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Willi Hein
Willi Hein bei der Arbeit(TV; 08.12.2001)

Trotz fehlenden Augenlichts hat Willi Hein eine rundherum positive Lebenseinstellung

Tagein, tagaus wacht Willi Hein über drei Telefonapparate bei der Verbandsgemeinde, erstellt Datenbanken und versprüht gute Laune. Seit 25 Jahren ist er blind, dennoch ist die Lust an Arbeit und Leben spürbar groß.

"Ich wollte mir beweisen, dass ich es kann", sagt Willi Hein und vermittelt dabei den Eindruck, dass er es geschafft hat. Seit 1976 ist der Verwaltungsangestellte blind. Ein Tumor am einen und ein "Grüner Star" am anderen Auge nahmen ihm das Augenlicht. Aber davon hat er sich nicht unterkriegen lassen. Er und seine damalige Verlobte Hildegard heirateten noch im gleichen Jahr, drei Jahre später kam die Tochter zur Welt. "Zu Anfang war die Umstellung natürlich groß, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt", blickt er zurück.

"Ich wollte nicht hinnehmen, dass ich als Blinder von den Vorteilen der Technologie ausgeschlossen bleibe", erzählt er. Vor fünf Jahren hat er seinen Arbeitgeber, die Verbandsgemeinde Saarburg, gebeten, über das Verwalten der Telefonzentrale hinaus Tätigkeiten übernehmen zu können. Mit Erfolg.

Mittlerweile betreut er das Bürgertelefon (06581/81-111). "Es ist rund um die Uhr besetzt. Ich leite alle Bürger-Anliegen im Haus weiter", sagt Hein. Wer einen Ansprechpartner sucht, ist bei dem 47-Jährigen an der richtigen Adresse. Seit 33 Jahren arbeitet er bei der Verwaltung, kennt alles und jeden.

Auch Gespräche fürs Bürgerbüro landen auf seinem Apparat, wenn dort alle Leitungen besetzt sind.

Dazu kommt noch der Computerbereich. Willi Hein hat ein spezielles Programm für Blinde entwickelt, das mit einer Sprachhilfe und einer Eingabezeile in Blindenschrift (nach Louis Braille) funktioniert. Die Mouse kann er nicht benutzen, aber das stört ihn nicht. "Ich habe alle Kurzbefehle im Kopf." Hein erstellt mit den gängigen Windows-Programmen Datenbanken, scannt Texte und Fotos ein – "alles im Blindflug", sagt er und lächelt dabei. "Scannen ist kein Problem. So lese ich auch die Zeitung", berichtet er. Allerdings nur, wenn ihn etwas brennend interessiert. "Sonst liest meine Frau mir die Artikel vor."

Kraft für den Alltag schöpft Willi Hein aus dem Christentum. "Glauben ist Leben", sagt er fest überzeugt. "Ich beginne jeden Tag neu, und freue mich darüber." Aber auch seine Hobbys bieten ihm Raum fürs Energietanken. "Früher wollte ich Radio-Moderator für eine Frühstückssendung werden." Aber sein Leben verlief anders. Dennoch: Der aktive Musiker lebte andere Wünsche aus.

In der Karnevalsgesellschaft "Hauruck" in seinem Wohnort Irsch gründete er 1984 die "Straßenmusikanten" und spielte dort neun Jahre lang mit. "Wir haben selber komponiert und getextet", erzählt er. Jahrelang tingelte er auch als Alleinunterhalter zu Hochzeiten, Vereins-Festen und Geburtstagen. "Das war trotz der Blindheit nie ein Problem", erinnert er sich. Seine Frau habe ihn stets unterstützt, Freunde hätten die Musik-Anlage auf- und abgebaut. Doch seit einigen Jahren hat Hildegard Hein starke Bandscheibenprobleme, was das Leben der Familie noch mal umkrempelte. "Auftritte als Alleinunterhalter sind nicht mehr drin."

Er entwickelte sich zum Anhänger von Hörbüchern, die Blinde aus einer Bibliothek in Münster ausleihen können. Und dabei ist ihm aufgefallen: "Frauen lesen die Geschichten viel lebendiger als Männer."

Da ihm das Augenlicht fehlt, reagiert er nicht nur viel stärker auf das, was er hört, sondern auch auf Gefühle anderer Menschen.

"Ein freundliches Wort hilft manchmal schon viel, das merke ich auch am Arbeitsplatz immer wieder." Viele Menschen achteten nur auf vordergründige Optik, meint der Mann, den das Meer fasziniert, auch wenn er es nicht sieht. "Das Rauschen der Wellen, das Gefühl von Weite – das ist wunderbar", schwärmt der begeisterte Borkum-Urlauber.

"Die persönliche Ausstrahlung, die Stimmungen der Menschen um mich herum zählen am meisten", sagt Hein.

Dazu passt sein Motto, frei nach Antoine de Saint-Exupéry: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt dem Auge verborgen".
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Aktualisiert am:
13. August 2010

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