später Stunde dort in die Nacht hinein hallte'.

Das Kreuz war aus rotem Sandstein, etwa 1,50 m hoch. Im oberen Teil war unter einem barock gewölbten, auf die Querbalken herabhängendem, Dach das Bild des Gekreuzigten aus dem Stein gemeißelt. Im unteren Teil des Kreuzstammes befand sich ein kleines Bild der Muttergottes von den 7 Schmerzen. Auf dem Sockel des Kreuzes war eine längere Inschrift in lateinischer Sprache zu lesen (teilweise fast unleserlich geworden), die besagte:

'Crux erecta Jesui Patienti a Christophoro Thressel et Maria Elisabetha (conjugibus) solis in Irsch = Stat ob-lata septem doloribus onera (munera) de Mariae (Virginis) voto. 1781'.

Danach war das Kreuz im Jahre 1781 von den kinderlosen Eheleuten Tressel (Christoph Tressel war in jener Zeit Schulmeister und Küster in Irsch) errichtet zu Ehren des bitteren Leidens Jesu. Verbunden damit war eine Stiftung zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes. Die Stiftung bestand in einer Meßstiftung von 25 Thalern und 2 kleinen Grundstücken, die noch heute mit 'Kreuzberg' und 'Kreuzgarten' benannt werden. Im 'Kreuzgarten' stand aber die Buester-Kapelle, in der sich die o.a. Piet… befand als Stiftung der Gemahlin des Christoph Tressel, Maria Elisabetha. Antonius-Kapelle

    Das Kreuz stand beim 'Schunke-Schäle-Bua' überdies in der Nähe der berüchtigten Fluren 'Wolfsheck' und 'Feuerstatt. Noch im Jahre 1793 erlegte dort ein Schweinehirt eines der raubgierigen Tiere. Die Feuerstatt erinnerte in jener Zeit noch lebhaft an die Greuel des Hexenwahns. Bis in unsere Zeit waren verspätete Heimkehrer froh, wenn sie die unheimlichen Stellen hinter sich hatten und das Kreuz erblickten.

     

    5) Die Antonius-Kapelle. Sie wurde um das Jahr 1860 am Ortsausgang nach Irsch von einem Mann namens Becker auf dem Grundstück der Familie Peter Baltes-Fell erbaut. In ihr fand ein altes Bild des hl. Antonius v. Padua Aufstellung, das sich in der Gabelung einer uralten Eiche gegenüber der Kapelle befand. Es handelte sich um eine hölzerne Halbfigur des Heiligen mit dem Jesuskind auf dem Arm. Etwa 50 cm groß. Statue und Verehrung des hl. Antonius sind der Zeit der Anwesenheit der Franziskaner (1609-1802) in Beurig zuzuschreiben. Während die Eiche ihrem hohen Alter im Jahre 1941 zum Opfer fiel, wurde die Figur des Heiligen im Kriege 1945 zerstört. Die Verehrung des hl. Antonius blieb bis heute bestehen. Noch zur Zeit des Chronisten beteten dort viele Leute abendlich den 'Neunten'. Noch heute brennen im Kappellchen sehr oft Andachtskerzen.
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    'An Straßen und Feldwegen...'

    Heilig-Kreuz-Kapelle'Gehe hinaus an die Straßen und Feldwege' - befahl der Hausherr des Evangeliums seinem Knecht - 'und dränge die Leute, zu meinem Fest zu kommen.'

    Die vielen Kreuze und Bildstöcke entlang der Wege unserer Landschaft wollen der drängenden Einladung des Evangeliums sinnfälligen Ausdruck verleihen. Auf Bergeshöhen, an Wasserquellen oder im Schatten eines Baumes errichtet, sind sie ein Lobpreis auf den Schöpfer-Gott. An Weggabelungen erinnern sie an die Gebote Gottes als Weg zum Ewigen Leben. Hier sind es Dankeszeichen für erhaltene Hilfe in Not, dort bitten sie um ein Gedenken im Gebet. Immer wollen sie Antwort geben auf die wichtigste Frage: 'Wozu bist du auf Erden ? - Um Gott zu dienen!'

    Die 'Alte Spein' hinauf bis zur Höhe des 'Speiner Bildchens' finden sich gleich 4 Votiv-Kreuze zur Danksagung. Am Beginn der Steige steht das Kreuz errichtet von M. Benzschawel im Jahre 1870/71 für glückliche Heimkehr aus dem Kriege. Dann folgt:


    Die 'Heilig-Kreuz-Kapelle', so benannt wegen des 'schönen großen Kreuzes', das sie bis in unsere Tage schmückte und leider in den Kriegstagen zerstört wurde. Die Kapelle mit Kreuz ist ebenso als Dank für glückliche Heimkehr aus dem Kriege 1870/71 von Familie Kees errichtet worden. Die Bewohner des Ortsteiles 'Dräw' zogen gern zum abendlichen Gebet eines 'Neunten' zur Kapelle hinauf.

    Am oberen Ende der 'Spein' steht das Kreuz der Familie Reuter-Konz mit der Jahreszahl 1866.

    Ein wenig weiter in der sog. 'Johannis-Grube' steht das Dankkreuz für Errettung aus den Wirren des Frontüberganges 1945, errichtet von einigen Familien des Ortes.

    Speiner BildchenSchließlich auf der Höhe die Kapelle des 'Speiner Bildchens' so nach einer Muttergottes-Statue benannt, die seit 1945 spurlos verschwunden ist. Die Kapelle wurde ursprünglich als 'Rastkapelle' für durchziehende Pilger zur Gnadenstätte in Beurig erbaut, etwa um 1734, später erneuert im Jahre 1830, wie die Zahl über des Einganges bedeutet. - In unmittelbarer Nähe erbaute die Gemeinde Irsch im Jahre 1928 einen geräumigen Stall zur Unterstellung und Fütterung des Viehs bei Unwetter.

    Unweit davon, am Heckenweg von der Speiner Strasse nach Neunhäuser beim Hof 'Dahm-Greif', stand das 'Mordkreuz' mit Jahreszahl 1814. An dieser Stelle wurde ein Dienstmädchen aus Greimerath, Tochter des Nikolaus Wagner, von einer Gruppe versprengter napoleonischer Soldaten umgebracht. In seinem Schmerz ließ der Vater in den Stein die Worte meißeln: 'Hier wurde mein Kind erschoosen'!

    Gedenk-Kreuze zur Erinnerung an Unglücksfälle mit der Bitte um's Gebet trifft man an verschiedenen Stellen. An der Irscherstr. zum Ortsende im Garten Baltes steht ein kleines Kreuz, immer wieder von Bolden beschädigt. Es erinnert an das Jahr 1893, als sich am 21. Juni mittags gegen 2 Uhr ein schweres Gewitter über Irsch entlud. Ein Blitz erschlug den Michael Wagner (56 Jahre) und ein 18-jähriges Mädchen, Margarethe Schmitz, die in der nahen Dorfwiese mit Heuarbeiten beschäftigt waren.

