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Ernst Thrasolt im Buchhandel

Die hier aufgeführten Gedichte gibt es vollständig und übersetzt im regionalen Buchhandel:

Ernst Thrasolt : Sagen und Legenden
Ewald Meyer
Drucker & Verlag: W. Rassier, Saarburg - 2000
ISBN: 3-922127-11-8

Ernst Thrasolt : Hennerm Plou
Ewald Meyer
Drucker & Verlag: W. Rassier, Saarburg - 2000
ISBN: 3-922127-09-6

Ernst Thrasolt : Dahäm
Ewald Meyer
Drucker & Verlag: W. Rassier, Saarburg - 2000
ISBN: 3-922127-10-X

Die Bücher können bezogen werden bei:
Bücher Volk
Graf-Siegfried-Straße 14
54439 Saarburg
www.buecher-volk.de
Tel.: 06581-4757
eMail: buecher-volk(aet)t-online.de
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Ernst Thrasolt im Spiegel seiner Gedichte
Ewald MeyerVorwort

In Saarburg–Beurig taucht der Name Ernst Thrasolt zunächst auf einem Straßenschild auf. Das Elternhaus – ein lothringisches Langhaus mit anliegendem Garten mit Stagettenzaun in der Kammerforststraße – hat Neubauten Platz gemacht.
Von den vielen Werken des Dichters ist keines mehr aufgelegt.
Daten zu Thrasolt:
12.05.1878 ERNST THRASOLT wurde als Matthias Tressel in Beurig geboren. Der Vater war Bauer, Winzer und Leinweber. Die Mutter war eine geborene Baumann und stammte aus einer Schuhmacherfamilie in der Bahnhofstraße in Beurig.
1899 Abitur am FWG in Trier
19.03.1904 Priesterweihe im Dom zu Trier
20.03.1904 Primiz in Beurig (Passionssonntag)
Kaplan in Halsenbach, Illingen, Heimersheim, Boppard, Alf
1908 Pfarrer in Haag bei Morbach (Hunsrück)
In dem sehr schönen, geräumigen Pfarrhaus arbeitete er intensiv als Herausgeber, Schriftsteller und Dichter und traf sich hier mit Gleichgesinnten. Er gehört zu den Großen der katholischen Jugendbewegung.
1909 dichtet er nach dem Tode seines Vaters unter dem Namen Ernst Thrasolt.
1915 stürzt er in eine tiefe Krise. Der Bischof von Trier entzieht ihm die Pfarrstelle wegen Verstoßes gegen den Zölibat.
1916 meldet er sich als Kriegsfreiwilliger zum Sanitätsdienst an die Ostfront.
1918 Karl Sonnenschein holt ihn nach Berlin. Er wirkt als Hausgeistlicher in einem Waisenhaus.In Berlin-Schildow läßt er sich ein Blockhaus errichten, gibt Zeitschriften heraus und ist als Schriftsteller und Dichter tätig.
1945 stirbt Thrasolt im Hedwigskrankenhaus und wird auf dem Liesenfriedhof
beerdigt unter Mitwirken des Bischofs von Berlin und des Generalvikars.
1953 ehrt Ernst Reuter,der Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Thrasolt zum 75. Geburtstag. Er enthüllt ein Denkmal auf Thrasolts Grab und benennt eine Straße nach ihm.
1959 "Es geht die Zeit zur Ewigkeit, eine Begegnung mit Ernst Thrasolt"
veröffentlicht (Verlag Alois Henn)
1962 "Wem du, Herr, nur einmal bist begegnet" – Gedenkbuch für Ernst Thrasolt,
(Benno-Verlag, Leipzig)
1973 "ERNST THRASOLT- Lieder der Hoffnung" (Morus-Verlag, Berlin)
1978 "Ernst Thrasolt zum 100. Geburtstag am 12.Mai1978" von Philipp Wey in Jahrbuch des Kreises Trier Saarburg 1978
1978 "Ernst Thrasolt 1878-1945 Erinnerungsgabe zum 100. Geburtstag" Volkshochschule Saarburg
Geburtshaus von Ernst Thrasolt in Beurig
Die schriftstellerische Arbeit und das dichterische Schaffen Ernst Thrasolts wurde von den Einflüssen seiner Zeit stark beeinträchtigt:
Die Gestapo beobachtete in Berlin mit Argwohn den Pazifisten Thrasolt. Sie erteilte ihm Schreibverbot und durchsuchte sein Blockhaus. Trotzdem veröffentlichte Thrasolt immer wieder Artikel in den Berliner Kirchenblättern pseudonym.
Viele Schriften und Manuskripte fielen im Dezember 1944 mit seinem Blockhaus den Brandbomben zum Opfer.
In seiner Heimat war er als emeritierter Priester des Bistums Trier gebrandmarkt. Er selbst blieb seiner Heimat, seinem Elternhaus und seiner Heimatsprache fest verwurzelt.
Die beiden Gedichtbändchen "Behaal meech liew" (Verlag der Scholle, Berlin 1922) und "Fänk beim Bo´r unn!" (Thrasolt-Werke-Auslieferung, Berlin 1935) sind lebendiges Zeugnis. "Behaal meech liew" hat er seiner "Mootter en ihrem finfunsiwwenzigsten Läwensjoar un Doudesjoar" gewidmet.
Beide Werke sind in saar-mosel-fränkischer Mundart geschrieben. "Beuriger Platt" war die Sprache in dem kleinen Bauerndorf. Arbeit und Leben der damaligen Zeit werden hier wieder lebendig. So sind Thrasolts Gedichte kulturgeschichtliche Kleinode unserer Heimat. Ich habe einigen Gedichten eine übertragung ins Hochdeutsche beigefügt, damit auch der Unkundige sich einlesen kann. Außerdem kann man dabei Sprachveränderungen während eines Jahrhunderts leichter feststellen.

Im August 1999
Ewald Meyer

Ernst ThrasoltInhaltsverzeichnis

Das Motiv zum Verfassen seiner saar-mosel-fränkischen Gedichte erklärt Thrasolt im Vorspruch zu "Behaal meech le’iw!"

Vir-sproch

En dem klänen Be'ichelchen stät
vun Bauernläwen, Fräd un Läd.
Weet och senn eech erim getriww,
emm Härzen senn eech trei dach bliww,
wat hei stät un es geschriww
vunn dem Bauer un dem Dorf.
Mensch, wenn enner gät deen Scheff,
wenn dein Hand noa der Hämat greff
fendt deen Fouß un fendt dein Hand
Bodden näß un festen Stand.
Bleiwt der aalen Hämat trei,
ihrem Grond un ihrem Mond,
ihrer Aerbet un Gebät,
wie die Welt och wankt un treiwt,
dir stoat fast un dir bleiwt
ste'its un Leew un Se'il gesond
opp dem aalen Herrgottsgrond.

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Fre’ihjoar

Et Land es opp! Noan hollen mir de Plou oos em Schoap.
Noon gäat et näaß annerschter zou:
Wän le’ißt noch hänken de Koap?
Se’ih we'i es dn Himmel sou kloar!
Un en Stoonn weet hierst de rooschen de Soar.
Un de Schollen senn sou broon,
un schunn gett et gre'in hennerm Zoon
un baal oochch enn der Wiss.

Reck deech un streck deech: spiirst de de Kraaft?
Hierst de emm Boddem un enn de Bämen de Saaft?
Weil gäat de Aerbet un et Läwen unn:
Ma mennt, dn Himmel ging unn, sou geffst doo deech drunn.
Joa, se’ih de Soonn un de Bouchfenken un
de Sproaen un de Liaverrinkelcher un
de Pannenstiazcher un de Märlen un
de Droascheln un all de’i annern doazou:
Kenner, hollt de Plou!

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Frühjahr

Das Land ist auf! - Nun holen wir den Pflug aus dem Schuppen.
Nun geht es wieder anders und anders zu:
Wer läßt noch hängen den Kopf? Sieh wie ist der Himmel so klar!
Und eine Stunde weit hörst du rauschen die Saar.
Und die Schollen sind so braun,
und schon wird es grün hinterm Zaun
und bald auch in der Wiese.

Reck dich und streck dich: Spürst du die Kraft?
Hörst du im Boden und in den Bäumen den Saft?
Jetzt fängt die Arbeit und das Leben an:
Man meint, der Himmel fänge an, so gibst du dich dran.
Ja, sieh die Sonne und die Buchfinken und
die Stare und die Lerchen und
die Bachstelzen und die Amseln
und die Drosseln und all die andern dazu:
Kinder, holt den Pflug!

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Hennerm Plou
Holzschnitt Peter Gitzinger
Un henn gäat
hernnerm Plou, emmer hennerm Plou,
Fuur hin, Fuur her, zou un zou.
Stoonn kemmt, Stoonn gäat –
we'i de'iw d Soonn schunn stäat ! -

Henn gäat hennerm Plou.
Henn mouß, et mouß seen Fouß
hennerm Plou durch dat Feld.

Sou mouß
d Wend emm d Welt.
Sou mouß all Waaßer ennt Miir.
Sou mouß
emm de Soonn d Erd un all Gestiir.
Wou d Bo’r d Plou enn Hännen hält,
doa hält sich d Welt un all Gesetz der Welt,
Doa spiirst de allen Saaft un all Kraaft der Nadur,
Waaßer un Erd, Uaß u Perd, Baam u Kuur !
Wou n Bo'r d Plou enn Hännen hält,
fänkt - emmer - näaß - unn - d - Welt.

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Video
Ewald Meyer liest Ernst Thrasolt
Hennem Plou / Hinterm Pflug
Videos von -> Moselfränkisch-Seite Roscheider Hof

Hinterm Pflug

Und er geht
hinter dem Pflug, immer hinter dem Pflug,
Furche hin, Furche her, zu und zu.
Stunde kommt, Stunde geht –
wie tief die Sonne schon steht! -

Er geht hinter dem Pflug.
Er muß, es muß sein Fuß
hinter dem Pflug durch das Feld.

So muß
der Wind um die Welt.
So muß
all Wasser ins Meer.
So muß
um die Sonne die Erde und alles Gestirn.
Wo der Bauer den Pflug in Händen hält,
da hält sich die Welt und alle Gesetze der Welt,
Da spürst du allen Saftund alle Kraft der Natur,
Wasser und Erde, Ochs und Pferd, Baum und Korn !
Wo ein Bauer den Pflug in Händen hält,
fängt - immer - wieder - an - die - Welt.

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Emm WengertHolzschnitt Peter Gitzinger

Komm mett enn de Wengert - haut es dn
Himmel kloar,
haut seehst de weet.
Seehst, sou well un weeß scheimt de Soar,
Bes enn dn iawischten Wengert hiirst de se
rooschen sougoar.
Seehst de ganz Welt, de'i ennen leet.
Seehst, we’i Steck u Steck unnenanner leet.
U seehst de'i Wisen senn schunn sou gre’in,
Un de Botterbloumen ble’ihn,
Un de Bäm ble'ihn u ble'ihn.
Un et Kuur stäat sche'in,
Un de Rapp es schunn gell,
un dn e'ischten Kle'i
kennen se baal schneiden –
et däat Noud firt Ve’ih.
Un enn der Baach - et es emmer en fein Saach –
seehst de se bläachen dat goud Bauernleinen –
Fast kennt et scheinen,
als kiimen se näaß oopp de Senn fir Floaß u Spennen
u selwer wiawen - ma kennt et mennen.
Mir bennen de Räwen hei uawen,
un loa ennen ze'ihn se hir Fuuren:
Zweschen Fuuren u Räwen
leet us Bauernläwen.
U Joahr u Joahr gäat hin un zou.
Et gäat hin all Läwen un all Wäsen,
Fre’ihjoahr un Herrst, Summer u Wennter
zweschen Wengert u Plou.
Mett Mescht-troan, Groawen, Stecken, Schneiden, Bennen, Spretzen,
Schwiaweln, Ooppbennen un Trauwenläsen,
mett Ple'ien, Se'ien, Me'ihen, Se’ins u Plou.
Sou me'ißen mir all uus geheien u ploan.
Aewwer doo kannst se froan,
kannst Goolld u Selwer be'iden,
kannst bäddeln u bidden:
Soulang de Sonn se se’ihen un de Soar hiiren rooschen,
ditten, ditt denn Menschenschlag nett mett käam Kinnig u Käaser tooschen.
Un joa, re’ischt wenn de emm Wengert bes,
wäast de , wat Himmel u Häamat es,
wat Soonn u Soar u Bauernläwen es.

