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Vorbildliche ehrenamtliche Denkmalpflege in Irsch / Saar

Speiner BildchenVon Ewald Meyer
Dass Denkmalschutz zu den wichtigen kulturellen Aufgaben der Gesellschaft gehört, ist heute unbestritten. Verstöße gegen ihn haben aus Unwissenheit oder Modernitätsstreben sogar in Friedenszeiten viele Kulturgüter unwiederbringlich zerstört. So ist auch in Irsch manch wertvolles Bauwerk an alten Bauernhäusern bei der Umwandlung des Bauern- und Winzerortes in eine Wohngemeinde den Modernisierungen geopfert worden. Selbst die öffentliche Hand war nicht zimperlich. So fielen noch 1965 und 1970 die Büster und die Dräwer Kapelle in der Irscher Ortslage Straßenbaumaßnahmen zum Opfer. Beide Kapellen gehörten seit langer Zeit zum alten Irscher Fronleichnamsweg. Noch 1981 wurde der Abriss der beschädigten Kapelle auf der Spein nur durch die Initiative der Mitglieder eines Irscher Stammtisches verhindert. Der Wettbewerb 'Unser Dorf soll schöner werden'schärfte vielen Menschen den Blick für Denkmalschutz. Die Teilnahme an diesem Wettbewerb im Jahre 1984 unter Ortsbügermeister Fisseni war für Irsch nicht nur erfolgreich, weil der Gemeinde der Staatsehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz zugesprochen worden ist. Brunnenanlagen wurden restauriert. Ein Reibstein wurde auf dem Dorfplatz als ein Kulturdenkmal über die Arbeit der Bauern und Winzer aufgestellt und ansprechend überdacht. An vielen Plätzen hat das Ortsbild gewonnen.

Als der Arbeiter Friedel Leinen 1992 mit seiner Familie von Britten ins Elternhaus seiner Frau nach Irsch umgezogen war, begann sein Ruhestand mit der stilgerechten Renovierung dieses kriegsbeschädigten 'lothringischen Einhauses'. Gleichzeitig war er Mitbesitzer von zwei Denkmälern geworden, die zum Familienbesitz gehören. Der passionierte Liebhaber der Volkskunde und des Brauchtums gewann in den Jahren 2000 und 2001 in kurzer Zeit über die Nachbarschaft des 'Hargartens' hinaus freiwillige Helfer für die Restauration der 'Antoniuskapelle'und des 'Blitzkreuzes'. Die in und bei seinem Hause gefeierten bäuerlichen Dorffeste zur Einweihung dieser Denkmäler schufen finanzielle Basis und Motivation für weitere Aktivitäten. Er gründete einen freiwilligen Arbeitskreis für Denkmalpflege. Ortsbürgermeister Karges erkannte bald, dass Herr Leinen mit dieser Bürgerinitiative ein wertvoller Gewinn für die Gemeinde darstellt und ließ ihn zum 'ehrenamtlichen Denkmalpfleger der Gemeinde' ernennen. Jahr für Jahr wurden und werden unter seiner Regie mit amtlicher Unterstützung von freiwilligen Helfern denkmalpflegerische Maßnahmen verwirklicht:

2002 / 2003 wurde das Speiner Bildchen restauriert. Dafür verlieh der Landkreis Trier-Saarburg im Februar 2005 eine Denkmalplakette.

2004 wurde ein schwerer Neunhäuser Kelterstein ins Dorf transportiert und als Denkmal für ein altes Handwerk aufgestellt. Zusätzlich wurde die Giebelwand hinter dem Stein mit einem passenden Gemälde ausgestattet.

Seit Herbst 2004 sind umfangreiche Erhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen an der 'Berendskapelle'an dem alten Weg zur Spein im Gange. Die Einweihung wurde in den Veranstaltungskalender 2005 der Gemeinde für den 12. Juni aufgenommen.