    Ein ähnliches Kreuz steht am Fußweg zur Feuerstatt hinauf, wo am 3. Juni 1897 die Witwe Margarethe Merten-Peters bei Heuarbeiten während eines schweren Gewitters von einem Blitz getroffen wurde.

    Ein Kreuz im Scharfenberg erinnert an Matthias Reuter -Wallrich, der dort im Jahre 1934 bei Feldarbeiten tödlich verunglückte.

    Ein neueres Dank-Kreuz steht schließlich an der Zerfersteige, Ortsende, zum Dank für glückliche Heimkehr aus dem 2. Weltkrieg.
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    Die Christus-Kapelle im Keltergarten


    Für die im Jahre 1965 abgebrochene 'Büster-Kapelle' erbaute die Zivilgemeinde Irsch auf dem nahe gelegenen Grundstück 'Im Keltergarten' eine Zeltkapelle in 5-eckiger Form aus einfachen Betonstreben und Zinkdach. In Anlehnung an das zerstörte Thressel-Kreuz (auch Schulkreuz genannt) wurde die Kapelle: 'Jesui patienti' - Jesus, dem Schmerzensmanne - am 4. Oktober 1970 geweiht.

    In der Kapelle steht auf schlichtem Sockel eine 1,20 m hohe Figur aus rötlichem Sandstein, die nach der Schilderung des Propheten Isaias den Erlöser als Knecht beim Keltern von Weintrauben darstellt. Gleichsam als Schraubstock mit Stricken in die Kelter gefesselt versinkt die Gestalt bis an die Knie in den Trauben, während aus Wunden an Händen und Seite Blut hervorquillt. 'Ich stand allein in der Kelter... niemand wollte mir helfen.' Stellvertretend für alle Menschen nahm Christus alle Schuld, alle Verbrechen und Sünden auf sich, wurde deshalb unter die Verbrecher gezählt. Wie die gekelterten Trauben zum Wein der Freude werden, so wird durch das Leiden und den Tod des Christus Gerechtigkeit und Sühne, Heilung und Leben. In einer Welt, in der so viele Verbrechen ungesühnt 'verjähren', weiß der Christ um den Sühnetod seines Erlösers, der vielmehr und besser Gerechtigkeit wirkt als eine mögliche Identifizierung und Bestrafung des tatsächlichen übeltäters. Und der reuige Sünder weiß in Dankbarkeit seine Seele reingewaschen im Blute des Gottesknechtes 'Jesus': Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe!

    Die Figur ist ein Werk von Willy Hahn, Trier, im Stil der Gegenwart. Sie zeichnet sich aus durch die klare Glaubensaussage, die Echtheit des Ausdrucks und die sorgfältige Zeichnung bis in's Detail.
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    Kreuzweg-Hügel und Friedhofskapelle

    Als letztes und jüngstes der 'heiligen Heisger' wurde im Jahr 1970 die Friedhofskapelle errichtet und später im Jahre 1973 der zu ihr hinaufführende Kreuzweg im Freien.

    An der Stelle des Kreuzweghügels stand bis dahin das alte und baufällige Küsterhaus mit Stallung und Scheune, sowie ein unter Pfarrer Willems angebauter kleiner Pfarrsaal. Bergwärts befand sich ein Pfarrbungert, der zeitweilig als Tummelplatz für Kleinkinder, 'Kindergarten' genannt, diente. Nach dem notwendig gewordenen Abbruch der Gebäulichkeiten ergab sich wie von selbst die Verwirklichung der von Pfr. Willems gehegten Idee der Errichtung eine Kreuzweges im Freien. In gleicher Weise eröffnete sich die Möglichkeit für einen befahrbaren Zugangsweg zum höher gelegenen Friedhof der Gemeinde, und die Errichtung einer der Zeit entsprechenden Friedhofskapelle, mit welcher auch gut ein Ehren-Denkmal für unsere gefallenen Soldaten in den Weltkriegen verbunden werden konnte. Dazu kam der dringend notwendige Bau eines Kindergartens, der den Erfordernissen unserer Zeit entsprach. Fast unglaublich klingt der Zeitplan der Bauleistungen im Jahre 1970:

    am 5. Juli - Einweihung der Friedhofskapelle

    am 4. Oktober - Einweihung des neuen Kindergartens

    am 25. Oktober - Einweihung der Christuskapelle

    am 18. November - Einweihung des Kriegerdenkmals

    am 20. November 1974 schließlich die Einweihung des Kreuzweges.

    Ergänzend muß an dieser Stelle dankbar erwähnt werden: die Opferbereitschaft der Bevölkerung, die Initiative und Energie des Bürgermeisters von Irsch, Peter Schu, und die glückliche Unerfahrenheit des Ortspfarrers in derlei Dingen. Ohne den Zusammenklang aller dieser Faktoren wären die Werke nicht zustande gekommen. Friedhofskapelle

    Als besonders glücklich gelungen darf die Verbindung des Kriegerdenkmals mit der Friedhofskapelle angesehen werden. Nicht nur, weil sich die Kapelle harmonisch und sinnvoll in die umgebende Landschaft einfügt, sondern noch vielmehr ob des gelungenen 20 qm großen Mosaikbildes auf der Frontseite der Kapelle mit den seitwärts angebrachten Bronzeplatten mit den Namen der Gefallenen.

    Das Bild stellt die Auferweckung der Toten am 'Jüngsten Tag' dar. Beim letzten Trompetenschall stürzen die Weltelemente bruchstückweise auseinander. Der Vorhang des Glaubens - des Alten und Neuen Bundes - öffnet sich. Christus - der Erste der Auferstandenen - erscheint. Ihm folgen aus den Gräbern alle, die zu IHM gehören. 'Und wir werden mit eigenen Augen sehen, was wir geglaubt haben.' (1.Kor.15)

    Das Mosaik in Natursteinen ist ein Werk von Werner Persey aus Trier.
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    Die Kreuzstele am Kirchhügel 1745

    Wer den Hügel zu unserer Pfarrkirche hinaufsteigt erblickt zur Linken einen 2 m hohen Bildstock aus hellem Sandstein. Das gesamte Bildwerk hat die Form einer Monstranz und ist ein in Stein gehauener Lobpreis des Altarssakramentes.

    Die Kreuzstele am Kirchhügel von 1745

    Unter einem barock gewölbtem Giebeldach mit seitlich herabhängenden Zopfvoluten ist eine aus dem Stein herausgemeißelte Kreuzgruppe dargestellt. Die Gestalten des Gekreuzigten, mit Maria zur Rechten und Johannes zur Linken, sind bis in's Detail gezeichnet und bringen in bewegter Art das Abschiedswort Jesu zum Ausdruck: 'Frau, siehe da deinen Sohn.' Im Sockel des Kreuzstammes ist die Jahreszahl 1745 eingegraben. Das darunter liegende Kapitell der Stele ist von aufwärts sich weitenden und einwärts gerollten Voluten gerahmt, aus denen Feldfrüchte herabranken. Die Stirnfläche des Kapitells ist beherrscht von einem mächtigen Rinderkopf.