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Im Weinberg

Komm mit in den Weinberg - heute ist der
Himmel klar,
heut siehst du weit.
Siehst, so wild und weiß schäumt die Saar,
Bis in den obersten Weinberg hörst du sie
rauschen sogar.
Siehst die ganze Welt, die unten liegt.
Siehst, wie Feld und Feld aneinander liegt.
Und siehst die Wiesen sind schon so grün,
Und die Butterblumen blühn,
Und die Bäume blühn und blühn.
Und das Korn steht schön,
Und der Raps ist schon gelb,
Und den ersten Klee
können sie bald schneiden –
es tut Not fürs Vieh.
Und an dem Bach - es ist immer eine fein' Sach'-
siehst du sie bleichen das gute Bauernleinen –
Fast könnte es scheinen,
als kämen sie wieder auf den Sinn für Flachs und Spinnen
und selber weben - man könnte es meinen.
Wir binden die Reben hier oben,
und da unten ziehn sie ihre Furchen:
Zwischen Weinberg und Pflug,
zwischen Furchen und Reben
liegt unser Bauernleben.
Und Jahr und Jahr geht hin und zu.
Es geht hin all Leben und all Wesen,
Frühjahr und Herbst, Sommer und Winter
zwischen Weinberg und Pflug.
Mit Misttragen, Graben, Setzen, Schneiden, Binden, Spritzen,
Schwefeln, Aufbinden und Traubenlesen,
mit Pflügen, Säen, Mähen, Sense und Pflug.
So müssen wir alle uns mühen und plagen.
Aber du kannst sie fragen,
kannst Gold und Silber bieten, kannst betteln und bitten:
Solange die Sonne sie sehen und die Saar hören rauschen,
würden, würde der Menschenschlag nicht mit keinem König und Kaiser tauschen.
Und ja, erst wenn du im Weinberg bist,
weißt du, was Himmel und Heimat ist,
was Sonne und Saar und Bauernleben ist.

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Muur ge'imer me’ihen
Holzschnitt Peter Gitzinger
" ‘t es Zeet ! Et Gras stät enn de Ble'ihen !
Muur ge'imer me'ihen" - - -
Unn des oawends hiaft unn en Se'ienssendengeln,
vir jiddem Hoos, henner jiddem Hoos;
dat sengt unn klengt als wie vunn Engeln
oos em Himmel eroos.

Unn de Sonn gät enner lou-feeer-roud:
"muur gett ett Wedder goud."
Unn se dengeln weider, sou lang se se’ihen,
dengeln em Moandliet noch, doa alles schunn rout;
ett gett ke'ihl, se setzen oopp den Hout.:
"de Se'ienssen miessen schneiden, sollen mir me'ihen – "

bes endlich zefridden es de Hand
mett der Schneid, unn de Se'inss blinkt unn der Wand,
unn se schloafen goan.
Unn ett es esou weet unn sou stell,
wie wenn änen enn der Fre'ih oopp de Räß goan well,
unn de Fräschen nur roufen unn roufen iwwert Land.

Unn umm Morjen senn se sou fre'ih schunn oopp
unn met den Se'ienssen drun unn droopp,
unn die Fraaen unn Kenner
met de Rächen dahenner.

Unn die Loft re'icht nur noa dem freschen Gras,
de Sonn brennt, de Wend gät: ett es en Spaaß.
,,Ett wiird dach kän Aennerung mett em Wedder genn.
Dann kre'ien ma enn er Woch et Hä all erenn".
Unn des oawends stäht kän Grashalm me'ih oopp den Stengeln
unn och kän Bloum me'ih, unn de Loft
es voll Oawendrout, Hägeroch unnbloaem Doft
unn de Fräschen sengen
unn se setzen bes ent Moandliet unn dengeln unn dengeln

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Video
Muur ge'imer Me'ien / Morgen gehen wir mähen
Videos von -> Moselfränkisch-Seite Roscheider Hof

Morgen gehen wir mähen

"Es ist Zeit! Das Gras steht in den Blüten!
Morgen gehen wir mähen"- - -
Und des Abends hebt an ein Sensendengeln,
vor jedem Haus, hinter jedem Haus;
das singt und klingt als wie von Engeln
aus dem Himmel heraus.

Und die Sonne geht unter loh-feuer-rot:
"Morgen wird das Wetter gut."
und sie dengeln weiter, so lang sie sehen,
dengeln im Mondlicht noch, da alles schon ruht;
es wird kühl, sie setzen auf den Hut.:
"die Sensen müssen schneiden, sollen wir mähen – "

bis endlich zufrieden ist die Hand
mit der Schneide, und die Sense blinkt an der Wand,
und sie schlafen gehen.
Und es ist so weit und so still,
als ob jemand in der Frühe auf die Reise gehen will,
und die Frösche nur rufen und rufen übers Land.

Und am Morgen sind sie so früh schon auf
und mit den Sensen dran und drauf,
und die Frauen und Kinder
mit den Rechen dahinter.

Und die Luft riecht nur nach frischem Gras,
die Sonne brennt, der Wind geht: es ist ein Spaß.
"Es wird doch keine Änderung mit dem Wetter geben!
Dann kriegen wir in einer Woche das Heu all herein."

Und des Abends steht kein Grashalm mehr auf den Stengeln
und auch keine Blume mehr, und die Luft
ist voll Abendrot, Heugeruch und blauem Duft
und die Frösche singen
und sie sitzen bis ins Mondlicht und dengeln und dengeln

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De Fräschen roufen

U wenn alles, alles lang schunn schle'ift,
Mensch u Vurel schle'ift,
Roufen de Fräschen, roufen de ganz Noaat.
Un doo gest oaat,
We'i hei äanen re'ift, doa äanen re'ift,
un noon roufen se all zesummen
oane ze rouhn.
Un se roufen un roufen,
emmer oopp dm selwen Toun, emmer oopp dm selwen Toun.

Watt se wooll roufen? Wemm se wooll roufen?
Hell scheint de Moand, et gäat käan Wennd,
un se roufen un roufen un fennen käan End.

Watt roufen se nur ? Wemm roufen se nur ?
Et packt deech, als wenn se vun ur -,
urher all Welt un all Läad trijjen enn
ihrer Se'il un enn ihrem Le'id -
un - als hätten se seech drenn ergenn. –
Un Läad un Le'id län seech dir oopp et Geme'id.

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Die Frösche rufen

Und wenn alles , alles lang schon schläft,
Mensch und Vogel schläft,
rufen die Frösche, rufen die ganze Nacht.
Und du gibst acht,
wie hier einer ruft, da einer ruft,
und nun rufen sie alle zusammen
ohne zu ruhen.
Und sie rufen und rufen,
immer auf dem selben Ton, immer auf dem
selben Ton.
Was sie wohl rufen? Wem sie wohl rufen?
Hell scheint der Mond, es geht kein Wind,
und sie rufen und rufen und finden kein End.

Was rufen sie nur ? Wem rufen sie nur?
Es packt dich, als wenn sie von ur -,
urher alle Welt und alles Leid trägen in
ihrer Seele und in ihrem Lied –
und - als hätten sie sich darin ergeben.–
Und Leid und Lied legen sich dir auf das Gemüt.

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SummerHolzschnitt Peter Gitzinger

Sackertjiss noch emoal woar daat häaß disen Daach !
Iwwert Gesieht un de ganze Leew liff de Schwäaß
de ganzen Daach eroap we’i en Baach.-
Dach zefridden weschst de dir de Stiir:
Et Häa es diir.

Sou en Läwen es so'r
un mecht zahm u me'id!
Haud oawend spiirt jidden Bo'r
umm Leew jidd GIe'id.

Aewwer sou häaß un hart et ooch woar,
weil es dn Himmel sou he'ih un sou kloar,
un de Wend kemmt sou ke'ihl.
Un et es n härlich, härlich Gefe’ihl,
Hänn u Gesieht un Hals un Fe'iß un emmer
noch emoal de Hänn
enn demm kaalen Waaßer ze wääschen...
Dach noon hiir emoal de Fräschen,
hiir nur emoal, de'i senn we’i oos Rand un Band!
Wou fast un de'if
jidden annern gär schle'if,
roufen un roufen de Fräschen
de ganzNoaat iwwert Land.

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Sommer

Sackertjiss noch einmal war das heiß diesen Tag.
übers Gesicht und den ganzen Leib lief der Schweiß
den ganzen Tag herunter wie ein Bach.
Doch zufrieden wischst du dir die Stirn:
Das Heu ist dürr. (trocken)
So ein Leben ist sauer
und macht zahm und müd!
Heute abend spürt jeder Bauer
am Leib jedes Glied.
Aber so heiß und hart es auch war,
jetzt ist der Himmel so hoch und so klar,
und der Wind kommt so kühl.
Und es ist ein herrlich, herrlich Gefühl,
Hände und Gesicht und Hals und Füß' und immer
noch einmal die Hände in dem kalten Wasser zu waschen...
Doch nun hör einmal die Frösche,
hör nur einmal, die sind wie aus Rand und Band!
Wo fest und tief
jeder andere gern schlief',
rufen und rufen die Frösche
die ganze Nacht über das Land.

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Spe’itsummernoaat

Doo leest u leest
mett waachen Aaen un doo seeßt
zum Fennster eroos enn de Goaad un ent Feld.
Sou stell es et emm Hoos,
un dabooßen scheint de Moand en de Goaad un en de Welt.
Un de Welt es sou weet un se leet
sou hell un sou stell,
dat käan Aa seech dir zoudoun well.
Un doo seehst - un deen Häärz seeht,
watt alles sou weet, sou weet dach schunn leet.
Seehst deech näaß mett dn Kameroaden beim Spill
vir der Kirch, noa der Kirch, vir der Schoul,
noa der Schoul,
Un seehst dn Vatter dahäam opp seim aalen Wiawstouhl,
un seehst n umm Plou oopp Krangels, oopp der Mill.
Un noon seehst de n Hoas, seehst n Vuggelnescht,
Seehst, we’i daat alles begäat un zerbrecht,
Seehst sou vill, sou vill...
U wenn es noon noch doa vunn dn Aalen,
vunn dn Kameroaden?
Denn un de'i - äwwer watt senn se all schunn alt u groa!
Oa joa, oa joa! Oa Welt!
Sou leest de - unn watt hässt de nett alles gedoat,
watt net alles gese'ihn enn äaner äanzigen Noat?!
U noon fällt dabooßen en Aapel un noon noch en Aapel eroap
un schläat ennen oopp-
Watt de Bäam emmer noch tre'in!
Un doo hiawst de Koap, steepst deech oopp de Ellenbuggen un de Hänn,
emm besser ze se'ihn,
Lä deech le’iwer hin u schloaf enn!

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Spätsommernacht

Du liegst und liegst mit wachen Augen und du siehst
zum Fenster hinaus in den Garten und ins Feld.
So still ist es im Haus,
und draußen scheint der Mond in den Garten und in die Welt.
Und die Welt ist so weit und sie liegt
so hell und so still,
daß kein Auge sich dir zutun will.
Und du siehst - und dein Herz sieht,
was alles so weit, so weit doch schon liegt.
Siehst dich wieder mit den Kameraden beim Spiel
vor der Kirch (Messfeier), nach der Kirch, vor der Schule (vor Schulbeginn)
und nach der Schule (nach Schulschluß),
Und siehst den Vater daheim auf seinem alten Webstuhl,
und siehst ihn am Pflug auf Krangels, auf der Mühle. (Flurnamen)
Und nun siehst du einen Hasen, siehst ein Vogelnest,
Siehst, wie das alles vergeht und zerbricht,
Siehst so viel, so viel...
Und wer ist nun noch da von den Alten,
von den Kameraden ?
Der und die - aber was sind sie alle schon alt und grau!
Oh ja, oh ja ! Oh Welt!
So liegst du - und was hast du nicht alles gedacht,
was nicht alles gesehn in einer einzigen Nacht?!
Und nun fällt draußen ein Apfel herunter
und schlägt unten auf–
Was die Bäume immer noch tragen!
Und du hebst den Kopf, stützest dich auf die Ellenbogen und die Hände,
um besser zu sehen,
Leg dich lieber hin und schlafe ein!

