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Ein Lob auf die Irscher "Foasend"


Ein Lob auf die Irscher "Foasend"

Maria Junk geb. Pütz "Berweln Maria" ca. 1990

Die Irscher Foasend hat schon eine lange Tradition. Es war im Jahr 1912. Wie jeder weiß, war das schon vor dem ersten Weltkrieg.

Es war Brauch, wenn zwischen Weihnachten und der Foasend kein Brautpaar geheiratet hat, dann durfte der sogenannte "Koump" geschleift werden. 1912 war es so. Es wurde ein großes Fest. Zur Erklärung: Der "Koump" war ein Faßschlitten, womit die Balgfässer in die Brennereien geschleppt wurden. Es kam ein halber Meter hoher Bretteraufsatz rundum. Darin saß ein Brautpaar, oder Männer die maskiert waren. Wehe einer vorwitzigen Maid, die wurde von "Foasbeken" auch noch reingesetzt. Vorwitzig wie sie doch alle waren, lagen sie überall in den Fenstern. Da Durfte keiner an sie ran. Wer es schwarz auf weiß haben will kanns sehen. (Beim Otto hängt ein Bild von damals).
Bei "Schweitisch" war zu der Zeit auch schon Tanzmusik. Es war zwar ein kleiner Saal, heute würde man sagen, ein größeres Wohnzimmer. Bei den meisten Familien war es noch so, daß "de Pap" mit seinen Töchtern bei "Schweitisch" mit ging. Er blieb zwar in der Wirtschaft, die lag unten im Haus, es trafen sich noch mehr dort und sie spielten Karten. War es Zeit nach Hause zu gehen, erschienen sie in der Saaltür, sahen sie etwas, was ihnen nicht in ihre Vorstellung passte, hieß es am anderen morgen: Ich habe gestern etwas gesehen das passt mir noch lange nicht. Dann wusste jeder ob Sohn oder Tochter woher der Wind wehte.

Zu der Zeit war die "Mistkaul" noch maßgebend, wie groß und wie dick sie war.
Zurück zum "Koump". Der wurde von 4 Pferden gezogen. Es waren ja genug da. Keine leichte Aufgabe für den Fahrer, es ging um scharfe Kurven.

Einmal haben wir das Spektakel gesehen. Es war nach dem 2. Weltkrieg. In welchem Jahr weiß ich nicht mehr. Vielleicht weiß einer von Euch noch das Jahr. Daher können wir uns das auch vorstellen. Leider ist dieser Brauch in Vergessenheit geraten oder ob es an den Pferden liegt? Mit einem Traktor ist es nicht so interessant.

Dann kam der 1. Weltkrieg. Von denen die auszogen kamen viele nicht mehr zurück, aber als Fastnacht wieder kam, gings trotzdem wieder los. Am fetten Donnerstag und anderen tags am Freitag, haben die Burschen sich maskiert und zogen dann in Gruppen von Haus zu Haus. Wo junge Mädchen waren, kehrten sie ein. Das war auch schon 1912 so. Die Alten habens erzählt: sie hatten ihre Musik dabei, Ziehharmonika, Mundharmonika oder Teufelsgeige. Es wurde zum Tanz aufgespielt. Der "Pap" ging Viez "zaapen", es wurde getanzt und getrunken. Es gab für die "Foasbek" auch schon mal "Mäuschen" zu essen. Wir habens noch erlebt. Bei "Huaf" und "Steuer" war montags Maskenball (für Masken war der Eintritt 50 Pfennig). Dann kam der Dienstag. In Irsch damals schon ein kleiner Feiertag:

Es wurde wieder ein Zug zusammengestellt. Mit Musik gings durch das Dorf. Es wurden auch schon Vorträge gehalten. Im "Hoargoat", "ob da Breck", bei der "aaler Schoul" und in "Beist". Es wurde auch schon über alles gelästert, was im Lauf des Jahres passiert war.

Aber am Aschermittwoch war alles vorbei.

Dann kam der 2. Weltkrieg.

Von denen die auszogen kamen wieder viele nicht zurück. Aber an Fastnacht gings wieder los. Das erste Jahr ohne Musik, weil keine Instrumente mehr da waren und ohne Masken. Die Besatzung hats verboten. Es war wieder wie früher. Die Laute haben sich im Rahmen des möglichen gefreut. Und am Aschermittwoch war wieder alles vorbei.

Wie es heute ist, wißt ihr ja alle.
Viel teurer, viel feiner und am Aschermittwoch ist auch wieder alles vorbei.
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Aktualisiert am:
13. November 2010

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