    Das ganze Bildwerk ist eine gelungene Interpretation des Fronleichnam-Hymnus: 'Tantum ergo'. (GL.541) Der Rinderkopf stellt die Opfer des Alten Bundes dar (,antiquum documentum'); Die Kreuzgruppe zeigt das Opfer des Neuen Bundes ('novo cedat ritui')

    Der von unten nach oben sich verjüngende Säulenschaft zeigt in der oberen Hälfte ein mit 3 Bandschleifen geziertes Gebinde von Früchten aus Weinberg und Garten als Lobpreis der Dreifaltigkeit (Genitori, Genitoque...Procedenti ab utroque): Ihnen, dem Vater, dem Sohne und dem hl. Geist sei: Laus et jubilatio, salus, honor, virtus quoque benedictio! (Lob und Jubel, Heil, Ehre, Herrschaft und Segen!)

    An den Seiten der Stele ist das Unvermögen der Sinne (Sensuum defectui) zu diesem Glaubensgeheimnis dargestellt: ein drastisch plumper Kopf mit langem Rüssel und aufgebauschter Befiederung

    Die untere Hälfte des Stelenschaftes enthält eine gerahmte, unbeschriftete Tafel: 'praestet fides suppiementum' = glaubend, nicht schauend, erfassen wir das Geheimnis der Gegenwart Christi im Sakrament.

    Als Fronleichnamskreuz weist der Bildstock darauf hin, daß an dieser Stelle je am Fronleichnamstage der Eucharistische Segen über Gemeinde und Land gegeben wurde. Im Jahre seiner Errichtung (1745) stand es hier an der markantesten Stelle unseres Ortes umgeben von Kirche, Schulhaus, Hofgebäude und Pfarrhaus.

    Im Zeitgeschehen steht das Kreuz am Ende der 100-jährigen Schreckenszeit und kündet von tiefer, neu erwachter Glaubensfreude im christlichen Volk.
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    Das Altarkreuz von 1770

    Das Altarkreuz von 1770Das Altarkreuz hing zur Zeit der alten Kirche aus dem Jahre 1739 in der Mitte der Chorwand über einem kleinen barocken Hochaltar. Rechts und links von ihm standen die Statuen der Kirchenpatrone Gervasius und Protasius, sowie die der Nebenpatrone Sebastian und Luzia. Auf dem Altar selbst befand sich das kleine Messingkreuz sowie die 2 noch erhaltenen Leuchter aus Messing und einfacher Form. Etwas später kamen die ebenfalls noch erhaltenen 4 versilberten, 68 cm hohen Metalleuchter klassizistischer Form hinzu. Unseren älteren Leuten ist das Altarkreuz bekannt als Wandkreuz bei der Kanzel.

    Der Körper des Gekreuzigten ist aus Buchenholz geschnitzt, 98 cm hoch und von vornehm eleganter Form. Das Haupt, ohne die sonst übliche Dornenkrone, ist leicht zur rechten Seite geneigt und läßt in auffälliger Weise eine längere Haarlocke über die rechte Schulter hinabgleiten. Das Lendentuch ist in großen Partien um einen doppelt gelegten Hüftstrick geschlagen und hängt mit Knoten seitwärts straff herab. Die Füße sind übereinander gelegt und ohne Stütze mit einem Nagel ans Kreuz geheftet. Die Anatomie des Körpers ist exakt genau und fein gearbeitet. Das Antlitz des Gekreuzigten hat einen Lippen- und einen kurzen Kinnbart, der wiederum in zwei kurze Lockenansätze endet. Mit halb geschlossenen Augen strömt das Antlitz himmlische Ruhe und Ergebenheit aus: 'Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.'

    Den geschilderten auffälligen Merkmalen nach gehört das Kreuz der sog. 'Zopf'-Stilrichtung an, die nach 1750 in unseren Landen blühte. Ein wahres Kunstwerk jener Zeit. Nebenbei bemerkt, das Kreuz ist bis heute nie übermalt worden. Der Kreuzständer mit Inschrift ist 1975 vom Schreiner des Ortes Gessinger Johann angefertigt.
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    Das Pfarrhaus

    Pfarrhaus Irsch

    In seinem heutigen Zustand ist im gleichen Zopfstil derselben Zeit etwa im Jahre 1780 erbaut worden. Die Fensterstürze aus Sandstein mit ihrem stark betonten Schlußstein (Kopf) und den geschwungenen Fensterbogen (Locken) weisen eindeutig darauf hin. Das kleine Zeltdach im Giebel der Fassade, der großzügig angelegte Treppenaufgang im Hausinnern und die Stukkaturen an den Zimmerdecken sind weitere Hinweise. Diesem Stil entspricht der weiße Anstrich der Fassade mit ziegelrot abgesetzten Fensterstürzen, wie er zum letztenmal im Jahre 1978 erneuert wurde. Der kleine 'Park' zur Westseite des Hauses mit den schönen Gartenanlagen und der mächtigen Rotbuche, die wohl zur Erbauungszeit gesetzt wurde, geben dem Pfarrhaus ein ländlich-herrschaftliches Aussehen.
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    Das 'Schulersch'

    Von ihrem göttlichen Stifter Jesus Christus ist die Kirche zu einem Lehrauftrag an die Welt verpflichtet: 'Geht hinaus in alle Welt und lehret alle Völker...!' Religiöse Blütezeiten legten deshalb immer großen Wert auf gründliche geistige Bildung des Menschen.

    Aber die Kirche versteht unter'Bildung' nicht einseitige Fachwissenschaft von Erkenntnissen und Funktionen, sondern die Erziehung des Menschen zu verantwortbarem, sittlich guten Handeln. Nicht jeder Gelehrte ist ob seiner 'Bildung' auch schon ein sittlich guter Mensch! 'Exclusiv-Wissenschaftler' degradieren leicht zu Robotern des Experiments und der Manipulierung. Die Kirche hat sich solchen Wissenschafts-Extremisten immer heftig widersetzt, was ihr den Vorwurf einbrachte:

    'Religion ist Opium für das Volk.' - Aber der religiöse Mensch beugt sich eben nicht weder vor dem Moloch der Macht noch vor dem Idol der Wissenschaft. Der Lehrauftrag der Kirche heißt: 'Liebe - zu Gott und den Menschen.' - Schulen, Krankenhäuser, gemeinnützige Vereinigungen verdanken der Kirche ihre Entstehung.

    Lag das Bildungswesen in alten Zeiten fast ausschließlich in den Händen von Klöstern, Geistlichen und - im Bereich der Gemeinde - in der Hand des Ortspfarrers, so entstanden zu Beginn des 18. Jh. in unserer Landschaft die ersten Gemeinde- oder Volksschulen. Es ist das Verdienst des Benediktinerabtes Johann Ignatius von Felbiger (1724-1788), das Volksschulwesen in den ländlichen Gemeinden eingeführt zu haben. An Stelle des Einzelunterrichtes 'von Haus zu Haus' je nach den Gegebenheiten eines 'Meisters', den Bedürfnissen der Ortsgemeinde oder den Fähigkeiten des Schülers, trat nunmehr die grundlegende Allgemeinbildung aller Kinder des Ortes durch Klassen-Unterricht. Das brachte natürlich Schwierigkeiten mit sich. Ein Schulgebäude wurde erforderlich, ein Lehrer mußte angestellt und besoldet werden.