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Oawendfridden
Un de Krompern senn geroaden
un de Säck ste'ihen voll un deck
änen dicht henner dem annern dorch dat ganze Steck.
Un de Kenner broaden
Krompern enn hirem Feier
un en Flamm hun se, ungeheier,
un se schären seech un hollen
de Krompern oos de Koollen,
un die senn esou doftig un esou weeß
bennsenwennig, un esou heeß
un se verbrennen seech unn denn Dengern
et Mool un de Fengern.
Gott Dank ! De Krompern senn geroaden!
Un noon loaden
se de Säck bes uawenhin op de Woan,
en stärken Mann gehiirt doazou
se ze hiawen un ze troan.
Un de Damp vun dem Fe’er es esou bloa
un kemmt esou noa,
ma seet koom me’ih de Leit doadrenn.
Un all, all Fuuren senn
vooll un ganz roud vum Oawendliet
un jidd Gesieht
es roud un frouh vum Oawendliet
un jidd Gesieht
es roud un frouh vum Oawendglanz.
Hiir, doa laudt et schunn enn denn Rousenkranz
un de Kenner laafen, die miessen erenn.
Un gemächlich un zefridden fihrt jidden Woan
häm den Gottes—sä’hn.
Un opp allen Wäen kemmt Woan noa Woan,
un se setzen sou me'id
un sou zefridden uawen drop.
Un et es schun spe'it
un donkel, un op
stääht schunn de Scheier= un de Keller=dir
un op dem Desch stäht schunn de Zopp,
un de Kenner kommen oos der Kirch gestirmt.

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Abendfrieden

Und die Kartoffeln sind geraten
und die Säcke stehen voll und dick
einer dicht hinter dem ändern durch das ganze Stück.(Feld)
Und die Kinder braten
Kartoffeln in ihrem Feuer
und eine Flamme haben sie, ungeheuer,
und sie scharren sich und holen
die Kartoffeln aus den Kohlen,(Glut)
und die sind so duftig und so weiß
innendrin, und so heiß
und sie verbrennen sich an den Dingern
das Maul und die Finger.
Gott Dank ! Die Kartoffeln sind geraten!
Und nun laden
sie die Säcke bis obenhin auf den Wagen,
ein starker Mann gehört dazu
sie zu heben und zu tragen.
Und der Qualm von dem Feuer ist so blau
und kommt so nah,
man sieht kaum mehr die Leute dadrin.
Und alle, alle Furchen sind
voll und ganz rot vom Abendlicht
und jedes Gesicht
ist rot und froh vom Abendglanz.
Hör, da läutet es schon in den Rosenkranz
und die Kinder laufen, die müssen hinein.
Und gemächlich und zufrieden fährt jeder Wagen
heim den Gottessegen.
Und auf allen Wegen kommt Wagen nach Wagen,
und sie sitzen so müde
und so zufrieden oben drauf.
Und es ist schon spät
und dunkel,
und auf
steht schon die Scheunen- und die Kellertür
und auf dem Tisch steht schon die Suppe,
Und die Kinder kommen aus der Kirch gestürmt.

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Herrst

Re’ich nur emoal ! Re’ich dach; et gett
käan Wenkel emm Hoos,
dänn nett vooll es vunn demm härlichen Doofft;
Oos Scheier u Stall u Kisch u Kammer
u Keller kemmt en Doofft eroos:
Et re'icht noa Sä'n iwwerall.
Hoonnert Mäter emm Emmkräas re'icht de Lofft
noa Feld u Wiss u Wengert u Berg u Dall;
Et re'icht noa Häa u Groum un Kroompern
u Murrten un Äppel u Biiren un
Trauwen un Neß u nauem Viez,
un et re'icht ooch schunn noa Naakäsch
un Herrstastern doazou-
Un do bes zefridden, un zefridden senn Schween u Kou.
Wat he’ilt seech dat disen Summer mett dr
Aerbet drunn un drunn,
Aewwer noon kre'imer Rouh,
un emmsooss woar widder emoal daat Jammern u Sorjen,
u mir senn widder emoal fir n Joahr geborjen.

Herbst

Riech nur einmal ! Riech doch ; es gibt
kein Winkel im Haus,
der nicht voll ist von dem herrlichen Duft;
Aus Scheune und Stall und Küche und Kammer
und Keller kommt ein Duft heraus:
Es riecht nach Segen überall.
Hundert Meter im Umkreis riecht die Luft
nach Feld und Wiese und Weinberg und Berg und Tal;
Es riecht nach Heu und Grummet und Kartoffeln
und Möhren und Äpfel und Birnen und
Trauben und Nüsse und neuem Viez,
und es riecht auch schon nach Herbstzeitlosen
und Herbstastern dazu–
Und du bist zufrieden, und zufrieden sind
Schwein und Kuh.
Was hielt sich das diesen Sommer mit der
Arbeit dran und dran,
Aber jetzt kriegen wir Ruh,
und umsonst war wieder einmal das Jammern und Sorgen,
und wir sind wieder einmal für ein Jahr geborgen.

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Oopp m KirfichHolzschnitt Peter Gitzinger

Vorbee es de groußen Joahres-appell:
Se woaren, doud u lebendig, oos m Dorf zur Stell.
De Gräwer woaren all gemaat,
Kränz u Streeß geboonn un Astern gesaat,
Un de Pastur ging mett Weewaasser un Weeraach vunn Graw zou Graw
U Kiirzen stächen oopp jiddem Graw,
Se flackern - et gäat schunn halwer ennt Oawendroud–
We'i ärm Se'ilen enn Noud.
Noon komm, mir wellen denn aalen
Sche'inen un gouden Mouden haalen
Un unn de'i Gräwer träden
Un "Aus der Tiefe" un e Vaterunser bäden.
Unn demm groußen Kreez, bei dn Pastiiren
Fänken mr unn - de'i gehiiren
Emm Läwen un re’ischt recht emm Doud
Zou dennen, de'i begäaß un verloaß senn:
Joa, joa, Menschen oanen Unhang un oanen äagen Bloud.
Aewwer noon: hei hummer se all zesummen,
De’i aal Bauern oos jiddem Geschlecht u jiddem Hoos.
Komm, mir se'ichen vunn Graw zou Graw de'i aal Nummen
Eroos...
Aewwer noon es et donkel - mir kennen de'i Nummen nett me’ih läsen...
Un et es oochch genouch: Watt Bauernwäsen
Es, spiirst de hei, wat Bauernstamm un -dorf es,
Watt aal Oaat u Saaft u Kraaft
Es,
Un watt doo - hei gäat et dir emmer näaß oopp-
Bes.
Hei leien se, de’i äanen we’i de’i annern, Geschlecht unn Geschlecht,
Echt un recht,
De'i hatten Gehiawerschaftsrecht u Ruadland u Wengert u Wiss u Steck,
De'i hatten ihren äagenen Koap–
Le'iwer de Koap eroap als noa ze genn,
Wenn em Recht se senn.
"Joa" woar "joa" un "näan" woar "näan":
E'iwig stäat de Erd un hart es de Stäan.
Un se senn nett gewech vunn Gotts Geboad,
Nett enn Riad un Rouad un nett enn Doad:
Un, Herr Gott un Himmel, se sollen
Nett oosgestorwen senn.
Se sollen bestoan
Un denn Bauernsoam sooll nett oos- u nett
ennergoan.
Brocht r Bo'rnsoam: dihr broocht nett
weet ze froan,
He'id eech nur vir Onkroot u Kroam–
Hei oop m Kirfich leet Soam, hei leet Bo'rnsoam!

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Auf dem Friedhof

Vorbei ist der große Jahresappell:
Sie waren, tot und lebendig, aus dem Dorf zur Stelle.
Die Gräber waren alle gemacht,
Kränze und Sträuße gebunden und Astern gesetzt,
Und der Pastor ging mit Weihwasser und Weihrauch von Grab zu Grab
Und Kerzen stecken auf jedem Grab,
Sie flackern - es geht schon halb ins Abendrot-
Wie arme Seelen in Not.
Nun komm, wir wollen den alten
schönen und guten Brauch halten
Und an die Gräber treten
Und ,,Aus der Tiefe" und ein Vaterunser beten.
An dem großen Kreuz, bei den Pastören
Fangen wir an - die gehören
Im Leben und erst recht im Tod
Zu denen, die vergessen und verlassen sind:
Ja, ja , Menschen ohne Anhang und ohne eigenes Blut.
Aber nun: hier haben wir sie alle zusammen,
Die alten Bauern aus jedem Geschlecht und jedem Haus.
Komm, wir suchen von Grab zu Grab die alten Namen
Heraus
Aber nun ist es dunkel - wir können die Namen nicht mehr lesen
Un es ist auch genug: Was Bauernwesen
Ist, spürst du hier, was Bauernstamm und -dorf ist,
Was alte Art und Saft und Kraft
Ist,
Und was du - hier geht es dir immer wieder auf-
Bist.
Hier liegen sie, die einen wie die andern, Geschlecht an Geschlecht,
Echt und recht,
Die hatten Gehöferschaftsrecht und Rodland und Weinberg und Wiese und Stück(Feld),
Die hatten ihren eigenen Kopf -Lieber den Kopf ab als nach zu geben,
Wenn im Recht sie sind.
"Ja" war ",ja" und "nein" war "nein":
Ewig steht die Erde und hart ist der Stein.
Und sie sind nicht gewichen von Gottes Gebot,
Nicht in Rede und Rat und nicht in der Tat:
Und, Herr Gott und Himmel, sie sollen
Nicht ausgestorben sein.
Sie sollen bestehen
Und der Bauernsamen soll nicht aus- und nicht
untergehn.
Braucht ihr Bauernsamen: Ihr braucht nicht
weit zu fragen,
Hütet euch nur vor Unkraut und Kram–
Hier auf dem Friedhof liegt Samen, hier liegt Bauernsamen!

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Beim Drääschen
Video
Ewald Meyer liest Ernst Thrasolt
Beim Drääschen / Beim Dreschen
Videos von -> Moselfränkisch-Seite Roscheider Hof
Un de Stären, de Stären ste’ihn
iwwerm Dorf, iwwerm Feld.
Un de Stären, de Stären ge’ihn
iwwer de Wald, iwwer de Welt.
Känes Menschen Fouß, kän Hondsgebell,
nur alles sou stell un sou hell.

Un de Glanz scheint enn de Kammer erenn
un doo seest op un emm
un denkst, wie spe’it soll et woll senn,
un doo dre'ihst deech noch emoal eremm,
hiirst se oatmen enn der Kammer un emm Stall die Kou,
un de deckst deech noch se’ier goud wärm zou.

Un schunn gäht op hei un doa en Diir,
kuckt änen doa un hei zoum Fenster eroos
un ungewääsch, mett schle'ifriger Stiir
stäat doa änen virm Hoos,
en donkel, donkel Gestalt
emm Stärenscheen - un et es kalt.

Un weil schimmert doa un doa en Licht
durch et Fenster, un weil och doa schunn änt,
wou den schunn de Scheierdir opmicht,
un mir hun noch känt.
Un noch stät sou he'ih un sou hell jidden Stär,
un eech schle'if noch sou gär.

Hiirst de, op der Kirchenauer schlät
et weil halwer fenf, un wie et schunn gät:
Änt, zwä, dree, ve'ier,
änt, zwä, dree, ve'ier,
nett ze mällich, nett ze se'ier,
änt, zwä, dree, ve'ier,
änt, zwä, dree, ve'ier.

De Näwel es deck un kalt un feecht,
ma hiirt, wie en vun den Aesten fällt,
un Näwel, Näwel un soß neescht–
kän Baam, kän Stär es me’i op der Welt,
un esou goud däat die Wärmt un die Rou,
ging et nur noch lang bes zum Opstoan zou!

Hiir ! Ennen se’icht den Vatter sein Schou, weil sein Kaap,
un noon hett henn se un kemmt erop
un bleiwt stoan enn der halwer Traap
un re'ift: "Kenner, ste'iht op!
‘t es Zeet, soß kommem ma haut nett weet!"
" Joa, joa, eech kommen !" - Gott, wie goud et seech leet!