Friedel Leinen hat für die bisher restaurierten Denkmäler Menschen und Vereinigungen gefunden, die die jeweilige Patenschaft übernommen haben. Dadurch wird die Vorsorge für zukünftige Pflege und Erhalt angestrebt. Zusätzlich hat er dafür gesorgt, dass an den Denkmälern Informationstafeln angebracht wurden, die Auskunft über Sinn und Geschichte des Denkmals geben. Bisher sind sie bereits angebracht an der Antoniuskapelle, vor sehenswerten Naturdenkmälern in Leinens Bungert, vor dem Blitzkreuz, vor dem Kelterstein, beim Sakramentskreuz am Kirchhügel und beim Kreuz "hinter Baudisch". Für Brunnen, Reibstein, Wegekreuze und Anlagen sind weitere vorgesehen. Ortsbürgermeister Haag ist von diesen Maßnahmen so angetan, dass die Gemeinde beabsichtigt, auf Karten mit Rund- und Wanderwegen die Standorte zu markieren und so zu Erkundungen einzuladen.

TurmkapelleDas älteste noch erhaltene Gebäude in Irsch ist die Turmkapelle aus dem Jahre 1052, die heute der Pfarrkirche als Sakristei dient. Das Gewölbe der Sakristei mit dem Wappen des Erzbischofs Jakob von Sierck sind wunderschöne aber spärliche romanische Reste einer um 1450 errichteten Kirche, die 1806 durch die Hallenkirche im napoleonischen Stil überbaut worden ist.

Ein Eckturm bei "Huaf" dokumentiert bis heute den Standort des kurfürstlichen Hofes, welcher von 1464 bis 1797 der Sitz des Meiers der "Irscher Pflege" war. Das Hofhaus war von 1801 bis 1814 Sitz der Mairie Irsch und anschließend bis 1833 Verwaltungsstelle des königlich preußischen Bürgermeisteramtes Irsch.

Dieses Madonnenbild aus dem Jahre 1532 ist als "Dräwer Madonna" der kostbarste Schatz der Pfarrgemeinde Irsch. Der Pastor von Irsch war von der Entstehung der Wallfahrt bis zum Bau des Franziskanerklosters Verwalter der Kapelle in Beurig und damit auch Vorsteher für den Wallfahrtsort. Nach dem Bau der Wallfahrtskirche Sankt Marien überreichte ihm der Erzbischof von Metzenhausen als äußeres Zeichen für dieses Amt eine 36 cm hohe aus Eichenholz geschnitzte spätgotische Halbfigur der Muttergottes mit dem Jesuskind. Dieses Marienbild war lange in einer Kapelle `ob der Dräw´ untergebracht.

Pater Markus ließ 1970 als Ersatz für die abgerissene Büster Kapelle im Keltergarten die Christuskapelle errichten. Christus in der Kelter ist ein Werk des Trierer Künstlers Willy Hahn. Hier beginnt nun alljährlich die Fronleichnamsprozession.

AntoniuskapelleIrsch blieb auch nach der Gründung des Beuriger Klosters eng verbunden mit dem Wallfahrtsort. Vom 'Antunnius' aus, der an einer alten Eiche am Ausgang des Dorfes angebracht war, zogen die Marienprozessionen nach Beurig. 1860 wurde für die Statue die Antoniuskapelle errichtet, weil 1857 zum ersten Mal nach Auflösen des Klosters wieder die Beuriger Marientracht auflebte. Zum heiligen Antonius wurde in vielen Notlagen gebetet. Hier wurde auch 'Der Neunter' gehalten. An neun aufeinander folgenden Abenden pilgerten Leute zur Kapelle, beteten für einen Schwerkranken und pflegten so anteilnehmende christliche Nachbarschaft.