    Das schon oft zitierte Visitations-Protokoll von 1739 berichtet, daß in Irsch ein Schulhaus vorhanden sei. Dabei handelt es sich um das Haus Nr. 85, das heute noch das 'Schulersch' genannt wird und Eigentum der Familie Burg-Düren ist. Etwas später kam als Mädchen-Schule noch das Haus Nr. 82 dazu.

    50 Jahre später berichtet die Chronik unter dem 25.6.1780 von einem Besuch des erzbischöfl. Schulvisitators, Pastor Canaris von Conz. Unter dem damals abgefaßten Protekoll liest man noch folgende Namen: Johann Backes, Ortspfarrer von Irsch; Christoph Thressel, Schulmeister und Küster in Irsch; Johann Hein, Bürgermeister; Karl B. Flörchingen, Meier; Peter Hauser und Matthias Rommelfangen, Sendschöffen; Matthias Wagner und Nikolaus Loch, Deputierte.

    Im Protokoll heißt es weiter: 'Das Schulhaus in Irsch ist gut. Es sind 31 Buben und 23 Mädchen schulbar. 5 Buben schreiben; kein Kind rechnet. Die von der Behörde geforderte 'Felbiger'sche' Lehrart ist nicht eingeführt. Der Pfarrer entschuldigt sich mit dem Widerstand der Eltern gegen diese insbesondere gegen die Einführung des Bibel-Unterrichts als Schulfach. Die Befähigung der Jugend im Katechismus ist gut; in der biblischen Geschichte jedoch ist sie nicht unterrichtet.'

    Im Jahre 1785 zählte die Schule in Irsch:

    70 Kinder, die nur lesen konnten und 12 albus Schulgeld zahlten.

    11 Kinder, die auch schrieben und 24 albus zahlten.

    Schule wurde gehalten nur im Winter, von Martini bis Ostern. Sie wurde besucht vom 7. bis 14. Lebensjahr. Die neue Lehrart war eingeführt. Die Lehrerwohnung ist nicht ohne Mängel. Es gab nur 1 Lehrer 'Schulmeister' zu jener Zeit. Fast 50 Jahre lang war es ein gewisser Christoph Thressel, ein bescheidener, frommer und gottesfürchtiger Mann, wofür das von ihm errichtete Steinkreuz am 'Schunke-Schäle-Born' spricht. Es wird noch heute von den Leuten das 'Schulkreuz' genannt, weil der fromme Lehrer gerne dorthin mit seinen Schülern eine Wanderung machte, aus der Bibel vorlas, Gebete und Gesänge übte. Damit suchte er auch den Bann des Aberglaubens zu brechen als ob jene Wegstrecke 'verhext' wäre ob der ehemaligen Ereignisse daselbst.

    Ein schwieriges Kapitel war beim neuen Schulbetrieb die Besoldung des Lehrers. Teilweise mußte das Schulgeld durch die Eltern aufgebracht werden. Um billiger 'davon' zu kommen verzichteten viele Eltern auf 'Schreiben-Rechnen' und vor allem 'Bibelunterricht'! Um den Gehalt des Lehrers aufzubessern gab ihm die Gemeinde ein kleines Wiesen- und Ackergrundstück. Ausserdem hatte er das Küsteramt inne, das ihm ein paar Groschen aus dem Klingelbeutel einbrachte. Gegen:eine Gebühr hatte er die Burschen zu Irsch im Choralgesang zu unterweisen. -Bei Gewittern hatte er allein die Glocken zu läuten, ansonsten mußte er als Bürger 'fronen und alle gemeinen Lasten tragen, nur von den Wachten ist er frei.'

    Mit dem Anwachsen der Bevölkerung wurde bald ein größeres Schulhaus nötig und im Jahre 1828 an der Grenze Irsch/Buest erbaut, das über 100-Jahre bestand. Die Lehrerzahl wurde 1833 auf 2, 1886 auf 3 und 1928 auf 4 Lehrer erhöht. In den Jahren 1938/41 wurde die heutige Schule gebaut. Getrennt von ihr wurden 2 Lehrerwohnungen erbaut. Das Gebäude wird vom Chronisten als 'herrlich' bezeichnet. Am 7. Juli 1941 als Schule bezogen, wurde es beim Frontübergang arg beschädigt und konnte wegen Materialmangel nicht mehr mit der vorgeschriebenen Balkenstärke restauriert werden, so daß die Decken 'federn'. -
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    '...brüderlich und gemeinschaftlich versprochen...'

    Die zahllosen Einfälle kriegerischer Heere in unser Land, der aüßerst dürftige Schutz von seiten des Kurfürstl. Staates, dafür die wachsenden steuerlichen Belastungen einerseits und andererseits die Bevölkerungs-Zunahme, die Reform des Schulwesens führten im Laufe des 18. Jahrhunderts unser Volk zum Selbstbewußtsein eigener Stärke und Verantwortung. Geistige Grundlage des wachsenden Gemeindesinns war das Trinom - Elternhaus - Schule - und Kirche. Dem Ortspfarrer fiel mehr und mehr die Aufgabe zu, durch die Verkündigung christlichen Glaubens und christlicher Sitte die treibende Kraft des inneren Zusammenhaltes der Gemeinde zu sein. Was man später - etwas abwertend - mit 'Kirchturmspolitik' bezeichnete, war in jenen Jahren für eine christl. Gemeinde die einzige Möglichkeit zum überleben.

    Aus den Jahren dieser Entwicklung berichtet das 'Irscher Gemeindsbuch' unter dem 7. August 1794: 'Beim bevorstehenden Anrücken der Truppen Napoleons ist die Gemeinde Irsch beim Läuten der Glocke zusammengetreten und hat sich brüderlich und gemeinschaftlich versprochen ... sie wollen alle Lieb' und Leid brüderlich miteinander tragen.'

    Wie richtig man in Irsch die Zeichen der Zeit erkannt hat, bewiesen die Ereignisse der folgenden Jahrzehnte:

    1794 - Der Zusammenbruch des Kurstaates Trier; Einmarsch Napoleons.

    1803 - Das Ende des 1. Deutschen Reiches

    1813 - Der Sturz Napoleons

    1817 - Die Machtübernahme durch Preussen

    Während unter den Umwälzungen der französischen Revolution die traditionsgebundene Einheit von Kirche und Staat zerbrach, Rechtsansprüche und Besitztümer der Kirche 'säkularisiert' - der Willkür des Staates zum Opfer fielen, die 'Göttin Vernunft' auf die Altäre eines 'aufgeklärten' Europa gehoben wurde und siegestrunkene Heermassen unter der Fahne von 'Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit' die Völker mit Krieg, Raub und Unterdrückung überzogen - damals hatte man in Irsch die Weisheit des Herzens bewahrt: 'Der alte Gott lebt noch!'