Un die grouß Olig=Lanter brennt
un de Vatter wirft die Gärwen eroap.
"Kuck emoal dein Schäd loa unn de Wännd!"
"Geww oaat, maach Plaatz, ge'ih soulang beiseet,
bes den Denn voll Gärwen leet."

Un en lät Gärw näwen Gärw un retscht iwwert St re'ih,
stuppt Halm unn Halm, un de Stiller un de Wand,
de Aehren enn de Mett. "Haal de Lanter enn de He'ih,
dat e besser seeht ! Geww mir se enn de Hand!"
Un mir schetteln uus - en so’er Läwen!
Un esou wärm un behaglich iddern die Ke'i em Stall danäwen.
"Semmer alleweil all doa?"
"Joa, bes op de Motter !" "Loaßt die rouig leien
noch bei de Kenner, mir paaken et joa,
un se kemmt noch bee genouch, emm seech zou geheien.
De Fliggel her un drunn ! Mir haalen zesummen
un sorgen un schaffen! Enn Gott's Nummen!"
Änt, zwä, dree, ve’ier, fenf,
änt, zwä, dree, ve'ier, fenf,
nett ze mällich un och net ze se’ier,
de Fenfer, den es schwe'ier,
änt, zwä, dree, ve'ier, fenf,
änt, zwä, dree, ve'ier, fenf
Emm Fre'ihjoahr un emm Summer schlät
de Bouchfenk den ganzen Daach.
Emm Spe'itherst un em Wenter gät
et enn den Scheiern de ganzen Daach
vun fre'ih bes spe'it
met den Fliggeln we'i en Le'id.
Un se schaafen oos der Scheier dat Stre'ih,
un de Kenner treiwen drop ihr Spill,
un et gett me'ih un me'ih un wiißt en de He'ih,
un die He'ihner fennen noch der Käärcher vill.
Un vir jiddem Hoos glänzt dat Stre'ih enn der Soonn,
un friddlich fle'ihen seech vir der Diir de Hoonn.
Un dat Le’id gät un gät, sengt vun Feld un Plou,
vun Lerchen un Laachen, Schwääß un Me'ih,
vun Summersoonnen=mettesrou,
vun Sorjen un Sä'n fir Mensch un Ve'ih,
vun Bauernbodden un =trei un =fleeß gät dat Le’id,
gät un gät, fre'ih un spe'it.

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Beim Dreschen
Und die Sterne , die Sterne stehen
überm Dorf, überm Feld.
Und die Sterne, die Sterne gehen
über den Wald, über die Welt.
Keines Menschen Fuß, kein Hundegebell,
nur alles so still und so hell.
Und der Glanz scheint in die Kammer herein
und du siehst auf und um
und denkst, wie spät soll es wohl sein,
und du drehst dich noch einmal herum,
hörst sie atmen in der Kammer und im Stall die Kuh,
und du deckst dich noch schnell gut warm zu.
Und schon geht auf hier und da eine Tür,
guckt einer da und hier zum Fenster heraus
und ungewaschen, mit schläfriger Stirn
steht da einer vorm Haus,
eine dunkle, dunkle Gestalt
im Sternenschein - und es ist kalt.
Und jetzt schimmert da und da ein Licht
durch das Fenster, und jetzt auch da schon eins,
wo der schon die Scheunentür aufmacht,
und wir haben noch keins.
Und noch steht so hoch und so heIl jeder Stern,
und ich schlief noch so gern.
Hörst du, auf der Kirchenuhr schlägt
es jetzt halb fünf, und wie es schon geht:
Eins, zwei, drei , vier,
eins, zwei, drei, vier,
nicht zu langsam , nicht zu schnell,
eins, zwei, drei, vier,
eins, zwei, drei, vier.
Der Nebel ist dicht und kalt und feucht,
man hört, wie er von den Ästen fällt,
und Nebel, Nebel und sonst nichts–
kein Baum, kein Stern ist mehr auf der Welt,
und so gut tut die Wärme und die Ruh,
ging es nur noch lang bis zum Aufstehen zu
Hör! Unten sucht der Vater seine Schuh, jetzt seine Mütze,
und nun hat er sie und kommt herauf
und bleibt stehn in der halben Treppe
und ruft: "Kinder, steht auf!
Es ist Zeit, sonst kommen wir heut nicht weit!"
"Ja, ja, ich komme !" - Gott, wie gut es sich liegt!
Und die große Öl = Lampe brennt
und der Vater wirft die Garben herab.
"Schau einmal deinen Schatten dort an den Wänden!"
"Gib acht, mach Platz, geh so lang beiseite,
bis die Tenne voll Garben liegt."
Und er legt Garbe neben Garbe und rutscht übers Stroh,
stößt Halm an Halm, und die Stiele (Halmenden) an die Wand,
die Ähren in die Mitte. "Halte die Laterne in die Höhe,
damit er besser sieht ! Gib mir sie in die Hand!"
Und wir schütteln uns - ein sauer Leben!
Und so warm und behaglich wiederkauen die Küh im Stall daneben.
"Sind wir inzwischen alle da?"
"Ja, bis auf die Mutter !" "Laßt die ruhig liegen
noch bei den Kindern, wir packen es ja,
und sie kommt noch genug bei, um sich zu plagen.
Die Flegel her und ran ! Wir halten zusammen
und sorgen und schaffen in Gottes Namen!"
Eins, zwei, drei, vier, fünf
eins, zwei, drei, vier, fünf
nicht zu langsam und auch nicht zu schnell,
der Fünfer, der ist schwer,
eins, zwei, drei, vier, fünf
eins, zwei, drei, vier, fünf
Im Frühjahr und im Sommer schlägt
der Buchfink den ganzen Tag.
Im Spätherbst und im Winter geht
es in den Scheunen den ganzen Tag
von früh bis spät
mit den Flegeln wie ein Lied.
Und sie schaffen aus der Scheune das Stroh,
und die Kinder treiben drauf ihr Spiel,
und es wird mehr und mehr und wächst in die Höh,
und die Hühner finden noch der Körnchen viel.
Und vor jedem Haus glänzt das Stroh in der Sonne,
und friedlich flöhen sich vor der Tür die Hunde.
Und das Lied geht und geht, singt von Feld und Pflug,
von Lerchen und Lachen, Schweiß und Müh,
von Sommersonnen=Mittagsruh,
von Sorgen und Segen für Mensch und Vieh,
von Bauernboden und =treu und =fleiß geht das Lied,
geht und geht, früh und spät.

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Video
Ewald Meyer liest Ernst Thrasolt
Wennter
Videos von -> Moselfränkisch-Seite Roscheider Hof

Wennter

Diren un Fenstern senn roonnderemm goud zou,
Et Ve’ih es gefe’idert u besorscht, Schween un He'ihner, Perd u Kouh,
Noon hummer Rouh.
Setz de Fe'iß enner dn Uawen
un loaß uus dn Herrgott fir de Wenter luawen
We'i goud de Wärmt dach däat.
Joa, hiir nur, we'i de Wennt dabooßen peeft–
Oobb enn dr Soar et Eeß schunn stäat?
U noon genn Plän gemaat:
Hoawer un Gäscht u Wäas kommen enn dn Haser,
Krompern genn oopp Krangels un enn dn Uat
un oopp de Foonnd gesaat,
Kle'i däat moal nais oopp Schadall ganz goud;
Et Kuur stäat sche'in; et brooch uus firt Broud
net bang ze senn we’i fre’iher.
Aewwer emm ganzen Dorf es geweß käan Hoos,
wou se noch net schloafen senn,
Un et wiir goud, mir spoarten Brand un Licht
u schle'ifen uus fir de Summer oos:
De Rouh
Emm Wenter es vill wert fir Mensch u Perd
u Kouh
Emm net krank un schwaach emm Summer ze genn.
Joa, joa dann un goud Noaat
Un loaßt uus dremm dn Herrgott druawen
fir seinen Wennter luawen.

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Winter

Türen und Fenster sind rundherum gut zu,
Das Vieh ist gefüttert und versorgt, Schwein und Hühner, Pferd und Kuh,
Nun haben wir Ruh.
Setz die Füße unter den Ofen
und laßt uns den Herrgott für den Winter loben.
Wie gut die Wärme doch tut.
-Ja , hör nur, wie der Wind draußen pfeift-
Ob in der Saar das Eis schon steht?
Und nun werden Pläne gemacht:
Hafer und Gerste und Weizen kommen in den Hasar*,
Kartoffeln werden auf Krangels* und in die Acht*
und auf die Font* gesetzt,
Klee tut mal wieder auf Schadall* ganz gut;
Das Korn steht schön; es braucht uns fürs Brot
nicht bang zu sein wie früher.
Aber im ganzen Dorf ist gewiß kein Haus,
wo sie noch nicht schlafen sind,
Und es wäre gut, wir sparten Brand und Licht
und schliefen uns für den Sommer aus:
Die Ruh
im Winter ist viel wert für Mensch und Pferd
und Kuh,
um nicht krank und schwach im Sommer zu werden.
Ja, ja dann und gute Nacht
Und laßt uns drum den Herrgott droben für den Winter loben.
* Flurnamen

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Mir...Holzschnitt Peter Gitzinger

U mir Ple'ien u mir se'ien Kuur–
werden mir et me'ihen?
U mir planzen Bäm un Räwen;
Werden mir et noch erläwen,
dat se ble'ihen, dat se troan?
Mir geheien uus u mir ploan
uus u mir ge'ihn hennerm Plou,
hennerm Plou:
Baal gäat de Plou iwwer uus - joa dann
hummer re'ischt Rouh.

Wat semmer me'ih als Gras un Halm?:
De Se'ins es schunn schärf un de Scheier
stäat schunn oopp.
Wat semmer me'ih als en Haafel Qualm
iwwerm Schuachten ? Kuck emoal eroopp
enn de He'ih - schunn seehst de n nett me'ih.
Mir froan net u mir kloaen nett,
mir haalen uus drunn
- haal deech drunn un drunn, et kemmt oopp deech unn-
fir de'i , die noa uus kommen.

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Wir ...

Video
Ewald Meyer liest Ernst Thrasolt
Mir / Wir
Videos von -> Moselfränkisch-Seite Roscheider Hof



Und wir pflügen und wir säen
Korn – werden wir es mähen?
Und wir pflanzen Bäume und Reben:
Werden wir es noch erleben,
daß sie blühen, daß sie tragen?
Wir mühen uns und wir plagen
uns und wir gehen hinter dem Pflug,
hinter dem Pflug:
Bald geht der Pflug über uns–ja dann
haben wir erst Ruh.
Was sind wir mehr als Gras und Halm?:
Die Sense ist schon scharf und die Scheune
steht schon auf.
Was sind wir mehr als eine Handvoll Qualm
über dem Schornstein ? Guck mal hinauf
in die Höh – schon siehst du ihn nicht mehr.
Wir fragen nicht, und wir klagen nicht,
wir halten immer Schritt und Tritt.
Und wir halten uns dran
- halte dich dran und dran, es kommt auf
dich an-
für die, die nach uns kommen.

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Die Sehnsucht nach der Heimat drückt Thrasolt durch den Lehrling in der Fremde in kraftvoller Sprache aus. Thrasolt hat nach Meinung mehrerer Befragter in Haag und eines Vetters in Kirf von September 1915 bis Februar 1916 eine Gefängnisstrafe in Koblenz verbüßt.

Hämwe’ih

Meen Härz es esou schwach un esou schwe'ier
un schlät dach esou stärk un se‘ier,
me'id senn un dach vun Unrouh mein Fe'iß,
un eech senn krank, un die Kränkt es dach se'iß,
un Dag un Noat
hun eech nur gedoat
un denken eech nur un häm.

Un kemmt de Wend nur vun der Seet,
wou die Hämat leet,
un es en kalt un oane Sonn,
mir gett et wärm un hell davunn.
Un Dag un Noat
hun eech nur gedoat
un denken eech nur un häm.

Un wenn en Vuggel doaher fle'it,
ganz anneschter klengt schunn seen Le'id.
Un kän Floss un kän Waasser scheint mir kloar,
stammt et nett oos der Soar.
Un Dag im Noat
hun eech nur gedoat
un denken eech nur im häm.

Hei es die Welt sou falsch un schlemm,
un die Leit senn all sou stolz un fremm.
Den Dag hätt kän Morjen- un Oawendrout,
kän Apel schmaakt, kän Melch un kän Broud.
Un Dag un Noat
hun eech nur gedoat
un denken eech nur un häm.