Das Speiner Bildchen
Bewohner des Kalfertshauses, des einzigen Hauses auf der Höhe der Spein, errichteten hier 1734 wegen Erretten aus Kriegsnot einen Bildstock zu Ehren der Muttergottes. Dieser Ort wurde bald auch eine Station für die Pilger auf ihrem Wallfahrtsweg nach Beurig. 1838 wurde zum Schutz des Bildstockes die kleine Kapelle errichtet.
Vor der Gründung der Siedlung Vierherrenborn (1937 bis 1954) gehörten große Teile der Hochfläche `Auf der Spein´zur Gemarkung Irsch. Wegen der beschwerlichen Wege verbrachten die Bauersleute oft den ganzen Tag in den weit vom Dorf entlegenen Feldern, Wiesen und Rodhecken. Im Jahre 1928 ließ die Gemeinde Irsch neben der Kapelle einen gemeinschaftlichen Unterstand für Mensch und Vieh erbauen.
Während des Frontüberganges 1944/45 wurden Stall und Kapelle schwer beschädigt. Die spät-gotische Leuchtermadonna wurde dabei zerstört.
1983 konnte die restaurierte Kapelle mit einer neuen Madonna und der zur Wanderhütte umgebaute Viehunterstand im Rahmen eines Pfarrfestes feierlich eingeweiht werden. 1988 musste nach Diebstahl wieder eine neue Pieta angeschafft werden.
Das neue Schieferdach auf dem 'Stall' bildete den Abschluss umfangreicher Arbeiten zur Pflege dieser Denkmalanlage vom Herbst 2002 bis zum Frühjahr 2003.

Die Berends Kapelle
Die Eheleute Johann Kees und Margaretha Lehnert ließen im Jahre 1876 hier aus Dankbarkeit ein Kreuz errichten, weil ihre vier wehrfähigen Söhne 1870/71 den Krieg heil überstanden hatten. Sohn Matthias und Tochter Maria erbauten für das Kreuz 1886 diese Kapelle. 1896 übernahmen der älteste Sohn Michel und seine Frau Margaretha Pütz für sich und ihre Rechtsnachfolger die Verpflichtung, die Anlage mit dem Kapellchen in gutem Zustande zu erhalten. Im Januar 2004 haben die Eheleute Peter und Maria Zimmer das Grundstück, Flur 26 Nr. 32, Immwiese, Historische Anlage, 0,23 ar, im Wege einer Schenkung in das Eigentum der Ortsgemeinde Irsch übertragen. Im Jahre 2004/05 wurde diese gesamte Kapellenanlage gründlich saniert und restauriert.

Der Reibstein
Seit dem 26.10.1980 bildet der Pavillon mit dem Reibstein den Mittelpunkt dieses Dorfplatzes.Der `Reiwstein´stammt aus dem Besitz der Familie Thiel-Pütz in der Büster Straße. Dort diente er früher zum Zerquetschen der Äpfel und Birnen, um anschließend aus ihnen den Most zu keltern. Ein Pferd oder eine Kuh wurde vor den Stein gespannt. Viez war lange das beliebteste Getränk in den Dörfern. Deshalb gab es immer eine große Anzahl an Obstbäumen in den Äckern und Streuwiesen. Die hartschaligen Kleesamen wurden ebenfalls mit dem Reibstein aufgebrochen.

Ein Neunhäuser Kelterstein
"Neunhäuser Steine" waren früher ein begehrtes Baumaterial für Hauwerke, Treppenstufen, Bodenplatten und Brunnen- und Futtertröge. Steinmetzen haben im Neunhäuser Wald tonnenschwere Steine an ihren Fundorten zu Reibe- oder Keltersteinen zugehauen und bearbeitet. Der hier aufgestellte Neunhäuser Kelterstein war schon einseitig behauen. Als man ihn mit Hebeln anhob und umdrehte, stellte man fest, dass er auf der Rückseite einen Riss hatte und zum Aufbohren für ein Spindelloch nicht geeignet war. Deshalb blieb er auf Neunhäuser liegen. Mit viel Mühe ist er in unser Dorf geholt worden und ist nun ein Kulturdenkmal für altes heimisches Handwerk und mühsames Bauern- und Winzerleben.
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Denkmalkarte Irsch

Pfarrhaus
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Literaturtips aus der Region

Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland
Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz,...
Kreis Trier-Saarburg, Band 12.1
Verbandsgemeinden Hermeskeil, Kell, Konz, Saarburg
Wernersche Verlagsgesellschaft
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Aktualisiert am:
15. Dezember 2010

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