    Drei Wahrzeichen für ihre tief christliche Glaubensüberzeugung hinterließen uns unsere Vorfahren aus jenen turbulenten Jahren:

    das überaus schöne große Altarkreuz, das Pfarrhaus und die neue Pfarrkirche. Ehrenvoll sei an dieser Stelle der Name des damaligen Pfarrers genannt: Johann Backes aus Oberlauch b. Prüm, der mit seiner starken Persönlichkeit über 40 Jahre unsere Pfarrgemeinde leitete (1749-1793).
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    Die Pfarrkirche - Anno 1806

    Die Irscher Pfarrkirche Anno 1806Die Pfarrkirche - wie sie heute vor uns steht - wurde in 2 Bauabschnitten an den alten Ostturm angebaut: 1806 und 1913. Ihr heutiger Innenraum wurde im Jahre 1966 nach den Richtlinien der Liturgiereform des II. Vatikan-Konzils gestaltet.

    Vom 1. Bauabschnitt in Jahre 1806 sind 2 Urkunden erhalten. Ein handgeschriebener 'Beschluß des Munizipalrats und des Send', verfaßt am 27. Juli 1806 im Irscher Pfarrhaus, befindet sich im Pfarrarchiv. In ihr wird gesagt, daß die Kirche aus 'eigenen freiwilligen Beiträgen der Einwohner des Ortes Irsch' gebaut wurde. Sie enthält die kuriose Bitte an den Bischof von Trier: 'die Kirche unter dem Patronat des Heiligen Napoleon gefälligst einweihen zu wollen' und endlich eine Einladung für den 'Prefect von Trier' zur Kirchweihe. Zu dieser kam es erklärlicher Weise nicht. Ein Reliquienbefund im alten Hochaltar legt die Einweihung der Kirche in das Jahr 1830, die Amtszeit des Bischofs J. L. Alois von Hommer (1824-1836), durch dessen Weihbischof Joh. Heinrich Milz (1826-1833). Kirchenpatrone blieben die hl. Martyrer Gervasius und Protasius

    Eine 2. Urkunde ist uns in einer etwa 25 cm großen Bleitafel im Turmpfeiler des heutigen Glockenturmes erhalten. Sie trägt in Maiuskeln die folgende lateinische Inschrift:

    Die Pfarrkirche früher

    Anno 1806

    aut anno I. Gallicorum Imperatoris Napoleonis

    aedificata est ecclesia in Irsch

    Es folgen die Namen des Pastors, Heinrich Schneider, des Bürgermeisters J.B. Britten und der 11 Ratsmitglieder, sowie der Name des Baumeisters Matthias Funck aus Saarburg.

    Erbaut unter französischer Fremdherrschaft und in wirtschaftlicher Notzeit war der Bau klein und bescheiden, 75 Fuß lang und 29 Fuß breit. Der alte Turm erhielt ein 4. Stockwerk. Der Innenraum war im Saalstil der Zeit gestaltet mit abgerundeter Flachdecke und hatte nebst 2 Chorfenstern je 3 Rundbogenfenster im Schiff der Kirche.

    Von den Pfarrern im 19. Jh. wurde der Kirchbau immer als unvollendet angesehen und seine Vollendung angestrebt. Während die nötigen Formalitäten zwecks Baugenehmigung den Beginn der Arbeiten immer wieder verzögerten, ging man unterdessen daran, die Innenaustattung zu erneuern. Eine schöne barocke Strahlen-Monstranz, sowie ein barockes Zibonum stammen aus jenen Jahren. Schließlich ersetzte Pastor Tine' 1902 den alten Barockaltar durch einen neugotischen. Die Konsekration dieses neuen Altares fand statt am 22. April 1902 durch Weihbischof Karl Ernst Schrod. Zur Vorbereitung wurde eine Mission gehalten. Die große schöne Kreuzgruppe aus Terracotta (heute an der Rückseite des Nebenschiffes) erinnert daran.
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    Unsere Pfarrkirche - Renovata 1913

    Als am 15.11.1912 Pastor Johann Willens in sein Amt als Pfarrer von Irsch eingeführt war, griff er tatkräftig die Arbeiten zur Vollendung der Pfarrkirche an. überall in Irsch gab es damals nur ein Gespräch, in den Familien, in Versaumlungen, auf der Straße: der Kirchbau. Mit Kirchen-Vorstandsbeschluß von 15.5.1913 wurden die Arbeiten dem Architekten Peter Marx, Trier, und den Bauunternehmen Pütz & Bisson, Trier-Konz, übergeben. Nach Eingang der baupolizeilichen Genehmigung vorn 12.8.1913 konnte mit den Arbeiten begonnen werden. Die Finanzierung wurde 'durch freiwillige Gaben der Pfarrangehörigen und durch Eigenleistung' erbracht. Die notwendigen Bruchsteine wurden auf der Höhe oberhalb der Kirche gebrochen und auf einer Feldeisenbahn zur Baustelle gefahren. Dabei verunglückte tödlich Herr Nikolaus Fuhs-Clemens am 13.6.1914. Ihn sei an dieser Stelle ehrend in Dankbarkeit gedacht.

    Der Bau zog sich bis in den August 1914 hin. Die Fassade der Kirche wurde abgebrochen und um 6,20 m nach Westen vorverlegt, was genügend Raum für eine Orgelempore gab. Dabei mußten die Priestergräber vor dem alten Portal eingeebnet werden. Reste ihrer Grabmäler befinden sich heute in der Friedhofsmauer hinter der Sakristei. Es handelt sich um Steinreste der Gräber von: Pfr. Michael Kahlen (1865-1884); Joh. Peter Casel ('Widersehn'/1808-1813); Peter Kremer (Sandsteinkreuz, 1817-48)1 ein 4. Grabstein ist dem einzigen Irscher Gefallenen des 70-ger Krieges gewidmet: Matthias Steuer, gestorben im Lazarett Heidelberg.

    In der ganzen Länge der Kirche wurde an der Nordseite über den Kinderfriedhof ein Seitenschiff von 6 m Breite angebaut und an dessen Front ein 34 m hoher barocker Glockenturm errichtet. Der 'alte Turm' wurde wieder ein Stock niedriger und vom Berghang abgegraben freigelegt. Sein Innenraum wurde etwas vergrößert, erhielt ein schönes gotisches Fenster mit den Bild des 'Guten Hirten' und als Schlußstein im Kreuzgewölbe das 'Osterlamm' eingemeißelt. Zusammen mit der nordwärts angebauten Ministranten-Sakristei wurde er unter Pultdächer gelegt. Die Kirchenfenster zeigten in bleigefasster Buntglasmalerei die 8 Seligkeiten, dazu auf der Orgelempore die hl. Cäcilia. Die Fenster des Hauptschiffes wurden in letzten Krieg zerstört. Vor die Fassade wurde ein großzügiger bis 3 m hoch führender Treppenaufgang in Zangeforn gelegt. Im Giebel der Fassade fand eine Kreuzgruppe aus Terracotta Aufstellung. über den Hauptportal liest man auf einem mit Girlanden gezierten Medaillon:

    Haec Domus aedificata 1806

    Renovata 1913

    Mit der Vergrößerung hat nun die Kirche folgende Größenmaße:

    Hauptschiff - 29,10 m lang; 9,30 m breit; 8 m hoch

    Nebenschiff - 25 m lang; 5,10 m breit; 6,40 m hoch

    Äußere Länge mit Sakristei = 37 m

    Äußere Breite = 16 m

    Fassadenhöhe = 15 m

    Kirchturmhöhe bis zum Knopf = 32 in. (Kreuz + Hahn: 2 m) Das Urteil des Chronisten lautet: 'Schön an der Kirche ist:

    die zentrale und hohe Lage inmitten des Ortes - die hohe Freitreppe - die breite Fassade mit der Kreuzgruppe und vor allem der 34 m hochragende Barockturm mit Strahlenkreuz und Wetterhahn - das romanische Seitenschiff mit den schönen Säulen und ebenmässigen Bögen, sowie der lichte, übersichtliche Raum mit dem hochgelegenen Hochaltar, der an Kalvaria erinnerte. Der Nebenaltar, die Kirchenbänke und die Sakristeimöbel wurden nach Entwurf des Architekten Peter Marx von den Schreinern unseres Ortes in Eiche angefertigt.