Kän Mensch es ihrlich, trei un gout,
un eech senn ganz oane Läwen un Mout,
un kän Fräd es, die eech me'ih hun,
eech stärwen baal davun.
Un Dag un Noat
hun eech nur gedoat
un denken eech nur un häm.

Eech haalen et net me‘ih oos,
eech well neescht me'ih als nur noa Hoos,
eech bleiwen net länger en der Liir,
eech laafen le'iwer en ett Miir.
Un Dag un Noat
hun eech nur gedoat
un denken eech nur im häm.

Schreiwt mir en Bre'if un lät en den
en poar Bloumen oos ousem Goad erenn,
näan, kommt selwer un, seid sou goud,
brengt e Steck mett vun ousem Broud.
Un Dag un Noat
hun eech nur gedoat
un denken eech nur un häm.

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Das Kriegsjahr 1915 wurde zum schwärzesten in Thrasolts Leben. Bruder "Nikla", der Bauer im Elternhaus ist im Februar in Rußland gefallen. Schwester "Gretchen" mußte ihn nun als Pfarrhaushälterin verlassen, um den elterlichen Betrieb weiterzuführen. Als im September auch noch Bruder "Hanni" (Er hatte im Frühjahr sein Studium mit Dr phil abgeschlossen) in Frankreich gefallen ist, war bei Tressels das Leid unermeßlich.
Ernst Thrasolt hadert mit Gott, tritt von allen Schriftleitungen zurück, wird haltlos und verstößt durch unzüchtiges Verhalten gegenüber einer nicht volljährigen Abhängigen gegen den Zölibat. Der Bischof von Trier entzieht ihm die Pfarrstelle.
1922 hat Thrasolt beim Verfassen des Gedichtbandes "Gottlieder eines Gläubigen" seine Krise und Schuld in folgenden Gedichten angedeutet:

GOTTESKAMPF

O Herr, du hast mit mir, ich hab mit dir gerungen:
In großem, gelassenem Kampf du, ich in kleinem Streit,
in trotzigem, wirrem, blindem Knabenstreit,
und du hast mich bezwungen.
Beugtest mit beiden Knien mich in der Gosse schmutziger Not
und meiner Stirne Stolz, daß er den Unrat und den Kot
geküsst hat und gefreit,
und, Gott, so weit, so weit
ist da der Ruf von meiner Schmach gedrungen
und daß erstaunten und erstarrten fromme und böse Zungen
und daß an Schulter und an Hüfte lahmen
ich seither muß, ich mich in Kirchen und auf Gassen
mit mir und meinem Namen
mich laut und in dem Lichte nimmermehr darf sehen lassen.

Bei Besuchen in Beurig hat Thrasolt die Messe immer still am Nebenaltar gelesen, dagegen sind in Berlin die Menschen herbeigeströmt, um den Predigten des Friedenskämpfers zu lauschen Mit großem Eifer wurde dort seine Zeitschrift "Vom frohen Leben" bis zum Verbot durch die Nazis gelesen, ebenso seine Artikel im Berliner Kirchenblatt .

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GOTTESFLUCHT

Ich floh vor dir–
Und immer, immer folgtest du, und liefest du vor mir.
Und kam ich müde dem Asyle nah,
drin ich vor dir mich sicher wähnte,
warst du schon da, saßest du da.

Und abends schlossest du ab meine Tür,
und rührt im Bett ich mich, stieß ich an dich
und du lagst mir zur Seite die ganze Nacht,
und bin ich, vor dir bangend, morgens aufgewacht,
warst du der erste stets, der grüßte mich.

Ich floh und floh, ich tauchte in des Bechers trunkne Lust,
und dein Bild starrte mich an von dem bittren Grund,
ich warf mich Dirnen in die heißen Arme, an die weiße Brust,
und du zwängtest dich zwischen Brust und Brust und Mund und Mund,
und immer warst du da.

Ich lachte, fluchte dir und schwor dir Spott,
und jeden frechen Wortes, jedes Fluches Nachhall war:
Gott, Gott!

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ZEICHEN

Herr, tu ein Wunder wieder, nein, gib nur ein kleines Pfand
Deines Gottseins, ein Stückchen Goldherz nur aus deiner Gottheit Land!
Laß nicht mein Blut nur zu dir schäumen, von dir dichten,
laß mich nicht stets nur Spinnwebtempel dir errichten!
Gib mir ein Zeichen, Zeichen, Herr, daß du noch bist,
nicht Luft, zu festem Baue braucht die Seele Land,
herüber reich, einmal um meine Hand zu drücken, deine Hand,
und daß ich spüre, daß sie noch allmächtig ist:
Gott, daß du noch bist, daß du noch bist.

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Das Haus Tressel - besonders die Mutter- war stolz auf ihren Priester. Hier stürzte eine Welt zusammen als der Bischof von Trier dem Pastor von Haag die Pfarrstelle entzogen hatte.Thrasolts Mutter rief ihre Geschwister zu sich und sie beschlossen, Stillschweigen über die Vorgänge zu bewahren auch gegenüber ihren Familien. Durfte der "verlorene Sohn" wieder das Elternhaus betreten? Der "Dialog" zwischen ihm und seiner Schwester gibt Antwort:

Hämkiehr

1. Henn
Hett ihr meech noch le'iw?
Schreiwt mir dach gleech, gleech en Bre'if!
Dirf eech näaß kommen? Et gefällt
mir nett enn der Welt.
Eech haalen, haalen et net me'ih oos-
Oa! Wie woar et esou sche‘in enn ousem Hoos!
Oa! Kihm zereck noch än änzigmoal die Zeet!
Gott ! Wat zweschen der un diser Zeet leet.

Noon loassen eech den Koap nur henken un henken
un kann neescht anneres denken
als wie eech esou glecklich un zefridden woar
un wie eech sou unglecklich senn
un jidden Dag unglecklicher genn.
Un hint die ganze , ganze Noat
hunn eech nur unn eech gedoat.
Hiirt, wiirt ihr esou,
nur sou en besschen frouh,
wenn eech dit kommen?
Soat, hett ihr meech noch le'iw?
Oa, wiir schunn hei eier Bre'if!

2. See
Oa le'iwen, le'iwen Brouder, mir hunn deech dach le'iw!
Wäßt doo dat net oahne Bre‘if?
Koomm ! Koomm!
Loaß nett zwämol oppgoan de Sonn!
Mir zellen jidden Dag un zellen jidd Stoonn!
Jidden Dag gett uus sou lang wie en Joahr,
un jidd Stoonn, wie sooß en Moand net woar.
Uus Motter säät zwölf moal um Dag:
Kihm hen dach! - Kihm henn häam!
Ma es joa dahäm wie en der Frimm oahnt henn!
Un gere'it Bruod un Botter och noch esou goud,
et schmaakt uus kän Botter me'ih un kän Broud.
Koomm, koomm! Mir haalen et net me'ih oos,
ousem Vatter seen Hoos es och deen Hoos.
Un wat se dir unngedoan och hun,
kän Zong un kän Gedanken rihrt doarunn,
mir senn nur frouh, wenn mir deech widder hun.
Neescht es op der Welt, wat mir sou le'iw hun wie deech
noah ousem Herrgott emm Himmelreech.
Koomm gelaaf ! Woaat goar net op ousen Bre'if!
Mir hunn deech, all hun se deech joa le'iw!

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Die Freude der Schwester, daß der Bruder wieder ins Elternhaus kehrte, drückt Thrasolt aus in:

Schwesterngrouß

Meen le'iwen Jong, meen le'iwen Jong,
loa best doo joa!
Wat woarst doo lang, wat woarst doo lang,-
noon bleiwst doo doa.

Gott Dank! Unn wie sche‘in
dat henn häm komm es!
Noon sollst doo se'ihn,
wie doo ooppgehuaf bes.

Unn wie mir esou frou
zesummen stoan
un wie et esou
ganz goud wiird goan.

Mir bleiwen enner uus
oant noa den Leiden ze froan
un haalen se oos em Hoos
un loasssen se schwätzen un soan.

Mir hunn Hoos un Broud
op allen Fall
Die Schlechten senn schlecht un die Gouden senn goud
all iwwerall.

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Die Freude, wieder im Elternhaus sein zu dürfen und mitarbeiten zu können, lesen wir aus:

Daat aal Bloud

Un de Schwester sät: "Goud Noat!"
U sät - eech hat mir et schunn gedoat–
"Noon hummer deech näaß dahäam
enn ousem Papp seim Hoos.
Noon lä deech enn daat Bauernleinen un träam
goud - u schloaf deech emoal richtig oos!"
Un enn aller Fre'ih:
Doa kemmt en schunn de Traap eroap,
de Himmsärmeln ooppgestellpt un met bloußem Koap.
"Gouden Morjen!" "Gouden Morjen! Äwwer woafir bleiwst de dann net leien?"
"Mennt dihr, eech kennt rouhig leien, wenn seech de'i annern geheien?"
U mir däat jidd Minnutt enn de Feddern we'i en Doudsend läad,
wenn de Sonn schunn umm Himmel stäat.
Et rouht seech doa nett me'ih em Bett mett dem aalen Bauernbloud-
Daat mouß mett dr Soonn un dn He'ihnern un de Lerchen eroos.
Daat mouß unn de Aerbet enn Stall un Hoos
un enn der Wiss un emm Feld.
Wenn et mett m Bett un nett mett dr Sonn et hält,
denn woar käan Bo'r unn gett seen Läwdoa käan Bo'r,
un doa kann käan Zouriaden neescht notzen–
Un eweil ge'ihn eech de Wisen botzen.
Joa, joa! Eech spiiren noch emmer daat aal Bauernbloud,
et es emmer noch et Best enn mir un daat es goud.

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Dahäm

Un emm Hoos es noch alles, wie et woar:
de Gangg, de Kich un de Stuff un de Kammer,
un dren noch den Desch un de Aeschenbank
un de Wandauer un den Uawen un dat Gefaach statt em Schrank–
alles wie et woar,-
nur, die noch doa senn, hunn groa Hoar,
un, o Jammer, die Besten senn net me‘ih doa.
Froa net doanoah!
Doo kannst et hinnen unn den Aaen oabse‘ihn,
wie we'ih hinnen de Härzen de'in.
Un doo mennst: weil maachen se op de Dir,
un se mi'eßten doa stoan
un dir "gouden Oawend"
soan un deech froan, wie et dir dit goan

Un dann schwätzen mir esou lang
un maachen dann noch en Gang
em et Hoos, un se‘ihn noa den Stären:
morjen wiird et sich klären.
Un eech leien enn meim aalen Bett–
Hätt, hätt
eech et gehatt esou wäch un esou wärm dadroossen en der Welt.
Dach haut laachen eech nur driwwer
un ze‘ihn de Decken iwwer de Schellern eriwwer
un hiiren noch groad de Auer schloan–
wat es et schunn spe'it!-
Un hiiren meen Härz emm Leiw sou wärm un sou hämelig goahn
un mennen, mennen, eech sei gewe'it.

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Thrasolts Liebe zu seinen Eltern spüren wir in:

Motter

Wie senn ihr Hoar schunn esou groa.
Un wenn hett se sou groa gemaat?
Sei ste'ill ! Sei ste'ill ! - eech wääß et joa!

Un wie senn ihr Hänn sou zerreß un rooh!
Fir wenn de schwe‘ierst Laast un de schärfsten Dur?
Dat woarst emmer un emmer doo!

Un wat fir deech ihr Schellern moußten troan
Un ihr Härz fir deech-
daat es net ze soan.

Un se woar all ihr Läwdoa esou zoart un schwaach
un moußt dach sou vil schaffen un stoan un goan–
un noch emoal fir deech bis op disen Daach.

Noon setz dein fleeßig Fe'iß en de Rouh
un wärm alle zwe‘in
un dann brochst de nur me'ih ze se'ihn
uus Kennern zou.
Un lä dein Hänn alle boud enn de Schouß
un loaß se rouhn
un soß brochst de goar neescht me'ih ze doun–
bleiw bei uus blouß.
Un noats brochen net me'ih ze planen un ze waachen
dein trei goud Aa,
Met allen zwä, doo le'iw goud Fraa,
sollst de schloafen noats un daagsiwwer laachen.
Un nur deen le'iwen, klugen Moonnd
soll bei allem senn un goan,
mir hun esou vil deech noch ze froan
all Joar un Daag un Stonn.

