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Vorweihnachten früher in Irsch

Im Heimatbuch für den Kreis Saarburg 1960 ist veröffentlicht:

Vorweihnachten früher in Irsch
von Anna Dohm, Irsch

Hildegard Schneider liest "Vorweihnachten früher in Irsch" von Anna Dohm (13 MB)

Wat woar dat fre=iher nach ein Zeit!

De Leit woaren vil geploot un gehe=it,

doch se woaren me=i zefridden we´i haut.

Ob den Herrgott hun se en Kirch gebaut.

Ze zwölft woaren ma um Desch met meiner Mam un meim Papp.

Mir woaren zefridden bei Quellkrompern un Bottazapp.

Un dan nach e Kru Viez dabe=i,

Wat wel dan de Mensch nach me=i.

Wenn mir Hirenken hatten, dat woar e Fest,

Sou en Hirenk eas dach vum Guden et Best.

Ous äm hät me´i Mamm vier Deil gemat,

Meat drei Hirenken woa us ganz Familich saat.

Haut hun de Leit jo von allem genug.

Fre=iher wir ma dreimol em et Derf gelauf für ei Steck Kuch,

De=i Jugend hät haut alles, wat se nur begehrt.

Fir uos son se: "O dir seid jo van da aler Erd!"

Mir hun emmer missen folgen, sos het mei Pap geschennt,

Un ganz besonders em Advent!

Usen Matz un us Sus woaren us alsten gewest,

Un dan usen Pitt, us Kätt, us Gre=it, usen Klees,

Us Liß, usen Jeb, us Bäb un us Traud,

E´ich senn nach heannen no komm. Vun mir woaren se net me´i so ganz erbaut.

Doch dat eint, dat moß ech soan:

Se hun mir spe=ida allen Wellen gedohn,

U´sem Traud se=in Kleider hun ich ugedohn, un sein Schuh,

Fre=iher woar dat eben sou!

Usem Liß sein Pop die hun ech gre=iht,

Ich hun meata gespillt, ich hun se gewe=iht,

Ich hun sogar de Pop gede=ift,

Hun se einfach durch de Burkomp geschle=ift!

Mariannchi hatten mir se genannt,

Huaf Traud woar de Guat, un Bur Suß woar de Matzentant.

Aus Sand u Wasser hun mir feine Kuch gebak,

Dou hatten mir mol goud Kenddauf gemaat.

Vun usem Pitt hat ich souen aalen Teddybär,

Den hat hen mol fre=iher vum Neklässi her.

De Bär, dat woar e komischen Kouz,

O wat hat den en franzelich Schnouz,

En hat ken Aaeen mi em Kop,

Dabei woar dat link Ur nach ob.

De Bouch, de woar bei em geplatzt,

De Fe=iß de=i woaren ganz zerfatzt.

De Bär woa wirklich ne mi sche=in,

Ma hätt em en de Därm gese=ihn.

Doch me=i ganz Heaz hät un him gehang.

En eas sougar met mir schloafen gang.

Den Advent woar emmer de sche=inst Zeit em Johr.

Dann eas den Neklässi kom met a groußer Koar.

Virdrun eas den Iasel getrappt.

Ich hat en Bitt voll Rommeln fir hen gerappt.

En da Stuff hun ich geseaß, se beeden un se sengen,

Dat den Neklässi mir soll vil Sachen brengen.

Ob eimol hätt et geschellt en usem Hausgang.

O wie woar et mir dou sou bang.

De Rupknecht hät meat de Kääten gerabbelt,

Am liewsten wir ich enna den Desch gekrabbelt,

Me=i Papp hät zou mir gesoot:

Do brauch´s net se graulen, mein le=iw Mood1

Gleich eas de Dier obgeflug,

De Neß hun gerabbelt en der Stuff,

Gebackne Gwetschen, en Hoas un en Juffa hat en mir beschert,

Och Äpel un e poar Plätzchen, ich hatt alles, wat mein Herz begehrt!

Gebet hun ich: "Hl. Nikolaus, ich danke dir

Fir dat vil un gut Geschier!"

En en Kurvel hat ich dann alles verstaut,

Doumols woar alles anischta wie haut.

Die lang Adventowenden woaren so sche=in un so nett,

Ich hun "Mensch ärgere dich nicht" gespielt met usem Jeb un usem Kätt.

Usen Pitt het Kurveln gemaat, me=i Papp het Besemen geboon,

Mein Mam beim Oufen geseas un het gespon.

Us Sus het gestreckt, us Bäb hät gene=iht,

Doch konnt känen besser Märcha erzällen wie us Gre=it!

Et hät erzählt vun da Frau Holl u vum Aschrnbrödel,

Vum Dornröschen, vum Schneewittchen, vum Hänsel u Gredel.

Vun der alten Hex u vum Knusperhe=ischi!

O dann woar ich stell wie e Meischi!

Un wie woa et den nächsten Morgen,

Wat hat ich do fir Komma un Sorgen,

Ich hun geruf: "Oo Gott, o Gott!

Mein Marianchi eas weil fort!

O Mammo, Papo, mein Teddybär eas och net me=i doo!"

Mein Kop hun ich geloat ob usen Desch,

Ich hun mich mol gut saat gekresch!

Mei Mamm hät gesoot: "O sei dach stell,

Die Sach eas nemmen half sou well,

Dat Christkindchi hät alles met en den Himmel rop,

Di=e Engelcha maachen en nau Kleid fir dein Pop!

O die Engel, di=e se Schlau,

De wirs se=in, de Bär get nachmol we=i nau!"

Et eas alles sou komm, we=i me=i Mamm hät gedoat:

Et Christkindchi hät nachmol alles broat.

Ich woar sou glecklich u sou fruh,

Mei Mariannchi hat en nau Kleid un nau Schouh.

De Bär, de woar sou sche=in obgebotzt,

Met seinen nauen Aaen hät e mich sou treuherzig ungeklotzt.

Em den Hals hat hen e rouden Schloop,

Dat lenk Uur woar ugene=iht un seim Koop.

De Fe=iß un de Bouch woaren zugefleckt,

Un sein Schnouz woar met schwarzer Woll gesteckt.

Ich woar sou frouh, ich hun e gekeßt

Meaten op se=in Bärenschneß.

Et woar kein Mensch em ganzen Re=ich,

De mi glecklich woar wi=e eich.

O, ich denken immer so ger un die früar Zeiten zreck:

Zefriedenheit dat eas et allergroßt Gleck!

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Anna Dohm

Das Ehepaar DohmAnna Dohm (*20.01.1898 +12.12.1961) wurde als vermutlich 2. von 9 Kindern der Eheleute Wallrich in Irsch geboren.
Das Ehepaar Dohm lebte zunächst in Konz, der Heimat von Waldemar Dohm und kaufte später das ehemalige Sattlereigeschäft Dawen in Irsch (heute Bäckerei), welches sie in ein Lebensmittel- und Haushaltswarengeschäft umwandelten.
Waldemar Dohm war gelernter Polsterer und aktiv im Gesangverein.
Er war von 1930 bis in die Kriegsjahre 1. Vorsitzender des MGV. Er ist 1964 mit 69 Jahren als Ehrenpräsident des MGV und des Sportvereins gestorben
Die Eltern von Anna Dohm hießen:
Michel Wallrich und Anna Wallrich, geb. Dawen.

Ihr Geburtshaus ist die heutige Büsterstraße 19 in Irsch.
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Aktualisiert am:
4. Dezember 2010

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