    Im allgemeinen ist die Vergrößerung gut gelungen und gefällt den Einheimischen und Fremden gut. Sie ist sehr einladend zum Gebet und hat eine gute Akustik.

    Erhebend ist der Gedanke an der Stätte zu beten, an der auch die Vorfahren seit bald 1000 Jahren gebetet haben, die im Schatten der Kirche zur Ruhe gebettet sind.'

    Der Kirchbau konnte noch gerade vollendet werden, da brach im August 1914 der 1. Weltkrieg aus. Monat auf Monat läuteten die Glocken vom neuen Turm die traurige Nachricht über das Dorf, daß wieder einer seiner Söhne im widersinnigen Völkermorden das Leben lassen mußte. 44 Gefallene waren die blutige Bilanz des Krieges für Irsch. Am Ende brach das kaiserliche Hohenzollernreich zusammen. Dann kam das tragische 'Vae victis' (Wehe dem Besiegten) mit innerer Zerrüttung und geistiger Haltlosigkeit über große Teile unseres Volkes und stürzte es in die schmachvolle Erniedrigung der NS-Diktatur (1933-1945). Der 'Totale Krieg' (1939-1945) forderte von Irsch 56 Menschenleben. Mit einem ohnmächtigen Protest gegen die Tollwut des 'nordischen Übermenschen weist unser Chronist bescheiden darauf hin, daß bei den politischen Wahlen jener Schreckenszeit die christlichen Parteien in Irsch jeweils mehr als 2/3 aller Stimmen erhielten, der Diktator nie 1/3 erreichte. Diese Bemerkung diene als Zeugnis der Wahrheit für kommende Generationen!
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    Pfarrer Johann Boden (1928-1946)

    An dieser Stelle sei anerkennend gedankt dem seeleneifrigen Pfarrer, guten Geschichtskenner und unermüdlichen Schreiber unserer Pfarrchronik, Johann Boden. Von 1928 - 1946 führte er unsere Pfarrei. Krankheitshalber verließ er am 1.6.1946 die ihm liebgewordene Pfarrei Irsch. Er starb am 15.11.1962 in Kurtscheid, seinem Heimatort.
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    Zum Gedenken an das Heilswirken Gottes in seiner Kirche. Irsch 1964

    In die Amtszeit von Pastor Karl Schwaab (1946-1967) fiel das II. Vatikanische Konzil (1962-1965). Papst Johannes XXIII hatte es einberufen unter dem programmatischen Leitwort 'Aggiornamento' (= Ausrichtung der Kirche auf die Veränderung der Welt von heute und morgen). Im besonderen verstand er darunter: die anzustrebende Wiedervereinigung der christlichen Konfessionen, die Gesprächsbereitschaft der Kirche mit allen Religionen und Völkern, vor allem aber die Berufung der katholischen Laien zur aktiven Teilnahme in den kirchlichen Diensten und der Glaubensverkündigung.

    Pastor Schwaab, dessen Priesterleben geprägt war von tiefer Ergebenheit an Kirche und Papst, unterließ nichts, um der Gemeinde die Konzilsbeschlüsse getreu und ohne Abstriche zu übersetzen. Zu diesem Zwecke ließ er zunächst in Irsch eine Volksmission abhalten vom 30. November 1963 bis 15. Dezember, die äußerst segensreich verlaufen ist. Um der Stimme der Kirche noch eindringlicheres Gehör zu verschaffen, ließ er im Frühjahr 1964 eine 4. und größte Glocke - die St. Michaelsglocke - für unseren Kirchturm gießen. Auf dieser ließ er nebst dem Weihespruch den bedeutenden Beisatz anbringen: 'Zum Gedenken an das Heilswirken Gottes in seiner Kirche.' Schließlich leitete er noch im selben Jahr die grundlegende Umgestaltung des Kircheninneren gemäß den liturgischen Richtlinien des Konzils ein. Im Jahre 1966 war der Plan zur Ausführung fertig. Zwei namhafte Experten auf dem Gebiet der Kirchenrestaurierung hatten die Arbeiten übernommen: Architekt Peter van Stipelen u. Kunstmaler Werner Persey, beide aus Trier.

    Als Grundsatz für die Umgestaltung galt: 'In der Kirche ist nicht wichtig, was darin ist, sondern vielmehr - was darin geschieht: das Heilswirken Gottes!' - Dieses wollen Anlage, Motiv und Gestaltung der neu eingebrachten Einzelteile bildhaft deutlich zum Ausdruck bringen:

    Zeltdach der neu eingezogenen Holzdecke. 'Seht Gottes Zelt auf Erden! Verborgen ist er da; in menschlichen Gebärden bleibt er den Menschen nah.' (GL.639/4) - Wie ein Zelt immer nur etwas Vorläufiges ist und der Versammlung von Menschen dient, so führt Gott sein Volk zusammen und auf den Weg zum Heil: 'Sein wandernd Volk will leiten der Herr in dieser Zeit; er hält am Ziel der Zeiten dort ihm sein Haus bereit.' (GL.639/5)

    Der Altar als Stätte der steten Erneuerung des Versöhnungsopfers Christi bringt mit seinem mächtigen, unverrückbarem Steinblock die Unveränderlichkeit des Helswillens Gottes zum Ausdruck. Seine Tischform weist auf das 'Letzte Abendmahl' hin, die angedeutete Kreuzform auf das Gedächtnis des Kreuzesopfers Christi.

    Das Altarkreuz stellt bildhaft das 'Geheimnis des Glaubens' dar, welches auf dem Altar in der Eucharistie gefeiert wird. Es sagt die großen Glaubenswahrheiten über Jesus Christus aus: Die Menschwerdung des Sohnes Gottes in der Menschengestalt und sein Tod am Kreuze. Die Auferstehung von den Toten im Hinweis auf die fahnenartig-sieghaft blutenden Wunden

    Die Himmelfahrt Christi im blauen Grund des Bildes.