Se soan, jidden Samstisch hiaw sein Stonn,
wou zou Ihren ouser le'iwen gouden Fraa
-un woar se och de ganzen Daag net doa - de Sonn
dit scheinen un laachen mit jiddem Aa.

Un woar se och den ganzen Daag net doa
un ging de Rän un de Wend de ganze Zeet sou goud,
mecht se se'ier noch um Oawend den Himmel bloa
un et Erdendall roud.

Oa le'iw Motter, oa goud, goud Fraa,
weil maachen mir dir den Oawend all emoal goud,
un doo sollst se'ihn met Tre'inen fir Fräd em Aa,
denn Himmel bloa un dat Erdendall roud.

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EN BO‘ERNPOAR

1. Henn
Eech hat et all mein Doa net zoat
met der Se'inß un umm PIou,
un hat dach all mein Doa jidd Noat
meinen Schloaf un mein Rouh.

Un senn och de Bäm un de Räwen erfrur
metten en der Bloud,
un koamen de Knuppelstän och iwwer et Kur,
eech hat meinen Trank un meen Broud.

Un de Zeeten woaren dex schlecht un deier
un Kenner koasten vil,
un hei en Ongleck un doa de Steier,
un eech koam dach emmer un et Zill.

Un eech hun net getronk un hun net geraacht,
hun geschafft un gespoaat,
un hun net esou hart wie die annern gelaacht,
un hat vil Fräd op mein Oaat.

Un hat eech jidden Daag mein Ploa,
woar eech jidden Oawend frouh,
un maachen den letzten Oawend eloa
stell un frouh mein Aaen zou.

Firt e'ischt un firt letzt hunn eech gedoat
unn den Herrgott all mein Doa,
un soan eech noon der Welt "goud Noaat",
stäat henn mett "goudem Morjen" doa.

2. See
Siwwen Kenner hunn eech opgezillt–
joa, eech hunn alt driwwer gekloat,
un hunn dach vill mett hinnen gelaacht un gespillt.

Se hunn mir gemaat vill Gedanken un Läd
un groa Hoar, äwer och dat Härz
mir jong gehaal un gemaat vill Fräd.
Sou korz woar mir emmer de Noat,
doafir länger den Daag, doch eech hatt
net Zeet, dat eech doadrunn hett gedoat.

Die annern, die hatten et goud
mett änem Kenn odder och zwä,
un se senn doch all schunn vir mir doud.

Joa, dat Läwen woar dex schwe'ier un langg,
doch dat es all begäaß
fir all dat annert sei Gott Dank.

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Em Stammhoos

Sou gäat eI emmer widder zou:
Semmer moal widder all oos aller Welt dahäam umm Desch,
stellt äanen fast, un all stemmen zou:
Et Broud schmaakt noch wie fre'iher, de Botter es fresch
un de Viez es kloar:
Alles en allem: et woar näaß e ganz goud Joahr.
Un noon: we'i wiir et, wemmer
( dre‘iht et Licht eroap, et brooch sou hell net ze senn)
uus eweil ditten emm den Uawen setzen,
emm noch en Stonn ze schwätzen.
U noon setzen mir doa u schwätzen un doa gemmer
oopp äamoal all ganz stell un et well
goar net me'ih virunn goan mett dm Schwätzen.
U mir spiiren
et all - u se'ihn noa dn zounen Diiren:
Et senn
noch annern enn dr Stuff; mir spiiren se
henner usen Ste'ihlen stoan
oant en Wuat ze soan.
Mir spiiren se, dach mir se'ihn se net.
Kannst de dir denken, we'i et emm et Härz uus gett?
Un et es, als wir en Fenster un en Diir ooppgestouß.
Blouß
senn zou all Fenstern un Diiren.
Aewwer doo kannst et spiiren,
we'i kalt et emm de Reck un emm et Härz uus ze'iht.
U jidden hett sich seent gedoat.
Sou gäat et emmer zou.
Un dann es et spe'it.
Un mir soan uus "Goud Noat!"
Un ge'ihn enn uus Kammer un zur Rouh.

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OAWEND

De Aerbet woar hart un den Daag woar tre'iw,
noon es den Oawend stell un roud
un de Welt sou weet un den Himmel sou de'if
den Oawend mecht alles goud.

Un woar de Aerbet och hart un de Daag och langg
un semmer och allebäd me‘id:
dat Härz wäß dem Hergott fir alles Dank,
wenn ma oawends seen Kinnchen we'it

Se'ih! Wie de Schmelwen ze'ihn un ze'ihn
emm Oawendroud em uus Daach.
Un enn Wiss un Wengert stäat alles sche'in
un et Kuur es enner Daach un Faach.

Un woar de Aerbet och hart un den Daag och tre'iw,
rouhig un hell es de Noaat,
un doo bes bei mir un hes meech le'iw,
un den Herrgott get op uus oaat.

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SCHLOAFENGOAN

Et es kalt un et ze'iht,
mir wellen schloafen goan:
doo bes me'id, eech senn me'id,
un missen muur nääß fre'ih opstoan.

Dat es noon schunn nääß dat letzte Brout
un uus Auer stäht,
muur fänkt de Honger unn un de Nout–
hiir, de Kirchenauer schläät.
Stouß uus Auer unn, mir missen schloafen,
un den Herrgott me'ig uus net allzou hart stroafen.

Haut oawend woar ett emm de Sonn sou roud,
dat zä‘t en gouden Daag,
bäd doo fir ett Broud,
eech ge‘int Honger un Plag.
Un dann loaß uus op den Herrgott hoafen,
un noon ge'immer schloafen

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LETZDE GANGK

,,Wouhin Vatter, wouhin?
Dir kennt joa koom alläan me'ih stoan.
Vatter, wou wellt dihr dann hin noch goahn?
Seid opp dr Houd - odder dihr ge'iht enn eiren Doud!"

"Wechch, wechch. - Loaßt meech alläan,
ganz alläan,
oahne Helf un oahne Hand
zom letzde Moal iwwer meen Land
goahn.
Eech well zom letzde Moal se‘ihn we‘i mein Stecker ste‘ihn
u noa de Bämen se'ihn, wie se troan".

,,Stooppeln unn Stooppeln - et wiir Zeet fir de Plou,
aewwer et fählt unn dr Zeet, emmer unn dr Zeet,
soulang ma noch nett ennerm Bodden leet.
De Kle‘i mecht seech goud oos de Stooppeln un oochch sooßß,
de Rommeln senn deck, de Krompern senn eppes ennt Kroot geschooßß;
Proabiir emoal - wirklich, se hunn dach noch vill unn,
u vunn Feilt kaan Spur.
Goud u gre‘in kemmt et Kuur.
De Aeppel senn roond un deck u glaat.
Äwwer se senn
ze hart fir mein aal Zenn.
Noon ze'ih de'iw, de'iw, noch emoal ganz de'iw dn Oatem enn.
Sou, wie de'i Loofft un dänn Doofft emm Herrst
re'icht u schmaakt oochch nett de beste Boockstäaner Ween.
Holl vunn allem un allem, wat wiißt, enn de Hänn,
setz deech dabee u re'ich doarunn u kur doavunn:
Es alles meen, woar alles meen.
Un noon kemmt noch dn härlichsten Doft, dä mir kennen,
vun Schadall eroap: se senn drunn, et Ruadland ze brennen.
Sou goud re'icht käan Lavendel emm Schaaf
un de beste Weehraach nett iwwerm Graaw.

Dach käan Vuggel es me'ih ze se'ihn, de Schmelwen senn fort,
nur Kuapen treiwen seech enn de Soamen eremm,
de'i bleiwen emm Wennter hei un ze‘ihn nett fort.
Aewwer sou hunn eech meen Läwdoa de Wißßen nett gese‘ihn,
sou met Naakäsch unn Naakäsch drenn:
Et es Herrst, se senn
unn der Zeet.
Un noon hunn eech weet
bes häam - wiir eech schunn dahäam!
De Wennd gäaht emm Waal, dn Himmel es kloar u kalt,
we'i Se'ilwer risselt de Soar, un de Sonn stäaht de'iw.

Ach Gott, wat senn eech dex iwwer mein Fäller gang,
Ach Gott, wat hunn eech meen Härz unn mein Fäller gehang.
Aach Gott se'ich dir noch n anner Geschlecht,
dir un deinem Bodden sou trei, noch en anneren Knecht
sou trei we'i eech n Läwen lang.
Ach Gott, daat woar noon meen letzden Gangk iwwer mein Fäller.
Gott, dir fir alles un alles Luaw un Dank!

Joa, de Sonn stäaht de'iw!
Hiir, re‘if
doa nett äanen, dahäm nett äanen:
Vatter, Vatter!
Ste'ih oopp, maach deech häam, sooßß kommen se deech noch se'ichen.
Daat sollen se net, dat well eech net.
Aewwer eech well hinnen soan,
dat se meech noon kennen oopp de Kirfich troan.
Dn Herrgott umm Kreez sooll seech meiner iwwer Leew u Se‘il erbarmen.
Dach meen Härz soollen se se'ihen we'i Kuur,
mett m Kuur enn meen Boddem se'ihen,
un et sooll woaßen mett m Kuur un emm Wennd seech we'ihen u ble'ihen.
Un se sollen et me'ihen un et mallen ennt Broud,
un se sollen et äaßen un nett begäaßen,
soollen woaßen oos meim Boddem u Broud un oos meim Härz u Bloud.
Soulang diss Erd un dn Himmel driwwer stäaht,
sollen se woaßen, woaßen drooß enn E‘iwigkäat!"

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Ob Ernst Thrasolt mit der Betriebsführung in seinem Elternhaus durch seinen Schwager Peter Palm aus Irsch immer einverstanden war, können wir ermessen durch folgende Zeilen:

STE‘IH OOPP

Ste'ih oopp ! Hett net de Kou emm Stall
seech schunn gerurt?
Ste'ih oopp, doo hes op jidden Fall die Auer iwwerhurt.

Ste'ih endlich oopp! Wie he'ih stäat de Sonn,
un wie hell et schunn es.
Unn der Aerbet sollst de senn schunn en ganz Stonn,
doo Langschle'ifer, denn doo bes.

Die Lerchen sengen un sengen schunn,
un baal es fort den Daa.
Virm Hoos kre'iht schunn sou lang den Hunn,
un enn der Kisch schafft dein Fraa.

Hiir! De Noaper kemmt schunn zereck mett em Woan,
dat es en annern Mann!
Wou soll dat met deiner Familich hingoan?
Oopp, oopp ! Et es en Schann!

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Die Veränderungen im Elternhaus haben Schmerzen bereitet

De Wiawstouhl

Noon hunn se de Wiawstouhl oabgeschloan
Un eroos getroan–
Un noon loaden se n dabooßen opp de Woan
Un foaren fort damett–
Tre’ihnen enn dn Aaen soahen mir
Durch et Fe’inster zou–
Et hett
Ennt Herz geschnitt un we’ih gedoan,
Als hätten se ousen Vatter zoum zwetten Moal
Eroos oos seim Hoos oopp de Kirfich getroan
Oa mir!
Emm Schoap roast de Plou
Un noon stäat oochch de Werkstaat liir.

Elend und Einsamkeit, aber auch Erlösung sieht er in der Nachbarschaft

Denn Aalen

Mein Fraa es doud – ach Gott, schunn sou lang!
U mein dree Joongen senn alle dree gang
Umm e’ischten Dag ennt Feld
U senn ... dach daat weßt ihr joa.
Noon senn eech vunn allen alläan noch doa,
Senn iwwrig bliww.
Joa, joa!
Watt, watt de’in
Eech noon noch oopp der Welt?
Meen Testament es geschriww.---
U sooss hollen eech mir noon jidd Woochch beim Bäcker e Broud
Un tre’in
Jidden Dag et Waaßer erenn fir meech un mein Kouh
Un se’ihn
Dm Wedder zou,
dn Schne’ifloaken un dn Schmelwen un dm
Oawendroud ...
Sou kemmt u gäat hin Dag un Moand,
Summer u Wennter, Joahr u Joar
U groa Hoar.
Kemmt u gäat Chrestdag, Oustern u Pengsten u
Allerse’ilenrouh,
Bes...
Aenes Oawends re’ift n Noaper seim Noaper zou:
"Hiir, dem Aalen seen Schuachten raacht net me’ih,
u schunn de ganzen Dag brellert sein Kouh.
Best de baal firdig mett m Ve’ih?
Joa? Dann komm emoal mett!"
Un se kommen
Un se kennen oane Schwiirigkäat ennt Hoos:
Oabgespäart es ett nett.
Un se fennen denn Aalen virm Bett
Un ... "Henn es doud! Et es oos!"
---Joa! Gott sei Dank! Et es oos !!

