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Oranna Naudascher-Wagner

Katholische Priesterin feiert Messe in Trier
(Trierischer Volksfreund: 12.08.2013)

Irgendwas ist anders. Ein ganz entscheidender Punkt sogar, genau genommen hat es so etwas in Trier wohl noch nie gegeben: Wenn am Sonntag um 11 Uhr in der Willibrordkapelle im Stift St. Irminen der Vereinigten Hospitien in Trier der Gottesdienst beginnt, dann steht dort eine katholische Priesterin hinter dem Altar.
Ihr Name: Oranna Naudascher-Wagner. Die 55-Jährige hat in M¨nster und Bonn römisch-katholische Theologie studiert und im Anschluss als Ökumene-Referentin im Rheinland gearbeitet.

2004 wechselte Naudascher-Wagner in die alt-katholische Kirche. Der Grund: "Ich habe gespürt, dass ich den Spagat zwischen der offiziellen Lehrmeinung und meinen eigenen Überzeugungen nicht mehr leisten konnte", erklärt sie. Daher kann sie nun neben ihrem Beruf als Fachkraft in der Altenpflege ehrenamtlich als alt-katholische Priesterin arbeiten. "In der alt-katholischen Kirche werden seit den 1990er Jahren auch Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen gewählt", erklärt die gebürtige Irscherin (Saar). Die alt-katholische Kirche (siehe Extra) entstand in der Zeit nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) aus dem Protest von Katholiken gegen die neuen Lehren von der Unfehlbarkeit und obersten Richtergewalt des Papstes. "Wir sind daher unabhüngig vom Papst", berichtet Naudascher-Wagner. "Aus diesem Grund waren bei uns beispielsweise Reformen wie die Abschaffung des Zölibats möglich."

Trotzdem sei das Erstaunen meist gross, wenn sie davon berichte, dass sie der alt-katholischen Kirche angehöre. "Oft kommt dann die Frage auf, ob Alt-Katholiken etwas mit den Piusbrüdern zu tun haben", erzählt Naudascher-Wagner. Sie betone dann stets, dass der Name alt-katholisch nichts mit traditionalistischen Werten zu tun habe, sondern im Gegenteil: "Die alt-katholische Kirche ist synodal verfasst", erläutert die 55-Jährige. "Das heißt, dass die Kirchenmitglieder ihre Pfarrer direkt wählen und über in Synoden (Versammlungen) entsandte Vertreter auch die Bischöfe bestimmen können." Es gehe also basisdemokratisch zu.

Die verheiratete Mutter von drei Töchtern lebt und arbeitet in Hamburg. Nach sechs Jahren als Diakonin an der Elbe wurde sie am 29. Juni durch Bischof Matthias Ring in Mannheim zur alt-katholischen Priesterin geweiht. Mit einem weiteren Priester betreut sie eine 83 Mitglieder umfassende Gemeinde in Hamburg. Der Gottesdienst am Sonntag in Trier ist ihre Heimatprimiz, die erste von ihr geleitete Eucharistiefeier in ihrer Heimat. "Ich besuche gerade meine Eltern in Irsch für ein paar Tage. In diesem Rahmen halte ich die Primiz in Trier", erklärt Naudascher-Wagner. Die alt-katholische Gemeinde in Trier umfasst rund 40 Mitglieder.
Das Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche beschreibt die Wahl-Hamburgerin als angespannt. So schätze sie Papst Franziskus sehr, doch glaube sie nicht daran, dass sich beispielsweise in Sachen Frauenordination unter ihm etwas verändern werde.

 

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Aktualisiert am:
12. August 2013

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