    Die Sendung des Hl. Geistes in der flügelartigen Form des Kreuzes und schließlich die Wiederkunft Christi am 'letzten Tag' in den Bruchstücken des Mosaiks und des aufgehenden Morgenrots hinter seinem Haupt. Das Altarkreuz ist damit eine überaus glücklich gelungene Zusammenfassung des Rufes im Augenblick der hl. Wandlung: 'Deinen Tod, O Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit.' - Die Wiederkunft Christi in 'Herrlichkeit' wird noch eigens betont durch die Heiligen in den Kirchenfenstern: 'Siehe der Herr wird kommen - und alle seine Heiligen mit Ihm!' (Isaias)

    Der Tabernakel ist gedacht als Heiligenhäus'chen und Raststätte am Pilgerwege. Er birgt die 'Wegzehrung':'...Du wahre Speise, Jesus, stärk uns auf der Reise - heim in deines Vaters Reich!'(GL.844) Das Mosaikbild auf der Tabernakeltür zeigt Abraham - den Vater der Glaubenden - bei der Bewirtung seiner drei Gäste. Die Eucharistie ist nicht nur Unterpfand der künftigen Herrlichkeit, sondern auch Verpflichtung an die Menschen in Not:' Gib uns die Kraft zu heilen, zu helfen in der Not - daß Freud' und Leid wir teilen, und teilen unser Brot!' (GL.842/4).

    Die 12 Kirchweih-Kreuze an den Wänden der Kirche erinnern an die 12 Apostel, auf deren Verkündigung das christliche Glaubensgebäude ruht. In den verschiedenen Richtungen angebracht weisen sie die christliche Gemeinde auf den Auftrag Christi hin: -Geht und Lehret alle Völker....!'

    Der Marienaltar mit dem Reliefbild (Terracotta) der 'Immerwährenden Hilfe' fügt sich sinnvoll an das Hauptschiff der Kirche an. Das Bild ist eine Stiftung des Soldaten Anton Müller aus Irsch in der Vorahnung, aus dem Kriegsgeschehen nicht zurückzukehren. In der Tat ist er am 20. Oktober 1914 an der Westfront gefallen erst 20 Jahre alte Seither stand das Bild in großer Verehrung bei unserem Volk.

    Das Original des Bildes ist eine griechische Ikone aus dem 14. Jh. und befindet sich als Gnadenbild hochverehrt in der Kirche 5. Alfonso der Patres Redemptoristen in Rom. Dort hat es den Namen: 'De Perpetuo Succursu' (=von der ständigen Hilfsbereitschaft!). In der Eile Hilfe zu bringen, verliert das Kind auf dem Arme Mariens - sogar einen Schuh! Glücklich der Beter, der ihn auffängt! Er wird nicht anders können als zum Himmel zu laufen. -
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    Unsere Orgel - Einweihung am 25.3.1956

    Der Domorganist Dr. Paul Schu, Trier, beurteilte die Orgel: 'Aufbau und musikalische' Leistung der Orgel sind: 'Sehr gut'. - Alles in allem ist sie tadellos und entspricht vollauf den liturgischen Anforderungen'. - Sie wurde gebaut von Fa. Eduard Sebald, Trier, zum Preis von 22.750,-DM. Sie hat:

    2 Manuale mit je 56 Tasten; 1 Pedal mit 30 Tasten.

    18 Klingende Register mit insgesamt 1.170 Pfeifen (54 aus Holz, 218 aus Zink, 898 aus Zinn).

    4 Nebenregister; 22 Registerkipper und 22 für freie Kombination. Elektrische Gebläse.

    Unser Kirchenchor ist im Jahre 1730 gegründet worden. Laut des noch erhaltenen Visitations-Protokoll vom 25.6.1780 beauftragte der erzbischöfliche Schulvisitator, Pastor Canaris von Conz, den Schulmeister und Küster von Irsch, Christoph Tressel: '..die Burschen von Irsch im kirchlichen Choralgesang zu unterweisen gegen eine Gebühr'. Derselbe Schulmeister errichtete im darauf folgenden Jahre 1781 beim 'Schunke-Schäle-Born' ein Votivkreuz, das bis zum Jahre 1940 dort mit einer längeren Inschrift gestanden hat. An jener Stelle besteht eine sehr gute Akustik in der Landschaft und es ist anzunehmen, daß daselbst an schönen Sommerabenden die 'Chorproben' gehalten wurden. Jedenfalls war das Kreuz bis in unsere Tage hochverehrt und das 'Schulkreuz' vom Volk genannt. - Im Laufe der 2 Jahrhunderte seines Bestehens hat unser Kirchenchor wesentlich dazu beigetragen, auch den Volksgesang bei den Gottesdiensten in Irsch zu stärken und zu pflegen. In neuerer Zeit hat sich große Verdienste um den Kirchengesang erworben der langjährige Chorleiter und Organist, Josef Paulus, der auch ein 4-stimmiges Magnificat für unseren Kirchenchor komponiert hat. (1922-1965)
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    Die Glocken auf unserem Kirchturm

    ,Wovon das Herz voll ist, fließt der Mund über' - sagt das Sprichwort. In besonderer Weise trifft das auf die Kirchenglocken zu. Schon der hl. Hieronymus sagt um das Jahr 400: 'Der Glockenklang ist die Verkündigung der Frohbotschaft Gottes an die Welt, die Glocke selbst ist der Mund des Verkündigers, der Klöppel seine Zunge, der Glockenstrang erinnert an die Kürze des Lebens.' - Nebst der Orgel gehören die Glocken einer Kirche zur selbständigen Eigenart des musikalischen Ausdrucks ihrer christlichen Verkündigung. Sollten sie einmal verstummen, dann ist 'Karwoche' in der Kirche - sei es ob der Vergewaltigung durch Herodes und Pilatus, sei es ob der Feigheit ihrer Fliehenden Jünger. -Aber es wird wieder Ostern! Und die Glocken werden immer wieder zurückkehren und die frohe Osterbotschaft verkünden. So stehen Orgel wie Glocken als Zeichen der Sieghaftigkeit christlichen Glaubens im Dienst der Kirche und werden von ihr feierlich geweiht auf den Namen heiliger Patrone. - Zur Zeit sind folgende Glocken auf unserem Kirchturm:

    Im Jahre 1951 wurden gegossen und geweiht

    1) die Glocke: 'St.. Matthias' - Ton h - 340 kg - Durchmesser 0,83 m - Inschrift:

    ,Hl. Matthias - des Bistums Schutzpatron, bitt für uns an Gottes Thron Erflehe du von Jesus Christ, was uns zum Heile ist.'

    2) Die Betglocke: St. Gervasius u. Protasius: Ton a - 500 kg - Durchmesser 0,93 m 'Gervasius und Protasius haben sie mich geweiht, den heiligen Schutzpatronen. Ich rufe sie an, daß Fried und Einigkeit allzeit in eurem Dorfe wohnen.'

    3) Die Glocke: 'Maria, Friedenskönigin' - Ton g - 700 kg. - Durchmesser 1,04 m 'Maria Friedenskönigin heiße ich - und erfleh für euch den Frieden. Den Frieden da droben ewiglich - und endlich den hienieden.'