Ein Bruder Thrasolts ist als Kleinkind verstorben. Wie sehr sich Thrasolt in das Leid seiner Eltern versetzen konnte, spüren wir in dem folgenden Gedicht.

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Dem douden Kend

Video
Holzschnitt Peter Gitzinger
Dem douden Kend
Videos von -> Moselfränkisch-Seite Roscheider Hof
De Scheier es vooll un vooll es de Stall
vun Fruut un Ve'ih.
Un Sähn, Sähn es iwwerall; liir nur es de We'i.

Et schimmert vunn Soonn un glänzt vunn Goold,
wouhin ma seech wendt,
Herrst es, un iwwerall woar en uus hoold;
et fählt nur dat Kend.

Et es Herrst - doch noa Bläderfall
kemmt Mäa un Ble'ih,
un zereck koommen widder de Viggel all;
nur uns Kend kemmt net me'ih.

Se soan, eech sollt sein Saachen verschenken,
die doa leien un henken,
dat wiir dat beste, em nett me‘ih drunn ze denken
un meech ze kränken.
Un dann es noch gre'ißer un steller dat Zemmer
un noch me'ih liir;
sou mäanen eech nur, et sei schloafen emmer
un sei noch bei mir.

Dat Schwe'ierste es, den Mann ze se'ihn,
wie henn eremm gäaht
un drunn denkt, un gedankeloas de Aerbet däht
un dann doa stäht!
Bei jiddem Plan, den henn gemaat,
woar dat Kend seen Zill un Enn,
un bei jiddem Baam, den henn gesaat–
un weil: "fir wänn, fir wänn?"

Mir woollten op der Welt esou sche'in
un goud et dir maachen,
un wollten bäden un deech bewaachen,
emm goud Riad vir dem Richter ze ste‘ihn.

Mir woollten fir den Herrgott deech fromm
un hellig behe'iden
wie kän Gäartner sein Bloumen un Ble'iden–
un sou es et koomm.

Dein Heiwcher un dein Himmercher senn
dat feinste Leinen enn meim Schaaf.
Un nett emm Goad un unn käanem Enn
ble'ihen de Bloumen sou wie oopp deim Graaw,
un sengen de Viggel sou traurig un Ie'iw,
dat die Härzen ganz anneschter doabee schloan,
un es den Himmel sou he'ih un de Soar sou de'if,
seet de Sonn sou roud ma enner goan.

Un alles, wat vunn dem Kend nur es,
woar goud un sche‘in un maat meech frou,
wenn et laacht, wenn de Wendeln woaren zerreß,
gär soat eech bei allem joa dazou,
seen Kreeschen, koam eech vum Feld ent Hoos
wiir et widder esou!

Un gett stell die Welt un scheint enn de Kisch et Oawendroud
sou stell un sou roud, dann begäaßen eech, dat et es dout.

Dann koachen eech himm noch emmer de Zoopp,
un se bleiwt dann stoan - un spillen un spilllen mett seiner Popp-
statt schloafen ze goan.

Un dann maachen eech himm seen Bettchen zerecht,
dat et goud leet, als wiir et nett fort fir all Nächt un fort sou weet.

Un ge'ihn eech schloafen, hunn eech gedoat:
"loaß oopp de Dier,
dat eech et gleech hiiren, wenn et enn der Noat
re'ift noa mir."

Ernst Thrasolt hat das Elend des Krieges hautnah erlebt. Er war als Sanitäter in Rußland. Sein Bruder Nikla ist im Februar 1915 in Rußland gefallen. Sein Bruder Hanni, der im Juni 1915 zum Dr. phil. promoviert war, ist im September 1915 in Frankreich Opfer des Krieges geworden. Bruder Nikla war seit dem Tode des Vaters (1909) der Bauer im Hause Tressel.
Ernst Thrasolt schildert das Leid der Braut des Kriegstoten.

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De Witt-broot

Unn all senn se häamkoomm unn hunn gesoong
unn se woaren all sou frou;
mir hett et wie de Doud enn den Uuren gekloong,
enn Tre'inen hiirt eech zou.
Unn eech sout mett den Aaen: Fählt henn dann allän,
vleecht es en dach dabee-
äwer näan, äwer näan.

Unn bei jiddem kahlen unn diren Baam
kemmt et mir: dat es deen Gleck.
Unn jidde Noat mänen eech emm Traam,
henn kiem oos em Kre'ig zereck
unneech sei net mie daags unnnoats allän:
wail mecht hen op de Diir-
äwer näan, äwer näan.

Unn wenn die Bäm unn die Rousenstäk ble'ihen,
jidd Räw voll Trauwen hänkt,
wou zwe‘in Menschen ihr Läwen zesummen tre‘in,
wou en Motter ihr Kinnchen schenkt:
wie es alles sou änsam unn traurig allän
unn wie es ett zou zwätt sou sche'in–
äwer näan, äwer näan.
Gott! Die Wittfraan senn mett den Kennern geploat,
doch se wessen ooch woufir,
eech genn vunn Hoos zuu Hoos gejoat,
en frimm Mensch, kän Mensch frät noa mir,
unn senn em Läwen, oopp em Doudsbett allän,
ach hätt eech nur äin, äin Kennd–
äwer näan, äwer näan.
Schwe'ier es ett, allän oawends schloafen ze goan,
unn wie kalt ett oopp em Bett seech setzt,
unn allän morjens fre'ih widder oopp ze stoan,
wenn de Sonn enn den Eesbloumen blitzt.
Et es sou kalt, sou kalt ganz allän,
ze zwätt wir ett sou wärm-
äwer näan, äwer näan.

Unn laaßt seen Hoos mouß sou dex eech goan,
wenn annern op seiner Schwell ste‘ihn,
Unn mouß vir frimmen Diiren froan
unn meech noa em De'inst emse'ihn;
unn henn soat:"De Aerbet schaffst doo nett allän,
mir haalen uus spe'ider en Moad".–
äwer näan, äwer näan.

Unn all senn se häam komm unn hunn gesoong
unn se woaren all sou frou;
mir hett et wie den Doud enn den Uuren geklong;
hett och eech die e'iwig Rou!
Dann wiir eech oopp der Welt doch nett sou allän,
dann wiir eech emmer bei dir–
äwer näan, äwer näan

Thrasolts Vater war Bauer, Winzer und Leineweber. Flachsanbau, -ernte und -verarbeitung hat er miterlebt. In einem "Volksepos" hat er dies festgehalten

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Dat Le'id vum Floaaß

Den Pastur, seet se en hunn, hett
neescht le'iwer gepriadigt als vun der hellig Familich vun Nazareth
un vun dahäm, dahäm bei seech selwer bleiwen
un seech nett enn frimmen Heisern un op der Gaass eremm ze treiwen,
un vun Märchen erzellen, Sengen un Biwel-läsen
un vun dem gouden aalen Bauernwäsen:
vun Bauerfleeß un Bauernfloaaß. Joa, beim Floaaßse'ien, -gewennen un -spennen
woar seen ganz Härz ze fennen:
de Floaaß sei dat Aenzige, wat noch A un Z
Unfang un Enn beim Bo‘er hett,
un: Bo‘er un Floaaß sei en ganz Läwensgeschicht,
sei en Volksepos, en grouß Volksgedicht,
un dat koam alles vir enn der Priadigt vun Nazareth.

Wat es enn dem Joar eloa de Floaaß
goud un trecken gewoaaß,
un sou voollkommen un trecken koam
nett dex op de Speecher den Soam.
Als Kend hunn eech sou gär de Sand
laafen gelaß durch mein Hand.
Un sou kennt eech eweil en geschloan Stoonn
mett dem Floaß-soam et maachen:
sou glaat, glaat es en un feen un broon un voll Soonn.
Ma mänt, ma ditt se Soonn drenn spiren
un Schmunzeln un Laachen
un ma sei
dahäm, un alles sei secher un trei.
Un wiir en Bo‘er noch sou deck un reech
- et es ganz gleech-
henn kemmt eroap un gett denn un ärm,
wenn en kän Senn un kän Steck un kän Zeet
fir den Floaaß me'ih hett

"Kenner, dat Steck es fett
un de Boddem es nett naaß un es wärm,
doa et mett umm besten leet.

Zwämoal hummert gefoar - kloapt haut noch de Schollen
un dann hollen
mir enn de Viirtsel den Soam:
´t es Zeet, dat ma en se'iht -de Lerchen sengen enn der Loft
un enner der Heck es de Hälräw baal verble‘iht!"

Un die Mädcher kommen ze drett zereck
oos em Krompern-steck.
,,Hett‘r den Emmwä gemaat un noa dem Floaaß gese'ihn?
Dat gett en schlecht Hoosfraa, der nett
boud Aaen noa dem Floaaß-steck ste‘ihn:
eech roade jiddem Mann: die heeroad nett!"
"Seid zefridden, en kemmt goud, nett ze dicht, nett ze denn,
un wenn ett noamettig kän Ränwedder gett,
tre‘in mir de Reiser drop ze drett
un wellen en decken;
dann kann en woaaßen un seech strecken
un fast seech haalen un stetzen
un ge'int Wend un Wedder schetzen."

Den Himmel es sou kloar, sou rouhig es de Loft,
se koommen schunn oos der Kirch eroos.
Et es sou hell un blank un sonndäglich emm ganzen Hoos
un oos den Deppen kemmt en ganz besoonneren Doft.
"Dauert et noch lang?"–"Nään, äwwer noch en Zeet."
"Dann ge‘ihn eech noch iwwert Feld."–"Joa, äwwer nett ze weet!
Et Aeassen es firdig,wenn de enn em halwen Stennchen hei näs bes.
Un denk dach drunn un breng mer en poar Floaaßhelm mett,
dat eech och emoal kann se'in',
wie en diss Joar gemaat seech hett
un ob e baal kemmt unnt ble‘ihn."

,,Gott sei‘s gedankt ! Un wahrlich un woar:
en es grouß!
Sou sche'in stand e selwer nett emm virigen Joar!
Blouß derft' n hei un doa eppes denner stoan.
Jidden Dag weelt eech heihin spazieren goan
un noa den bloaen Ble'iten se‘ihn!
Soa noch änen,die Planzen hätten kän Se'il un kän Geme‘it!
Zou der Floaaßble'it gehirt e Lerchenle'id
un e Summermorgen
voll Soonn un oane Sorjen.
Sou es et soß umm Sondig nur
wie heit,
un sou woar et, als eech see gefreit
un see joa gesoat hett,
un dann noch moal,doa see mir rächt oos em Bett
mett den bloaen Aaen meen e'ischt Kend."

"Mootter,geww uus se‘ier en Schmir oos em Schaaf!"
"Seid ihr och esou se‘ier hämgelaaf?
Firt e'ischt: hett sou lang die Schoul gedauert?
Eech hunn op eech gelauert un gelauert:
dihr sollt doch dem Vatter dat Ve'ier-auer troan".
"Motter,sollen mir dir eppes Sche'ines soan?
Mir woaren noch enn dat Praumensteck,
hei,de Floaaß hett schunn Käpcher,sou roud un deck
wie Errsen,un sche‘in gre‘in un gell un broon."
" Sou, sou?!Aewwer et es schunn goud!
Hei!Schmirt eech selwer de Botter op et Broud
un trenkt eier Melch un dann
zum Vatter,loaßt nett woaden den Mann."

"Haut es en Dag,besser kann en nett senn;
haut maachen eech mir free die Hänn
-die Aerbet loassen eech mir hollen nett–
un ge'ihn mett den Mädcher ze drett
un dann roppen mir den Floaaß.
Haa doo gleech die Stangen zerecht
un goud spetz-et virig Joar woaren se schlecht–
un loaß die Jongen,die zwe'in groußen se gleech hintroan.
Op dem Steck danäwen-woar nett Kur darenn?–
wellen mir den Stänner opschloan;
ma maachen diss Joar känen Tur,
sonnern en Lär wie en Daach noa der Sonnenseet,
wou en enn der Sonn un emm Wenn de ganzen Dag dann leet
un baal fir et Dräschen trecken es.
Dach e Sennchen es haut un en Loft
un en Doft
emm Feld un enn der Welt:
umm le'iwsten maacht eech die Aerbet allän."

"Dat Dräschen es nett sche‘in,äwer dat Floaaßdräschen es sche‘in.
Doa derfen mir
enn den Hännen en Botterschmir
rouig zouse‘in:
dat mecht de Vatter ganz allän,
mir kennten him de Soam zerschloan
un sou brochen mir nur dabee ze stoan.
Joa,en es trecken un dräscht seech goud!
Un wenn de Vatter seech oosgerout,
dann
dre'iht änen uwen de Wann
un den anneren schärt ennen
de Soam op et Douch
un dat däht sou goud unn de Hännen.–
Vatter!Et gett äwer Soam genouch–
fir anner Joar un wenn änen seech die Hand
hätt verbrannt!"

"Gruuß! Se'iht ihr, dihr wollt dis Joar
nett me'ih erläwen
un nett me'ih se'ihn,
wie mir dis Joar den Floaaß ennde'in.
Un äwen
seid ihr dach näß dabee gewäs.
Noon helft ihr selwer noch un läst
de Stäncher un den Dräak oos em Soam eroos!
De Vatter kann en op den Speecher troan!
Mir miessen goan
un spräden de Floaaß gleech oos
hennerm Hoos."

Un de Floaaß leet Halm unn Halm henner jiddem Hoos
de Wisen oos, de Stoppeln oos.
Un e leet un leet stell Dag un Stoonn
dags iwwer enn der Soonn.
Un enn den langen Nächten leet
en enn den Stären un emm Daa sou lange Zeet.
De Viggel senn fort - et treiwen et Ve'ih
op de Wäd die ärm Leit nur me'ih.
Kän Vuggel,kän Le'id,kän Bloum,die me'ih ble'iht!
Blouß,blouß
hett seech doa noch en ärm le‘iw Mergre‘itchen verspe‘it,
un Herstzeetlous unn Herstzeetlous.
Un iwwer de Floaaß gät Rän un Wend,
un umm End
es en groa un weeß un et henkt
himm emm den dennen Leew nur me'ih die feen seidig Hoot.
Noon es doa, o Gott, die sche‘in, sche‘in Zeet
fir Schaatz un Broot.

Hett kemmt mett'm Rächen,
emm de Floaaß ze schären,fir en ze brächen.
Un fenf Minutten spe'ider kemmt henn och mett em Rächen.
Un et es Herst,,joa Herst!Un et es näs
wie wenn um Fre'ilings-sondes-morgen kemmt
groad eroos dat e'ischte Morgenroud,
un en Amsel stemmt unn en Le'id un stemmt
un sengt un doo leest noch en se'ißer Rou
un de Kirchenauer schlät dazou
un et es noch sou fre'ih-bleiw noch enn der Rou,
se'ih dem Morgenroud zou,hir dem Vuggel zou
un die Kirchenauer un deen Härz ge'ihn richtig dazou.

"Wou soll eech dir dann die Brächstuw opschloan?"
"Dat gät deech neescht unn,doo broochst goar nett danoa ze froan."
"Un wouhin met der Bräch?-Se stät op em Woan?"
"Denk selwer noa,mouß eech dir alles soan?"
"Eech well alleweil den Floaaß schunn eriwwer troan."
"Woat noch,dann kennen mir zesummen goan!"
"Eech riten de Brächstuw näwem ousem Hoos."
"Joa, joa! Un Morgen fre'ih kloap meech ganz fre‘ih eroos!"
"Un eech maachen en sche'in Feer unn,dann es et bessi wärm."
"Un de gewws mir bes doahin dorch die Donkelhät den Aerm."
"Aewer en Kuß mouß eech als Louhn och vun dir hunn."
"Aewer nur änen, es dat Feer goud unn?"
"Dat es ze we'inig!We'inistens zwe'in!"

"Nän, nän!Die Leit kennten et unn de Spellern se'ihn!"
"Die Leit un die Spellern-wie leecht die seech tre'in!"
"Joa,joa!Se se'ihn joa och unn den Aldoar uus ge'ihn."
"Morgen fre'ih dann,wenn umm Himmel noch ste‘ihn all Stär."
"Joa,sou hell un sou he'ih!-Un eech hunn deech doch gär."
"Komm goud häm!Goud Noaat!"–"Goud Noaat!Komm goud häm!"

Un henn schle'ift nett fast un henn schle'ift doch sou goud,
schle'ift nett vill un es doch oosgerout.
Un wie henn seech wäscht un seen Morgengebäd dät
schlät un schlät
seen Härz sou he'i wie den Stär,den doa stät
un wie henn oos der Hoosdir trett,blinkt
seen Aa heller als den Stär' den druawen blinkt.

Un näwen dem Hoos
brennt alleweil schunn sou wärrn un flackert un brennt
de Brächuawen.Un dremm es de Stuw opgeschloan
mett Stangen un Woande'ichern ge'int de Wend;
henn hett gesorcht fir wärm Fe'iß un wärm Händ.
Un den Floaaß hett en schunn enn den Uawen gedoan,
dat en goud trecken es un seech goud brecht
un himm kän Aerbet un kän Aerger mecht.
Un e läft, emm känen ze wecken,op den Ziawen zou ihr
un hett stät schunn firdig op der Dir.
"Un noon stell un mellich vorbee unn jiddem Hoos!"
Die schloafen noch all
un rouig es et noch enn jiddem Stall,
dach oos der Brächstuw scheint sou roud un sou goud dat Feeer eroos.
"Noon bes haut oawend!-Komm nett ze spe'it!
Doo setzt deech enn den rouden, rouden Scheen,
drenn setzt et seech sou feen,
un dann sengen ma äin Le'id noa dem annern Le'id,
un während eech brächen,
kennen mer och uus Hochzeet besprächen."
Un henn mecht seech davunn!
Un schunn es hett drunn
un brecht den Floaaß,brecht
himm den letzten Knoachen oos em Leiw eroos
un ze'iht em die feen seidig Hoot eroap un oos.
Un et beseet en - wenn
dat helzerne Schwing-schwert noch durch en fiart
un e gezuch gett durch de Hechel-zenn,
es kän Spellerchen me‘ih drenn,
es en goud un kloar,
sche'iner wie dat sche'inste Mädchenhoar.

Un hett stät un hält
enn der Hand dat kostbarste enn der Welt
noa Melch un Broud:
hält die silwergroa Floaaß-rind,die Floaaß-faser en de Wend,
feen wie Hoar,
schicksalsvoll un wä-weet wie Hoar vunn em Kend.
Enn der änsamen,fre’ihen Brächstuww hält
Se dat Floaaßhoar ge’int dat roude,roude Feeerlicht
Als hett se en Gesicht.
Un se hett en Gesicht–se seet un seet,
wat alles dem Floaaßhoar op seinem Wä noch leet,
seet,seet,
wie se en spennen un spoulen un ze’ihn
op de Wiawstouhl un dat es sche’in.
Wie se en ze’ihn un dre’ihn un ze’ihn un dre’ihn
Zou Säl un zou Streck un zou’em Daa,
un se ze’ihn damett dat Scheff unn et Land
un lassen et vumm Land–
wouhin?wie weet?
Un se seet emm Waasser en Hand
Die greff un greff
noa dem Daa–äwer nän un weet es de Strand.
Un se seet:noon ge’ihn se drunn un ze’ihn
se drunn,dat uawen de Gloaken zesummen schle’in
zou Gebäd un Hochzeet,zou Doud un Graw.
Un se seet,wie et seech schlengt
emm de Sarch
un die ärm Kenner kreeschen sou arch.
Gott,noon seet se, wie se mett dem Streck
en ärmen Mensch bennen un se seet seinen Bleck,
wie se en firen un brengen vir’t Gericht;
un seet seen Gesicht,
wie se en unn den Galjen henken:
Gott,et es nett ze denken!
Fort,fort den Bleck!
Koomm,meen Floaaß,koomm,
bleiw meen Le’iwstes,bleiw
bei Bauernläwen un Bauerngescheck!

"Die Schränk voll vun ägenem gouden Leinen ! Geweß,
dat es sche’in,Här Pastur!
Aewer bedenkt och en beßchi nur,
wat dat dat ganze Joahr fir en Aerbet es.
Weil hummer dach schunn die ganz Woch
Geschwong un geschwong un gehechelt–
-dihr lächelt–
joa,gehechelt,äwer nett mett der Zong.
Die Mädcher wäschen groad noch dat Goar vum letzten Joar,
Spennen bes noaats zwelf Auer!
En sche’in Saach fir den Bauer:
Selwer se’ihen un gewennen
Selwer spennen un wiawen un ne’ihen un maachen,-
Dat es Aerbet iwwer Aerbet–un dat es ze sche’in
Wenn Bauernmäd un –männer nur ihr ägen goud Saachen tre’in,
die hunn e’iwig Wert un Dauer,
un die et annischter maachen un iwwer useränt laachen,
senn fauler,nett schlauer."
Un die Wenterstuww es vooll Sonnenschemmer
Un sou wärm un sou hämlich,
daboossen den weeße Schne’i un de Sonn dariwwer,
dabennen dat weeße Leinen un die jong Gesiiter driwwer–
en Paradiis-zemmer
un die Hänn senn bei der Aerbet emmer.
Virm Wenter hunn se noch alles schne’iblank gebläächt un geboocht,
wie dat Leinen et broocht,-
noon senn se umm Mäaßen un Ne’ihen
un et es en Läwen.
Enn der Kammer danäwen
schafft de Vatter op em Wiawstouhl.
-Beim Werftopze‘ihn
missen se all helfen,dat Goar haalen un dre’ihn.
Un kommen die Jongen oos der Schoul,
maachen die Spoul un Spoul.
Doa senn se joa schunn!
"Motter,wesst ir,wat ma haut morjen hunn getriww?
Ma hunn vum Floaaß geschriww."
"Vatter,road,wat de Schoulmäster hett gesoat.
Eech hett die Saach umm besten gemaat
Un en hett meech zwe’in erop gesaat."

Un dän ganzen Desch
un de Stuww dazou
leet voll Leinen,aal un nau,un all hell un fresch:
Leinen,Leinen!Un sou doftig un däftig un sterk;
Bauern-oaat un Bauern-werk!
Fir alles,wat den Bo’er broocht:
Deschde’ischer,Handde’ischer,Kischende’ischer,
fir Himmer,wie Mergre’itcher sou fresch,
Himmer,die seech e’iwig troan,
Leinen fir Männerjacken un –boxen fir Jongen un Aalen,
die e’iwig haalen un hinnen,bloa
gefärwt,sou virzischlich ste’ihn,
un Leinen,bloa gestreeft un roud
fir Mädcher-ennerräck un Aerbetskläder,
wou se gebotzt drenn senn,dat ma seech frät,
wenn se äwwer unn die Aerbet ge’ihn emm aalen Sondeskläd,
kommen se daher wie Bäddelleit.
Leinen fir alles,dat es gescheit,
un dat Feinste es fir en nau Schaaf-douch
fir den letzten Lär.
Un doa mänt den Här:
"Fir en Aldoardouch wir et och noch genouch!"
"Joa!Gär! Dat sollt dihr hunn!
Se’icht eech et schunn!"
Un enn de Stuww trett en jongen Mann erenn,
un dat ältst Mädchi gett roud,
un de Pastur denkt:"Dat wiird et senn",
un denkt:"Joa,dat es goud,
doa kennt ma seech freien."
Un dat Mädchi seet iwwer den Desch,
wou die Windeln leien,
himmelsfresch.
"Gleckse’ilig Kend!
Gott sorgt,dat de Welt noch nett nemmt en End!
Dihr paaßt zesummen
Un et Alter un Leinen es doa,
meinen Sä’hn sollt dihr hunn enn Gotts Nummen."

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Aktualisiert am:
27. Dezember 2010

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