    Am 3. Mai 1964 wurde die 4. Glocke geweiht

    4) 'St. Michael' - Ton e - 1.150 kg. - Durchmesser 1,24 m - mit Bild und Inschr. 'St. Michael, die Kirch dir anbefohlen ist

    du unser Schutz- und Schirmherr bist

    Beschütz mit deinem Schild und Schwert die Kirch, den Hirten und die Herd.'

    Beisatz: 'Zum Dank und Gedenken an das Heilswirken Gottes inseiner Kirche durch das II. Vatikanische Konzil in den Jahren

    1963 - 1964.' - Irsch 1964
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    Pastor Karl Schwaab (1946-1967)

    ,Solange 2x2=4 ist, solange sind die Gebote Gottes gültige Lebenswahrheit.' - war einer der markanten Worte von Pastor Schwaab. 21 Jahre hindurch hat er unsere Pfarrei umsichtig und klug, aber auch energisch und unnachgiebig den Weg des Glaubens und christlichen Lebenswandels geleitet. Gottesfurcht, Treue zur Kirche zeichneten ihn ebenso aus wie innige Volksverbundenheit. Erst 62 Jahre alt starb er an Herzinfarkt. Bischof Bernhard Stein nahm persönlich an seinem Begräbnis teil. Sein Andenken bleibt unserer Gemeinde in hohen Ehren!
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    Aus dem Kirchenschatz

    Nur Weniges vom kirchlichen Inventar vergangener Jahrhunderte hat die Zeiten überstanden bis in unsere Tage. über Einiges davon wurde bereits berichtet. Es waren

    1) der kleine vergoldete Silberkeich, etwa aus dem Jahre 1500

    2) die Lichtmeß-Madonna aus dem Jahre 1532

    3) das ehemalige Altarkreuz mit 4 Leuchtern aus dem Jahre 1770

    4) ein Rokoko-Ziborium, kupfervergoldet, aus dem Jahre 1750

    Ihrer Bedeutung und ihres Wertes wegen seien hier noch 2 Monstranzen besonders erwähnt:

    Die barocke Strahlenmonstranz

    ist 48 cm hoch und messingvergoldet. Die handgetriebenen Rokokoformen am ovalen Fuhs, Schaft und Nodus, die Darstellungen von Gottvater unter einem überhängendem Baldachin und der Heilig-Geist-Taube, das grundrißlose Schaufenster umgeben von 16 gut geschliffenen Quarzsteinen in den Farben Smaragd, Aquamarin, und Karneol, und schließlich der flache Eichenlaub-Kranz aus Silber weisen auf ihre Herstellung um das Jahr 1750 hin. Als Handarbeit ist die Monstranz mit besonderer Bedeutung für unser Irsch angefertigt, das seinen Namen und seine Lebensexistenz in vergangenen Zeiten vom Eichenbestand der umliegenden Landschaft ableitete. Das besagt die schöne Eichenlaub-Verzierung in Silber rund um das Schaufenster des eucharistischen Brotes. Wie die Eiche den hiesigen Menschen das Brot für das tägliche Leben bedeutete, so die Eucharistie das Brot für das Ewige Leben. Damit stellt die Monstranz das 'Wahrzeichen von Irsch' dar sowohl als Zivilgemeinde wie als Kirchengemeinde. Geschichtlich gesehen gehört somit das Eichenlaub als wesentliches Merkmal in das Wappen der Gemeinde Irsch.

    Die Christkönigs-Monstranz

    ist gestiftet von einem Frl. Anna Dawen aus Irsch, entworfen und angefertigt im Jahre 1930 von der Firma Brems-Varain Trier. Sie ist 68 cm hoch, massiv Silber (3,15 kg) und ganz vergoldet. 6 Medaillons zeigen in Relief die Bilder der Heiligen: Gervasius und Protasius, Maria und Josef, Sebastian und Luzia. (Schutzpatrone der Kirche, der Familie und der Gemeinde). 14 Bergkristalle, 3synthetische Rubine, 12 Karneole, 6 Chrysopase nebst edlem Email schmücken die Front. Auf dem Fuß ist das Bild Christkönigs eingraviert, auf dem Nodus die Schrift: 'Tu Rex Gloriae Christe'. Ein 5 cm hohes Silberkreuz, vergoldet, krönt mit einem Rubin die Monstranz. -

    Pater Markus Laser - Autor der PfarrchronikBeim Frontübergang im Jahre 1945 wurde die Monstranz von einem amerikanischen Soldaten als Beutegut mitgenommen. Bei einer Militärkontrolle in der Nähe von Hermeskeil entdeckt landete die Monstranz beim dortigen Pfarrer. Was an ihr fehlte, war das krönende Silberkreuz, das sich der Soldat wohl als Souvenir abgeschraubt hatte. Im Jahre 1950 kam dieses jedoch wohlbehalten in einem Päckchen aus den USA wieder nach Irsch.

    Die Stifterin der Monstranz starb bald nach deren Fertigstellung am 1.11.1930. Ihr geringes Gut und Haben stellte sie wie ihr Leben ganz in den Dienst Gottes und das zu einer Zeit, da sich in unserem Land der antichristliche Terror breit machte.

    In Dankbarkeit und mit dem fürbittenden Gebet sei an dieser Stelle aller verstorbenen Stifter gedacht, die mit ihren Gaben zum Ausbau und zur Erhaltung unseres Gotteshauses beigetragen haben ob bekannt oder ungenannt.

    RIP

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Die neue Pfarreiengemeinschaft

Mit der Versetzung des Pastors Nickels in den Ruhestand sind die Seelsorgeeinheit Sankt Marien Beurig, Sankt Gervasius und Protasius Irsch und Sankt Valentin Ockfen/Schoden und die Seelsorgeeinheit Sankt Laurentius Saarburg, Sankt Jakobus d. Ä. Litdorf-Rehlingen und Sankt Anna Mannebach zu einer Pfarreiengemeinschaft verbunden worden.

Sie wird von Pastor Peter Leick verwaltet, der bisher der Saarburger Seelsorgeeinheit vorgestanden hat. Er wird in seiner Arbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt von Pfarrer i.R. Liebertz aus Saarburg und Pfarrer i.R. Mertes aus Biebelhausen. Vikar Przemyslaw Nowak aus Polen steht dem Pastor ständig zur Seite. Zudem ist Diakon Johann Fisch für den Pastor eine wertvolle Stütze.

Pastor Leick hat die schwierige und umfangreiche Arbeit, zu der derzeit Erhaltungs- und Renovierungsmaßnahmen an und in den Gotteshäusern mit den damit verbundenen Finanzproblemen gehören, mit Elan und Begeisterung aufgenommen. In Irsch wurde er während seiner ersten Messfeier von der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates Monika Groß und dem Applaus der Gläubigen herzlich begrüßt. Auch bei Veranstaltungen und Vereinsfesten geht er auf die Menschen zu. Man merkt, dass sein Handeln von einem Leitmotiv aus dem 1. Petrusbrief begleitet wird: "Seid bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!" (1 Petr 3, 15). So teilt auch der neue gemeinsame umfangreiche Pfarrbrief nicht nur Gottesdienstordnungen und Informationen mit, er bietet Möglichkeiten zur Kommunikation.
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Aktualisiert am:
21. November 2010

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23. Das Schulkreuz
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